„Hart aber fair“ (ARD): Lehrerin fährt Karl Lauterbach voll in die Parade – „ Warum immer Extreme zeichnen?“

Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster

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Bei „Hart aber fair“ (ARD) hat es am Montagabend geknallt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist in der Talkshow mit der Lehrerin und Grünen-Politikerin Lamya Kaddor aneinandergeraten.

Die warf dem SPD-Politiker vor, bei der Diskussion um eine Teststrategie und damit einhergehende Lockerungen eine „Gegenfront“ aufzumachen. Das wollte Lauterbach bei „Hart aber fair“ nicht so auf sich sitzen lassen – es wurde hitzig bei Frank Plasberg.

„Hart aber fair“ (ARD): Viel Druck im Kessel

„Viel Druck im Kessel: Wie lange ist der Lockdown noch zu halten?“, lautete das Thema bei „Hart aber fair“ am Montagabend. Und Druck war vor allem bei Lamya Kaddor im Kessel, die SPD-Experte Karl Lauterbach nach Ausführungen mehrmals anging.

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Die erste halbe Stunde hörte Lauterbach erst einmal zu – und durfte sich viel Frust in der Runde anhören. Kaddor, die über ihren schulpflichtigen Sohn sprach, TV-Koch Nelson Müller, der in seinem Restaurant in einer sehr schwierigen Situation stecke und sich „alternative Konzepte“ wünschte, und Thalia-Chef Michael Busch, der vor verödeten Innenstädten warnte.

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„Hart aber fair“ (ARD): Lauterbach überrascht mit Lockdown-Öffnungsplan

Für „Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg kam der Öffnungs-Vorschlag von Karl Lauterbach vom vergangenen Wochenende überraschend. Am Sonntag hatte Lauterbach auf Twitter gefordert, in Betrieben und Schulen einmal wöchentlich zu testen. Am Tag der Testung könnte man dann wieder in die Geschäfte und damit trotz Lockerungen den R-Wert weiter drücken. Plasberg fragt: War es „die Erkenntnis, dass der gesunde Menschenverstand manchmal etwas anderes will als der Sachverstand?“

Lauterbach lächelt die Spitze nur weg. Es sei aus „rein medizinisch aus meiner Sicht zu vertreten“. Würde man gar nicht lockern, „sitzen wir wie das Kaninchen vor der Schlange“. Mit den aktuellen Maßnahmen käme man zudem aus dem Lockdown heraus „in eine massive dritte Welle“. Diese würde vor allem die 50 bis 80-Jährigen hart treffen, die zu jung für die Impfung aber zu alt für milde Verläufe seien.

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In der Runde stößt der Lockerungsvorstoß zunächst auf Zustimmung. Müller glaubt, es würde „für viel Beruhigung sorgen“, Busch forderte den Aufbau einer Test-Infrastruktur und die Medizinerin Jördis Frommhold glaubte, dass man Privatpersonen die Anwendung von Tests durchaus zutrauen könnte. Allein mit mehr Tests auf dem Markt sei die Corona-Problematik aber nicht zu lösen, warnt Lauterbach. Dann folgt seine große Einschränkung.

Lauterbach warnt bei „Hart aber fair“ – Lehrerin fährt ihm sofort in die Parade

Auch ein guter Selbsttest könne bei asymptomatischen Corona-Fällen nur zu 60 Prozent eine Infektion feststellen. Deswegen sei die Testung nur in Gruppen sinnvoll, da sich diese Fehler dann ausgleichen würden. Lauterbach warnte: „Ich kann mit diesen Tests auch sehr viel kaputtmachen.“ Auch bei der Corona-App wurden in einem anonymen Szenario nur rund 50 Prozent ihre Kontakte informieren. Kaddor grätscht an dieser Stelle das erste Mal dazwischen.

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Das liege vor allem daran, dass nicht jeder die App auf dem Handy installiert habe, so Kaddor. Lauterbach korrigiert sofort, er spreche lediglich von den Menschen mit Corona-App. Kaddor schüttelt ein wenig mit dem Kopf, hat ab diesem Zeitpunkt offenbar Blut geleckt.

„Ich warne einfach vor Lockerungen und Schnellschüssen“, so Lauterbach weiter. Die Tests einfach ohne Strategie auf den Markt zu werfen sei falsch, „die werden dann verbraucht, um am Wochenende einfach Party zu machen“, damit würden die Schulen und Betriebe nicht sicherer.

Entgeistert rief Kaddor: „Dass sie wieder mit Party kommen! Warum muss man denn immer Extreme zeichnen?“ Lauterbach entgegnete, anders als über den strategischen Einsatz von Tests seien die Schulen nun einmal nicht zu öffnen. Die Grünen-Politikerin darauf säuerlich: Man könne sein Argument auch vortragen, „ohne die Gegenfront aufzumachen.“

Karl Lauterbach: „Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht“

Lauterbach ist merklich angefressen: „Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht, ich mache doch niemandem einen Vorwurf, wenn er am Wochenende Party machen will und sich dafür testet.“ Das sei schlicht ein realistisches Szenario. Man müsse jetzt abwägen, ob man die vorhandenen Tests gezielt für eine Strategie nutzen wolle, statt sie auf den Markt zu werfen.

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„Irgendwann kann man den Deckel nicht mehr draufhalten und dann läuft es an einem vorbei. Damit meine ich nicht nur Sie, Herr Lauterbach“, schaltet sich dann Michael Busch wieder in die Diskussion ein. Epidemiologe Lauterbach hat es an diesem Abend wirklich nicht leicht.

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Das sind die Gäste bei „Hart aber fair“:

  • Michael Busch, Chef von Thalia
  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe
  • Lamya Kaddor, Grünen-Politikerin und Lehrerin
  • Nelson Müller, TV-Koch und Restaurantbesitzer
  • Jördis Frommhold, Chefärztin für Pneumologie in Heiligendamm

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Gebetsmühlenartig verweist er auf die Mutationen und den harten Lockdown in Großbritannien. Ohne vernünftige Teststrategie kommen man in eine große Welle, dass man sofort schließen müsse. Das sei „so sicher wie das Amen in der Kirche“. Jetzt einfach einem Stimmungsbild, welches Öffnungen fordert, hinterherzulaufen, sei falsch. Immerhin ein kleiner Lichtblick: Mitte bis Ende März könnte es für eine wie von Lauterbach geforderte Strategie genügend Testungen geben. Vorher seien Öffnungen jedoch gefährlich.

Kaddor fragt vorwurfsvoll, warum solche Strategien nicht schon seit Monaten geplant werden würden. Man plane erst, „wenn wir schon komplett außer Atem sind“. Lauterbach wiegelt ab – zurückschauen bringe nicht.

„Hart aber fair“-Gäste schießen sich auf Impfkommissions-Chef ein

Zum Schluss von „Hart aber fair“ dürfen sich dann alle Gäste aber noch an jemand ganz anderem abarbeiten: Professor Thomas Mertens. Der Chef der Ständigen Impfkommission in Deutschland geriet nach einem Interview im „Heute journal“ in die Kritik. Der hatte im Zusammenhang mit dem Astrazeneca-Impfstoff, der offenbar auch bei Älteren gute Ergebnisse erzielt, gesagt, das ganze sei „irgendwie schlecht gelaufen“. Wann es eine neue Einschätzung der Kommission für den Impfstoff gebe, sei jedoch noch unklar.

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Michael Busch bringt die langen Gesichter in der Runde wohl am besten zum Ausdruck: „Das macht einen ja fast fassungslos. Aus den Worten spricht alles, aber keine Strategie.“ Auch Lauterbach wirkt nicht richtig glücklich über Mertens. Er habe mit ihm gesprochen und sei sicher, dass es eine kurzfristige neue Empfehlung geben werden, wollte sich aber „dazu nicht öffentlich“ äußern.

Die ganze Folge „Hart aber fair“ kannst du hier in der Mediathek schauen.