Markus Söder (CSU): Rundumschlag gegen Grüne, SPD, Freie Wähler und AfD ab: „Sektenähnlicher Zustand“

Markus Söder teilte beim Politischen Aschermittwoch ordentlich aus.
Markus Söder teilte beim Politischen Aschermittwoch ordentlich aus.
Foto: CSU

Der Aschermittwoch ist bekanntlich das Ende der Karnevalssaison. Der deftige verbale Schlagabtausch der Politiker an diesem Tag hat als „politischer Aschermittwoch“ inzwischen feste Tradition.

SPD, CSU, AfD, Grüne und FDP – alle veranstalten auch im Jahr 2021 ihren politischen Aschermittwoch. Aufgrund der Corona-Situation natürlich anders als in den vergangenen Jahren.

Für Markus Söder sei der politische Aschermittwoch der „politischer Höhepunkt des Jahres“ und „CSU pur“. Bei seiner Rede lederte er ohne Blatt vor dem Mund über SPD und Grüne ab. Auch so deutlich wie über die AfD hat man Markus Söder selten sprechen hören.

Markus Söder: Plumper Veggie-Witz zum Einstieg

Der politische Aschermittwoch sei auch immer eine ernste Veranstaltung, aber die Erfindung der CDU, so Markus Söder. Die anderen Veranstaltungen seien nur „Kopien“ wie „Tofu-Würstchen und Veggie-Burger, theoretisch möglich, aber geschmacklos“. Man möchte fast dankbar sein, dass er nicht noch ein noch abgedroschenes „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“ hinterwirft.

Wer zum Aschermittwoch eingeladen werde, müsse eine Stimmungskanone sein. „Warum die SPD da Olaf Scholz eingeladen hat, bin ich mir noch nicht ganz sicher“. Scholz sei vielleicht ein solider Politiker, doch eher geeignet den Blutdruck zu senken, „als ihn steigen zu lassen“. Hier kannst du die Rede von Olaf Scholz nachlesen.

„Für mich hat der Aschermittwoch seit meiner Jugend eine besondere Tradition“ – schon als Jugendlicher habe er an den ersten Veranstaltungen teilgenommen, damals noch mit Franz Josef Strauß. Heute hätten alle Redner großen Respekt vor der Veranstaltung, es sei „die mit Abstand schwierigste Veranstaltung des Jahres“. Das zeigt sich auch an der Entscheidung, die Aufzeichnung im niederbayerischen Passau durchzuführen. Die Grünen und die FDP würden das in diesem Jahr in München tun, sie verstünden „dieses Land und diesen Tag“ nicht.

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Markus Söder: Ernste Worte zu Corona

„Alle Maßnahmen, die wir getroffen haben, waren richtig“, meint Söder mit Blick auf die Corona-Pandemie. Es sei gerade im stark betroffenen Bayern ein Erfolg gewesen. Ein bisschen Selbstlob darf also natürlich auch hier nicht fehlen. „Corona ist der Gegner“, mahnte Söder und bat darum, durchzuhalten.

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„Für mich sind Todesfälle, und zwar jeder einzelne, ein Stich ins Herz“, wird Söder beim Thema Corona emotional. „Die wahren Opfer der Pandemie sind 65.000 Menschen, die tot sind. Die haben keine Öffnungsperspektiven.“ Er sei erschrocken über die Gleichgültigkeit, mit der Menschen inzwischen das Argument „die sind doch über 80“ vorbringen würden.

Gleichzeitig gebe es Hass, Hetze und Fake-News. Auch er selbst wurde an Silvester Ziel einer solchen Verschwörungserzählung, als er angeblich in Borkum Urlaub gemacht und gefeiert hätte – „wie absurd“, kommentiert Söder. Andere Drohungen gingen weit über das hinaus, was eine demokratische Gesellschaft akzeptieren könne, „kranke Leute sind da unterwegs.“

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Markus Söder fertigt eigenen Koalitionspartner in Bayern ab

Gefährdete Existenzen bräuchten jetzt finanzielle Unterstützung, fordert Söder an den Bund. Kurios: Dabei fertigt Söder den eigenen Koalitionspartner der CSU in Bayern ab, die Freien Wähler. Als es um die gesunkene Mehrwertsteuer für Gastwirte geht, sagt Söder: „In Berlin erreicht nur was die CDU.“ Der Einfluss der Freien Wähler sei „in Berlin genauso groß, wie auf dem Mond.“

Als der CSU-Vorsitzende anschließend über die Gefahren der Mutationen spricht, dürfte Karl Lauterbach zuhause einen Luftsprung gemacht haben. Der bayerische Ministerpräsident weist eindringlich auf die Gefahr der britischen und südafrikanischen Mutationen hin. Hätte es bereits im Dezember eine weite Verbreitung gegeben, wäre die britische Variante auch trotz der Einschränkungen nicht zu stoppen gewesen.

Bei Öffnungsperspektiven spielten die Friseure eine wichtige Rolle. Als nächstes sei die Öffnung von Gartencenter denkbar, diese hätten wie Supermärkte verderbliche Ware und „passen in den Frühling“. Es ist zu hoffen, das letzteres nicht wirklich ein relevantes Kriterium bei der Frage war, welche Geschäfte als nächstes öffnen dürfen.

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Nach dem Handel könne auch der Individualsport beginnen und die Kultur öffnen. Man müsse junge Künstler und Künstlerinnen fördern, nicht nur die Hochkultur, es brauche eine Open-Air-Kultur, keine Investition in Kulturbauten.

Markus Söder mit bösem SPD und S04-Vergleich

Nach dem ernsten Corona-Block ging es dann wieder zurück zum Angriff. „Die SPD macht immer das gleiche, nämlich immer das falsche“, fängt Söder an und ergänzt: „Mir kommt die SPD manchmal so vor, wie Schalke 04. Großer Name, tolle Geschichte, aber echt schlechtes Spiel.“ Bei den Sozialdemokraten gebe es „Enteignungsfantasien“, Scholz mache einen seriösen Eindruck, ihm sei aber nur „erlaubt worden zu kandidieren“. Das Programm schrieben linke Kräfte wie Kevin Kühnert.

„Ich muss ehrlich sagen, ich bin ein bisschen enttäuscht und entsetzt, was die Grünen derzeit machen“, so Söder mit Blick auf die Diskussion um Einfamilienhäuser. Jetzt habe „Anton Hofreiter, der mächtigste bayerische Grüne, inhaltlich wie optisch“, erklärt, er stelle sich das für Bayern vor. Er hatte gedacht, die Grünen seien weiter, so Söder. „Ich bin für mehr Grün in Bayern, aber nicht für mehr Grüne.“

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Das ist Markus Söder:

  • geboren am 5. Januar 1967 in Nürnberg
  • seit März 2018 Ministerpräsident von Bayern
  • seit Januar 2019 CSU-Parteivorsitzender
  • hat schon zu Beginn der Corona-Pandemie Ausgangsbeschränkungen in Bayern verhängt

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Bayern sei ein „grünes Land, ohne Grüne im Amt“. CSU-Politiker Alexander Dobrindt hatte auf Twitter zuletzt am Valentinstag mit einer Bildmontage von Anton Hofreiter für Aufsehen gesorgt, auf der er erklärte, er habe keine Sympathien für die Grünen. Söder hatte sich nun offenbar auf Hofreiter eingeschossen und erklärte: „Ich umarm auch lieber Bäume, als Anton Hofreiter“.

Danach ging es erneut gegen den eigenen Koalitionspartner in Bayern. Mit Blick auf mögliche Mehrheitskonstellationen nach der Bundestagswahl sagte Söder: „In Bayern klappt das ja ganz gut, aber einmal Freie Wähler reicht auch.“ Die FDP sei der präferierte Ansprechpartner, doch hier würde es mit Mehrheiten knapp. Als er dann wieder um die Grünen geht, wirkt es fast so, als bereite Söder seine Partei bereits vor.

Markus Söder mit drastischen Worten über die AfD: „Würde sich nur in Mordor wohlfühlen“

Das aktuelle Programm sei nicht koalitionsfähig, wenn die Grünen jedoch in die Regierung kämen würde die Partei schnell „grau“: Auch sie fällten Bäume, teerten Straßen oder führen Auto. „Bitte eines sehen: Sie sind keine Quasi-Heiligen. Das sind charmante und kompetente Leute vielleicht – ich würde mal sagen eher charmant – bei kompetent bleiben Fragen.“ Zuletzt widmet sich Söder mit deutlichen Worten der AfD.

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„So kurz im Parlament, so viel Unfrieden, so viel Spaltung erreicht. Das hat noch keine Partei geschafft.“ Dabei gehe es nicht nur um Fake-News, „das ist mittlerweile schon fast normal“, sondern um „böse Hass- und Hetze-Attacken“. Die Partei verschmelze mit Rechtsextremen und Querdenkerszene, befinde sich auf dem Weg in einen „sektenähnlichen Zustand“. Sie baue sich eine eigene Welt aus Lügen, die am Ende in echter Gewalt resultieren könne.

„Die AfD ist nicht die Alternative für Deutschland, sondern ein Angriff.“ Er erkenne das „Muster der 30er-Jahre“. Es sei eine „rechtsextreme Partei“ mit vereinzelten Bürgerlichen. Wäre Deutschland Mittelerde, so Markus Söder mit Blick auf den Klassiker „Herr der Ringe“, „die AfD würde sich nur in Mordor wohlfühlen“. (dav)