Landtagswahl Baden-Württemberg: Wahlforscher rechnet mit CDU ab – „Hat sich ins Aus manövriert“

Wahlforscher Matthias Jung stellt der CDU vor der Landtagswahl Baden-Württemberg ein schlechtes Zeugnis aus.
Wahlforscher Matthias Jung stellt der CDU vor der Landtagswahl Baden-Württemberg ein schlechtes Zeugnis aus.
Foto: Michael Kappeler/dpa; IMAGO / Lichtgut

Keine zwei Wochen mehr bis zur Landtagswahl Baden-Württemberg. Dann entscheidet sich, ob Winfried Kretschmann (Grüne) seine Arbeit als Ministerpräsident des Landes weiterführen darf.

Fragt man den Chef der renommierten Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, besteht daran allerdings kaum mehr Zweifel. Er geht sogar so weit zu sagen, dass die Landtagswahl Baden-Württemberg eigentlich schon entschieden ist.

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Landtagswahl Baden-Württemberg: Wahlforscher sicher, wer das Rennen macht

Mit dem TV-Duell von Herausforderin Susasanne Eisenmann (CDU) und Amtsinhaber Kretschmann wurde der Schlussspurt im Wahlkampf eingeläutet. Dass es bis zum Ziel jedoch noch zu großen Überraschungen kommt, schließt Wahrforscher Jung aus.

„Nach dem aktuellen Meinungsbild ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Grünen stärkste Partei bleiben“, sagte der Wahlforscher aus Mannheim der Deutschen Presse-Agentur.

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Dafür sprächen vor allem zwei Gründe: „Kretschmann füllt wie kein anderer Ministerpräsident in Deutschland die Rolle des Landesvaters aus“, erklärte Jung mit Blick auf dessen Beliebtheitswerte. Und: „Die CDU macht es Kretschmann besonders leicht, ihr die bürgerlichen Wählerinnen und Wähler abspenstig zu machen.“

Vernichtendes Urteil für die CDU

Nach den jüngsten Umfragen verschiedener Forschungsinstitute liegen die Grünen zwischen 3 und 7 Punkten vor den Christdemokraten von Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann. Laut den Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen führen die Grünen mit 34 Prozent vor der CDU, die nur auf 28 Prozent kommt. Für das Versagen in dem jahrzehntelang von der CDU dominierten Bundesland hat Jung eine eindeutige Erklärung.

„Die CDU hat sich in den vergangenen Jahren nur widerwillig den gesellschaftlichen Veränderungen angenommen und sich so immer mehr ins Aus manövriert“, so der Chef der Forschungsgruppe. Weder CDU-Landeschef Thomas Strobl noch Eisenmann seien dafür bekannt, „sich für eine Modernisierung der CDU stark gemacht zu haben“.

CDU nur noch mit einer Option: Hoffen auf Schwarz-Grün

Kretschmann habe sich da von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) etwas abgeschaut: „Von Merkel lernen heißt Siegen lernen: Kretschmann repräsentiert die Mitte, die eigentlich die CDU besetzen müsste.“

Jung geht nicht davon aus, dass sich an den Umfragewerten bis zur Wahl noch viel ändern wird. „Es haben schon so viele Briefwahl gemacht, dass die Messe zum Teil schon gelesen ist.“

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Die CDU habe höchstens noch die Möglichkeit, stärker gegen eine denkbare Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP mobil zu machen und für eine Fortsetzung von Grün-Schwarz zu werben. Doch dafür müsse die Union offen eingestehen, dass sie nicht mehr mit einem Sieg rechne. (dav/dpa)