Aldi: Corona-Zertifikat nach Selbsttest – doch die Sache hat einen gewaltigen Haken

Warum Aldi in Österreich Hofer heißt

Warum Aldi in Österreich Hofer heißt

Aldi Süd expandierte 1968 zum ersten Mal ins Ausland. In Österreich heißen die Filialen des Unternehmens Hofer.

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Der Run auf die Corona-Selbsttests bei Aldi ist groß. Kurz nach Ladenöffnung waren sie schon ausverkauft. Die Menschen erhalten nach dem Ergebnis ein Zertifikat. Doch es gibt einen gewaltigen Haken.

In 15 Minuten schnell zu Hause den Aldi-Selbsttest machen und ab zum Kosmetikstudio? Das klingt einfach, ist es aber nicht. Denn es gibt ein großes Problem bei den Zertifikaten der Aldi-Tests.

Aldi: Zwei große Probleme

Die Selbsttests, die bei Aldi verkauft werden, wurden von der Firma Aesku hergestellt. Nach dem man das Ergebnis erhalten hat, kann mittels eines QR-Codes online ein Zertifikat heruntergeladen werden. Das besagt, dass man negativ ist. Doch es gibt ein großes Problem.

Genauer gesagt sind es gleich zwei Probleme. Denn in der Corona-Landesverordnung von Baden-Württemberg steht zum Beispiel, dass der Schnelltest in einem Testzentrum oder in einer Teststelle durchgeführt werden muss, wie die „Deutsche Apotheker-Zeitung“ berichtet. Hier wird auch die Testzeit und das Ergebnis dokumentiert. Private Selbsttests sind nicht zulässig. Denn hierbei kann nicht geprüft werden, wann und an wem der Test durchgeführt wurde.

Das zweite Problem betrifft das Zertifikat des Aldi-Tests selbst. Auf der Packung steht der Hinweis „Bitte scanne mich“. Damit kommt man auf eine Unterseite von „ichtestemichselbst.de“. Dort können Kunden sich selbst ein Zertifikat ausstellen lassen.

Aber: Dafür brauchen Aldi-Kunden gar keinen Test zu machen. Es reicht den QR-Code von einem Foto irgendeiner Packung abzuscannen. Auf der Seite wird man nur gefragt, ob man positiv oder negativ getestet hat und ob der Test eigenständig durchgeführt wurde.

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Das ist Aldi:

  • Aldi Nord und Aldi Süd sind zwei separate Unternehmensgruppen
  • Aldi steht für Albrecht-Discount: 1913 machte sich Karl Albrecht in Essen als Brothändler selbstständig
  • 1962 wurde der Familienbetrieb zu einem reinen Discounter umfunktioniert und hat den heutigen Namen „Aldi“ gekriegt
  • Die Trennung in Nord und Süd erfolgte 1961
  • Mittlerweile zählt Aldi zu den zehn größten Einzelhandelsgruppen weltweit

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Schon ist das Zertifikat fertig. Lug und Betrug jederzeit möglich. „Sichern Sie jetzt Ihr Testzertifikat zur Legitimierung in Geschäften für die nächsten sechs Stunden“, heißt es auf der Seite. Damit man sich selbst legimitieren kann, muss man nur die Führerschein- oder Personalausweisnummer eingeben.

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Das Krasse: Es reicht sogar laut der „Deutschen Apotheker-Zeitung“ aus, einen Fantasienamen oder die Zahlen 1234567 einzugeben – fertig.

Und was sagt Aldi zu den Schlumpflöchern der Selbsttests? Gegenüber dieser Redaktion teilt der Discounter mit: „Die Tests weisen hohe Sensitivitäten und Spezifitäten auf, sind vergleichsweise einfach in der Anwendung und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte für den Heimgebrauch zugelassen.“

Weiter heißt es: „Wir gehen davon aus, dass die Menschen in Deutschland mit ihrem Testergebnis verantwortlich umgehen und sich auch dementsprechend verhalten. In der Kommunikation geben wir unseren Kunden zudem stets den Hinweis, dass ein negatives Testergebnis nicht die aktuell geltenden Abstands- und Hygieneregeln sowie Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ersetzen kann. Ebenso ist ein positives Testergebnis immer auch durch einen PCR-Test abzusichern.“

Aldi: Das sagt der Hersteller

Inzwischen hat die Firma Aesku nach einem Hinweis auf die Sicherheitslücke reagiert. Geschäftsführer Dr. Torsten Matthias: „Wie haben die Erkenntnis gewonnen, dass unser bisheriger Ansatz nicht geeignet ist, um die bundesweite Erwartungshaltung angemessen zu erfüllen. Wir haben festgestellt, dass ein Spezialist für hochqualitative Schnelltests nicht gleichzeitig auch ein Spezialist für eine Software sein kann und entsprechend gehandelt.“

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Die Web-App ist deaktiviert worden. „Demnach war es zum einen möglich, den QR-Code mehrfach zu benutzen und sich selbst ein negatives Test-Ergebnis auszustellen. Zum anderen war durch Erraten von Dateinamen ein Zugriff auf Daten aus dieser Funktion möglich. Aesku hat beide technischen Lücken geschlossen“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Der Hersteller der Aldi-Selbsttests wird nun durch einen Datenschutzbeauftragten beraten. „Wir regen eine Sammelplattform für alle Schnelltest-Anbieter deutschlandweit an, auf der dann ein einheitliches und anerkanntes Zertifikat ausgestellt werden könnte“, so Matthias. (ldi)