„Tatort“-Star Wotan Wilke Möhring: Traumjob Polizist? Seine Reaktion sagt alles

Wotan Wilke Möhring spielt im Tatort den Hauptkommissar Falke.
Wotan Wilke Möhring spielt im Tatort den Hauptkommissar Falke.
Foto: NDR/Christine Schroeder

Am Sonntag ist er endlich wieder im Einsatz. In dem „Tatort“ „Tödliche Flut“ spielt Wotan Wilke Möhring bereits zum 14. Mal den Hauptkommissar Thorsten Falke.

Wir haben mit Wotan Wilke Möhring über die Faszination „Tatort“, die Corona-Thematik und sein Verhältnis zur Polizei gesprochen.

Herr Möhring, der ‚Tatort‘ hat in diesem Jahr sein 50. Jubiläum gefeiert. Wie schafft man es über so eine lange Zeit die Menschen zu erreichen?

Ich glaube, das hat zwei Gründe. Einmal ist es die Beständigkeit. Der ‚Tatort‘ ist ja die letzte analoge Instanz, die funktioniert und der Sonntagabend ein Top-Sendeplatz. Die Kinder sind zurück vom Raven, die Eltern zurück aus dem Schrebergarten.

Dann kommt natürlich dazu, dass die Themen viel breiter aufgestellt wurden. Wir ermitteln nicht mehr wie früher den Giftmord im Münchner Vorort, sondern auch harte Sachen. Bisschen Nervenkitzel, bisschen Crime, bisschen Rate-Show.

Wie wird sich der ‚Tatort‘ noch entwickeln?

Der ‚Tatort‘ ist ein Fenster in die Zeit. Ich hoffe, dass wir es uns wie die Amerikaner trauen, auch Filme mit Maske zu machen. Man ist ja immer davon ausgegangen, dass Corona nächstes Jahr vorbei ist, aber wer weiß, wie sich das noch entwickelt? Was ich damit sagen möchte: Man könnte noch aktueller sein.

Wäre das Thema Pandemie eines, das Sie sich für ihren ‚Tatort‘ wünschen würden?

Ob ich mir das wünschen würde, weiß ich gar nicht. Eher Themen, die uns konkret betreffen. Wie würde ich auf eine bestimmte Situation reagieren? Wir lesen oft über Amokläufer, aber wann wäre es bei uns soweit? Wie lange lassen wir uns Sachen gefallen? Wie kommen Menschen dazu, jemanden umzubringen?

Der Weg dahin. Das ist ja die Motivation, die wir als Kommissare verfolgen. Das ist ja das, was wir spannend finden.

Sie sagten gerade ‚wir als Kommissare‘. Wäre Polizist ihr Plan B im Leben gewesen?

Um Gottes Willen. Auf keinen Fall (lacht). Aber das ist ja das Lustige, wenn ich eine Rolle spiele, sagen wir mal Klavierlehrer, dann lerne ich Klavierspielen und versuche mich in die Welt einzuleben. Die schauspielerische Vorbereitung auf die Polizei ist dagegen eher stiefmütterlich.

Wie geht das wirklich? Wie sehen Festnahmen aus? Wie denkt ein Polizist?

Sie waren früher Punk. Hat sich Ihre Sicht auf die Polizei geändert?

Was ich nach dieser Punk-‚All Cops are Bastards‘-Zeit dazugelernt habe, ist, dass die Polizisten ihren Arsch hinhalten müssen. Ob sie wollen oder nicht. Sie haben geschworen, ‚die da Oben‘ zu schützen, egal, ob ihnen ‚die da Oben‘ gefallen oder nicht. Das ist etwas, das einen belasten kann.

Das ist auch ein Thema, das ich sehr spannend finde. Zu schauen, wer ist der Mensch hinter dem Beamten? Deswegen habe ich vorhin auch ‚wir‘ gesagt. Der Falke ist natürlich Polizist. Er kommt aber auch aus der sozialistischen Ecke. Das bedeutet aber nicht, dass ich grundsätzlich gegen die Einhaltung von Regeln bin, die es uns ermöglichen, zusammen auf diesem Planeten zu leben.

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Das ist der „Tatort“:

  • Der 'Tatort' ist eine Kriminalfilm-Reihe, deren Ausstrahlung 1970 im westdeutschen Fernsehen begann
  • Bislang erschienen über 1100 Tatort-Filme
  • In den ersten Jahren erschien durchschnittlich ein neuer Film pro Monat
  • Ab den frühen 1990er Jahren erhöhte sich die Häufigkeit der Erstsendungen und liegt mittlerweile bei etwa 35 pro Jahr
  • Die Filme sind in der Mediathek der ARD abrufbar
  • Im „Tatort“ Weimar sind Nora Tschirner und Christian Ulmen seit 2013 als Kommissare zu sehen

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Im vergangenen München/Dortmund-Tatort tauchte eine BVB-Tasse auf. Sie sind glühender Dortmund-Fan. Wann trinkt Falke denn endlich seine Milch aus dem schwarz-gelben Glas?

Gar nicht! In dem Fall, den wir jetzt gerade aktuell abgedreht haben, sagt Falke: ‚Ich interessiere mich nicht für Fußball‘. Das war mir ganz wichtig. Auch um eine Grenze zwischen mir privat und der Figur Falke zu ziehen.

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Braucht es diese Grenze?

Ich finde schon. Wer will schon immer sich selber spielen? Nichtsdestotrotz liegt es uns auf der Seele, auch mal einen ‚Tatort‘ im Stadion zu drehen. Das wäre natürlich toll, in den Katakomben mit 90 Minuten Zeit einen Fall zu lösen.

Gibt es bereits konkrete Pläne?

Konkret ist immer schwierig. Es liegt aber auf jeden Fall oben auf.