Lieferando: „Die verarschen einen!“ – Restaurant-Besitzer fühlt sich unfair behandelt

Lieferando bringt täglich tausende Menschen ihr Essen nach Hause.
Lieferando bringt täglich tausende Menschen ihr Essen nach Hause.
Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Seit November sind die Restaurants deutschlandweit erneut geschlossen. Die einzige Möglichkeit der Gastronomen, Umsätze zu generieren, ist der Abhol- und Bringdienst. Dabei nutzen viele Restaurantbesitzer neben ihrer eigenen Webseite auch die Vermittlungsplattform Lieferando.

Dabei müssen die Gastronomen bei jeder Bestellung einen gewissen Prozentsatz an Lieferando abgegeben. Doch der scheint dem Unternehmen nicht genug zu sein.

Lieferando kopiert Webseite von Restaurants

Beim „Mittags Magazin“ in der ARD spricht ein Restaurantbesitzer aus Augsburg über seine Erfahrungen mit Bestellung-Giganten Lieferando.

Bestellt ein Kunde über Lieferando, gibt der jeweilige Gastronom rund dreizehn Prozent des Bestellwerts an die Online-Plattform ab – laut „Mittags Magazin“ setze Lieferando auch unfaire Mittel ein, um den Satz einzutreiben.

So fand Restaurantsbesitzer Daniel Debus heraus, dass Lieferando seine Webseite kopiert hatte, um damit noch mehr Kunden über Lieferando zur Bestellung zu locken.

Dabei soll sich der Lieferservice anscheinend auch nicht sehr viel Mühe bei der sogenannten „Schatten-Webseite“ gemacht haben. In der Kopie sieht man nämlich ein Bild von einem Steak, obwohl es sich bei dem Augsburger Restaurant um ein veganes Restaurant handle: „Die verarschen einen und klauen dir deinen Namen. Da denkst du dir echt 'Was zur Hölle'“, so der Augsburger Gastronom gegenüber dem „Mittags Magazin“.

Lieferando-Strategie als Wettbewerbsvorteil für kleinere Restaurants?

Tatsächlich befinden sich im Internet laut Berichterstattung über 50.000 Take-Away-Webadressen, die anscheinend von Lieferando ins Leben gerufen wurden. Bei manchen bestehen sogar bis zu sechs Varianten der Webseite.

Vom Konzern erhält das „Mittags Magazin“ eine schriftliche Stellungnahme, in der das Unternehmen das Verhalten als Wettbewerbsvorteil verteidigt: „Unsere Mini-Sites helfen insbesondere unseren kleinen Restaurantpartnern im Wettbewerb und verschaffen ihnen zusätzliche Umsätze. Die meisten Gastronomen freuen sich über diesen inbegriffenen Zusatzservice, zumal er ihnen nicht nur entsprechende Mediabudgets spart.“

--------------------

Mehr Themen:

--------------------

Dabei genießt Lieferando allerdings zusätzlich in Hinblick auf die Suche via Google Vorteile – denn durch eine Kooperation mit Google wird Lieferando in der Suche ganz oben platziert.

Kritiker warnen vor einer Marktmacht. Zumindest der Gastronom aus Augsburg verrät dem „Mittags Magazin“, dass er unabhängiger von Lieferando werden will und versucht, mehr Bestellungen über seine eigene Webseite zu generieren. (pag)