Luisa Neubauer: Rassismus-Problem bei „Fridays for Future“? Klima-Aktivistin spricht Dilemma offen an

Das ist Luisa Neubauer

Luisa Neubauer ist nach Greta Thunberg das bekannteste Gesicht von “Fridays for Future“ in Deutschland.

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In der neuen Folge ihres Klima-Podcasts „1,5 Grad“ diskutiert Luisa Neubauer mit der Sozialwissenschaftlerin Imeh Ituen darüber, was Rassismus mit der Klimakrise zu tun hat.

Es geht um sich fortsetzende Denkmuster des Kolonialismus, die Ausbeutung des globalen Südens, nun erneut auch bei der Energiewende – aber Luisa Neubauer ist in dem Gespräch auch kritisch gegenüber der Bewegung „Fridays for Future“ (FFF), die sie in Deutschland selbst stark prägte.

Luisa Neubauer: „Fridays for Future“ hat Geschichte erzählt, „die sich um weiße Mädchen aus dem globalen Norden dreht“

Luisa Neubauer stellt sich die Frage, wie die Klimabewegung in Deutschland und Europa gelingen kann „ein Verantwortungsbewusstsein zu schaffen, was der Globalität und Komplexität der Krise entspricht“. „Fridays for Future“ habe zwar in einem neuen Maß auf die Klimakrise aufmerksam gemacht. „aber mit dem sehr sehr hohen Preis, dass wir eine Geschichte erzählt haben, die sich um weiße Mädchen aus dem globalen Norden dreht.“

Damit meint Luisa Neubauer wohl sich selbst, aber natürlich auch Greta Thunberg oder ihre Cousine Carla Reemtsma, die auch als Klimaaktivistin in den Medien präsent ist.

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Mehr über Luisa Neubauer:

  • Die 24-Jährige ist in Hamburg aufgewachsen.
  • Sie wurde als „deutsche Greta Thunberg“ in der Bewegung „Fridays for Future“ bekannt.
  • Luisa Neubauer selbst bezeichnet sich als Klimagerechtigkeitsaktivistin.
  • Im Sommer 2020 schloss sie ihr Bachelor-Studium der Geographie ab.
  • Neben ihrem Podcast hat Neubauer eine Kolumne im STern und veröffentlichte 2019 das Buch "Vom Ende der Klimakrise - Eine Geschichte unserer Zukunft"

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Luisa Neubauer kritisiert weiße, zentraleuropäische Denkart bei der Klimakrise

„In dem Sinne hat es funktioniert, weil sich auf einmal Mittelschichtseltern gefragt haben: Huch, was passiert eigentlich mit den Kindern? Und sich überlegt haben, wie wähle ich. Leute haben eine andere Perspektive auf die Klimakrise entwickelt, die eben kein Problem von Eisbären war. Aber noch immer ist es eine Klimakrise, in der die Hauptrolle nicht von denen gespielt wird, die eigentlich schon heute im Hier und Jetzt diejenigen sind, die tagtäglich mit der Klimakrise konfrontiert werden.“

Dementsprechend sei FFF „Teil einer Dynamik, die noch immer negiert, wer eigentlich gerade konfrontiert wird.“ Das seien primär Menschen in Ländern des globalen Südens. Angesichts dieser weißen, zentraleuropäischen Denke spricht sie von einer „verantwortungsethischen Verödung“.

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Mehr über Luisa Neubauer, Greta Thunberg und Fridays for Future:

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Ihre Gesprächspartnerin Imeh Ituen, die selbst familiär nigerianische Wurzeln hat, fordert im Podcast, dass sich Weiße mehr hinterfragen sollen. Etwa wieso es so ist, dass sie „nie in die Lage gebracht werden, sich mit anderen Menschen zu identifizieren, die nicht weiß sind“. Dagegen seien People of Color und indigene Menschen weltweit „dazu gezwungen, sich mit weißen Menschen zu identifizieren“. Es sei nicht schwer, diese Empathie für das Leid anderer Menschen zu entwickeln.

Die ganze Podcast-Folge mit Luisa Neubauer und Imeh Ituen kannst Du hier auf Spotify anhören.