Grüne: Eklat um Protestbrief an Habeck und Baerbock – „Die Kacke ist richtig am Dampfen“

Ärger in der Parteizentrale der Grünen um einen Brief.
Ärger in der Parteizentrale der Grünen um einen Brief.
Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld, Montage DER WESTEN

Eklat bei den Grünen: Eine linke Basisgruppierung innerhalb der Partei kritisiert in einem Schreiben deutlich die Pläne der Parteiführung um Robert Habeck und Annalena Baerbock.

In dem Protestbrief der Grünen heißt es: „Personenkult tut uns nicht gut und widerspricht unseren Idealen“. Nun reagierte die Parteiführung auf das Schreiben.

Grüne: Linke Basisgruppe sorgt für Eklat in der Partei

Hinter dem Brief steckt die Gruppierung „Unabhängige Grüne Linke“, unterzeichnet haben ihn zwölf Parteimitglieder. Eigentlich eine recht überschaubare Truppe, dennoch sorgt das Schreiben für einige Aufregung im politischen Berlin. So wusste der Leiter des taz-Parlamentsbüros, Ulrich Schulte, über Twitter zu berichten: „Mehrere Grüne regen sich gerade sehr über einen Brief einer wenig relevanten Basisgruppe auf.“ Tatsächlich posteten mehrere Spitzenpolitiker der Partei prompt Statements via Twitter.

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Grüne: Statement aus der Parteizentrale: „Damit widersprecht ihr dem Teamspirit“

In dem Brief wird die Parteiführung dazu aufgefordert, dass Robert Habeck und Annalena Baerbock als Team in den Bundestagswahlkampf ziehen sollten, statt als alleinige Kanzlerkandidatin bzw. alleiniger Kanzlerkandidaten. Sollte der Parteivorstand doch mit einem einzelnen Spitzenkandidaten antreten wollen, dann müsse dies auf dem Parteitag im Juni oder bei einer Basis-Urabstimmung mehrheitlich so entschieden werden. Bisher hieß es, dass die Grünen-Spitze unter sich zwischen Ostern und Pfingsten entscheiden wollen, wer für sie bei der Bundestagswahl 2021 als Spitzenkandidat antritt. Die beiden Parteichefs Baerbock und Habeck wollen demnach diese Entscheidung einvernehmlich im April oder Mai treffen.

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Mehr über die Grünen:

  • Gegründet wurde die Partei 1980, im Jahr 1993 folgte die Vereinigung mit Bündnis 90.
  • 1983 zogen die Grünen erstmals in den Bundestag ein.
  • Von 1998 bis 2005 waren sie Koalitionspartner in der Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder.
  • Die Partei hat mittlerweile über 100.000 Mitglieder.
  • Winfried Kretschmann ist der erste grüne Ministerpräsident.

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Aus der Grünen-Parteizentrale reagierte Bundesgeschäftsführer Michael Kellner auf das Schreiben der linken Basis-Gruppe. Er zeigte sich befremdet, dass die Absender ihren Brief auch direkt öffentlich gemacht hätten. „Damit ignoriert Ihr genau die gelobte Geschlossenheit und widersprecht dem Teamspirit. Das geht nicht zusammen.“ Mit ihren „großartigen Zustimmungswerten“ um die 20 Prozent hätten die Grünen erstmals eine Chance auf das Kanzleramt. Kellner weiter: „Die Wählerinnen und Wähler können in diesem Jahr das Unwahrscheinliche möglich machen. Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass sie in diesem Fall ein Anrecht darauf haben, zu wissen, wer ins Kanzleramt einziehen soll.“

Stellvertreterin von Habeck und Baerbock reagiert ironisch: „Die Kacke ist richtig am Dampfen“

Häme kommt derweil vom FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle. Dieser feixte über Twitter: „Endlich Streit“. Offensichtlich ironisch antwortete Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen: „Die Kacke ist richtig am Dampfen.“

Weniger humorvoll reagierte Jamila Schäfer, ebenfalls eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden, auf den Brief. Sie twitterte: „Wer bei Parteitagsabstimmungen kaum mehr als 5% bekommt, muss eben mit offenen Briefen trollen.“ Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler bezeichnete das Schreiben als „Sturm im Wasserglas“.

Ein anderer Grüne sorgt auch immer wieder für Aufsehen, obwohl er eigentlich nur Oberbürgermeister der mittelgroßen Stadt Tübingen ist: Boris Palmer. Zuletzt machte Palmer mit einer neuen Lockdown-Forderung Schlagzeilen.