Israel: Regierungskreise – Israels Sicherheitskabinett berät am Abend über Feuerpause ++ Maas besucht Israel

Israel: Seit einer Woche eskaliert der Nahost-Konflikt zwischen Israel und der Hamas. (Archivfoto)
Israel: Seit einer Woche eskaliert der Nahost-Konflikt zwischen Israel und der Hamas. (Archivfoto)
Foto: picture alliance/dpa/AP

Seit knapp einer Woche eskaliert die Gewalt im Nahen Osten eskaliert. Aus dem Gazastreifen wurden mehr als 3000 Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee reagierte mit Bombenangriffen auf Gaza.

Wir halten dich in unserem News-Blog über die aktuellen Geschehnisse zum Nahost-Konflikt auf dem Laufenden.

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Donnerstag, 20. Mai

21.32 Uhr: Israel und Hamas beschließen Feuerpause ab 2 Uhr

Israel und die Hamas sollen sich auf einen Waffenstillstand ab 2 Uhr geeinigt haben. Die Hamas bestätigte am Donnerstagabend entsprechende Berichte israelischer Medien. Die Feuerpause soll in der Nacht zum Freitag ab zwei Uhr morgens gelten.

17.23 Uhr: Regierungskreise: Israels Sicherheitskabinett berät am Abend über Feuerpause

Das israelische Sicherheitskabinett will noch am Donnerstag über eine mögliche Waffenruhe mit der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen beraten. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen erfuhr, sollen an dem Treffen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sowie hochrangige Armeevertreter teilnehmen. Die Beratungen sollen den Angaben zufolge um 19.00 Uhr (Ortszeit; 18.00 Uhr MESZ) beginnen.

Angesichts der seit mehr als einer Woche andauernden Gewalteskalation zwischen Israel und militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen hatte die internationale Gemeinschaft ihre diplomatischen Bemühungen um eine Deeskalation zuletzt verstärkt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) reiste am Donnerstag nach Israel und in die Palästinensergebiete; dabei drang er erneut auf eine Waffenruhe. Zugleich bekräftigte er angesichts des anhaltenden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen die Solidarität Deutschlands mit Israel.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte sich für eine Entschärfung des Konflikts stark und telefonierte am Donnerstag mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Merkel und Abbas seien sich einig gewesen, „dass die Initiativen für einen zügigen Waffenstillstand weiter unterstützt werden sollten“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Bundeskanzlerin habe zudem Israels Recht auf Selbstverteidigung gegenüber den Raketenangriffen aus dem Gazastreifen unterstrichen.

Ein ranghoher Vertreter der Hamas sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP, es gebe „intensive“ Verhandlungen über eine Feuerpause unter der Beteiligung Katars, aber noch keine konkreten Ergebnisse. Er rechne mit einer „Rückkehr zur Ruhe in den kommenden Stunden“ oder am Freitag.

Seit Beginn der Gewalteskalation am Beginn der vergangenen Woche wurden bereits mehr als 230 Menschen getötet, die meisten von ihnen Palästinenser.

16.08 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas in Israel

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich im Gaza-Konflikt erneut klar an die Seite Israels gestellt. „Für uns ist die Sicherheit Israels, genauso die Sicherheit aller Jüdinnen und Juden in Deutschland, nicht verhandelbar. Und darauf kann sich Israel immer verlassen“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag bei einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Gabi Aschkenasi am Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. „

Die Tatsache, dass wir sehen, dass die Hamas, seitdem wir hier in Tel Aviv angekommen sind, bereits wieder Raketen in den Süden Israels schießt, ist für uns ein Hinweis darauf, wie ernst die Situation ist, in der sich die Menschen in Israel befinden.“

Aschkenasi bedankte sich bei Maas für die Solidarität Deutschlands. „Ich danke ihm, dass er uns besucht in dieser Zeit, in einer Zeit, wo Raketen fallen.“ Nach ihrem Gespräch besichtigten die Politiker ein Haus in einer Stadt im Osten Tel Avivs, das von einer Rakete militanter Palästinenser getroffen wurde.

Der Konflikt war am 10. Mai mit Raketenbeschuss der im Gazastreifen herrschenden Hamas auf Jerusalem eskaliert. Israel reagierte darauf mit massiven Angriffen in dem Küstengebiet. Internationale Bemühungen um eine Waffenruhe waren zuletzt verstärkt worden.

Mittwoch, 19. Mai 2021

09.39 Uhr: Maas reagiert mit Unverständnis auf Ungarns Veto zu Nahost-Position

Das Veto Ungarns gegen eine gemeinsame EU-Position zum eskalierenden Nahost-Konflikt stößt bei Bundesaußenminister Heiko Maas auf wenig Verständnis. „Das wichtigste jetzt ist, dass die Waffen schweigen und dass es nicht mehr Todesopfer gibt. Lediglich Ungarn sah das anders, warum auch immer“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“.

Die EU sei sich in der Sondersitzung zum Konflikt zwischen Israel und der palästinensischen Hamas am Dienstagabend „eigentlich sehr einig gewesen“. Ziel aller diplomatischen Bemühungen sei es, beide Seiten dazu zu bringen, „dass es eine Waffenruhe gibt und dann einen Waffenstillstand, auf den sich die Menschen im Gazastreifen und in Israel auch verlassen können.“

Bei einem Videogipfel der EU-Außenminister hatte Ungarn durch ein Veto eine gemeinsame Positionierung verhindert. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban verhält sich strikt loyal zu Israel. EU-Diplomaten gingen davon aus, dass Ungarn vor allem die auch an Israel gerichteten Aufforderungen, etwa eine sofortige Einstellung der Gewalt und die Umsetzung eines Waffenstillstands, nicht mittragen wollte.

08.13 Uhr: Medienberichte: Hamas-Militärchef Deif entkam zwei Mal israelischen Angriffen

Ein einflussreicher Militärchef der im Gazastreifen herrschenden Hamas ist nach Medienberichten während der jüngsten Eskalation zwei Mal gezielten Tötungsversuchen Israels entkommen. Israelische Medien berichteten am Mittwoch, die Luftwaffe habe versucht, Mohammed Deif, Chef des militärischen Hamas-Arms, der Al-Kassam-Brigaden, bei Bombardements gezielt zu treffen. Er sei jedoch bei zwei Gelegenheiten in letzter Minute geflohen.

Deif gilt schon seit langen Jahren als Nummer eins der Topterroristen auf Israels Abschussliste. Ihm wird die Beteiligung an zahlreichen blutigen Anschlägen auf Israelis vorgeworfen. Nach Medienberichten hat Deif bei Angriffen Israels in der Vergangenheit bereits ein Auge, einen Arm und beide Beine verloren.

Dienstag, 18. Mai 2021

22.30 Uhr: UN-Experten sehen Kriegsverbrechen auf beiden Seiten des Konflikts

Im eskalierenden Nahost-Konflikt gibt es nach Ansicht von UN-Menschenrechtsexperten starke Anzeichen für Kriegsverbrechen von Israel und bewaffneten Palästinensern.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag solle das Verhalten beider Seiten untersuchen, forderten die Experten in einer Stellungnahme, die am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde.

So werden die Experten Israel vor, Raketen und Granaten in dicht besiedelte Gebiete im Gazastreifen zu feuern. Diese „willkürlichen und überschießenden Angriffe“ auf Zivilisten „verletzen wahrscheinlich das Kriegsrecht und stellen ein Kriegsverbrechen dar“, schrieben die fünf Experten.

Bewaffnete palästinensische Gruppen würden auf ähnliche Weise „absichtlich oder rücksichtslos“ Raketen auf israelische Stadtgebiete abfeuern. Auch hier könne durchaus ein Kriegsverbrechen vorliegen.

„Dieser Kampf ist extrem ungleich“, betonten die Experten. Aus ihrer Sicht herrsche eine der bestgerüsteten Armeen der Welt über die Palästinenser, die das Recht hätten, von der israelischen Besatzung befreit zu werden.

18.00 Uhr: Netanjahu über Angriffe – haben Hamas „um Jahre zurück geworfen“

Laut dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu haben die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen die dort herrschende Hamas „um Jahre zurück geworfen“. Die Terrororganisation habe „Schläge erhalten, mit denen sie nicht gerechnet hat“, erklärte Netanjahu am Dienstag bei einem Besuch in einer Luftwaffenbasis im Süden von Israel.

„Wir werden so lange weitermachen wie nötig, um den Bürgern Israels die Ruhe zurück zu bringen“, erklärte der 71-Jährige. Und: „Ich bin mir sicher, dass alle Feinde um uns herum sehen, welchen Preis man für Angriffe gegen uns zahlen muss, und ich bin sicher, dass sie die Lehren daraus ziehen werden.“

17.20 Uhr: Nach kurzzeitiger Ruhe wieder Raketenangriffe auf Israel

Stundenlang bleibt es am Dienstagvormittag ungewohnt ruhig in Israel. Aus dem Gazastreifen werden keine Raketen abgefeuert. Doch dann gerät der Süden des Landes erneut unter schweren Beschuss.

Bei neuen massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser auf israelische Ortschaften sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens zwei Menschen getötet worden. Mehrere weitere erlitten demnach am Dienstag zum Teil schwere Verletzungen. Der Polizei zufolge handelte es sich bei den Toten um Thailänder. Bei einem Angriff im Grenzgebiet zum Gazastreifen sei ein Haus getroffen worden, in dem ausländische Arbeiter lebten.

In Folge des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen, den militante Palästinenser am Montag vergangener Woche begannen, sind in Israel bislang zwölf Menschen getötet worden, Hunderte weitere wurden verletzt. Das Gesundheitsministerium in Gaza bezifferte die Zahl der Getöteten bei israelischen Angriffen auf 213, unter ihnen 61 Kinder. Verletzt worden seien 1442 Menschen.

16.40 Uhr: Schießerei an israelischem Kontrollpunkt bei Ramallah – ein Toter

An einem israelischem Kontrollpunkt nahe Ramallah im besetzten Westjordanland haben sich militante Palästinenser und israelische Soldaten am Dienstag ein Feuergefecht geliefert.

Dabei wurde laut palästinensischem Gesundheitsministerium in Ramallah ein Mensch getötet, Dutzend weitere wurden durch Schüsse verletzt. Nach Angaben der israelischen Armee wurden auch zwei Soldaten verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Zu der Gewalt kam es, nachdem Tausende Palästinenser im Zentrum von Ramallah gegen die Militärangriffe Israels im Gazastreifen demonstriert hatten und einige Hundert von ihnen anschließend zu dem Kontrollpunkt marschiert waren. Nach Darstellung der Armee hatten bewaffnete Palästinenser das Feuer auf Soldaten und einen Kommandeur an dem Posten eröffnet.

Es war das erste Mal in den seit einer Woche dauernden Kämpfen um Gaza, dass militante Palästinenser im Westjordanland Schusswaffen einsetzten. Zuvor kam es dort immer wieder zu Zusammenstößen, aber auch in der Altstadt von Jerusalem und in arabisch besiedelten Gebieten in Israel.

13.45 Uhr: Nahost-Konflikt auch in ARD-Polit-Talk als Thema

Die Gewalt im Nahen Osten beschäftigt auch zunehmend die Talk-Formate des Landes. Am Mittwoch wird der Konflikt, neben Corona, auch Thema bei „Maischberger“ in der ARD werden. Im Gespräch der Autor und „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber und der Publizist Malcolm Ohanwe.

13.44 Uhr: Grenzübergang in Gaza unter Beschuss

Zwei Grenzübergänge zum Gazastreifen sind nach Medienberichten am Dienstag nach ihrer vorübergehenden Öffnung unter Beschuss durch militante Palästinenser geraten. Im Bereich von Kerem Schalom, dem einzigen Warenübergang in das Küstengebiet, gab es am Mittag Raketenalarm. In der Nähe des Erez-Übergangs für Personen wurde nach Angaben der Nachrichtenseite ynet ein Mensch bei Mörsergranatenbeschuss verletzt. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe den Bericht. Nach Angaben von Sanitätern wurde ein 19-Jähriger in ein Krankenhaus gebracht.

12.00 Uhr: Israel-Flagge von Rathaus in NRW geklaut und angezündet

Antisemitische Aktion in Dinslaken, NRW: Am Freitagmorgen wurde dort eine Israel-Flagge vom Rathaus geklaut und offenbar anschließend auf dem Marktplatz verbrannt. Im Netz kursierte ein Video der Aktion, bei der die drei Jugendlichen zur Tat schritten. Ein 20-jähriger aus Dinslaken konnte bereits ermittelt werden. Der Staatsschutz sucht Zeugen, die Hinweise zu den anderen beiden Jugendlichen geben können. Sie werden gebeten unter der Rufnummer 0203 2800 Kontakt zur Polizei aufzunehmen.

8.00 Uhr: Biden für Waffenruhe – wieder Raketen in der Nacht

Im Nahost-Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern hat US-Präsident Joe Biden seine Unterstützung für eine Waffenruhe erklärt. Das habe Biden in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Montag (Ortszeit) zum Ausdruck gebracht, teilte das Weiße Haus mit. Der US-Präsident habe mit Netanjahu auch über Bemühungen der Vereinigten Staaten gemeinsam mit Ägypten und anderen Partnern für eine solche Waffenruhe gesprochen.

Netanjahu kündigte am Montag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts an, die Angriffe im Gazastreifen würden fortgesetzt. „Die Weisung lautet: Die Schläge gegen Terrorziele gehen weiter“, sagte er. Es gehe darum, dass „Ruhe und Sicherheit für alle israelischen Bürger wiederhergestellt werden“. In der Nacht auf Dienstag gab es laut Augenzeugen wieder heftige Luftangriffe auf den Gazastreifen. Militante Palästinenser feuerten wieder Raketen auf Israel ab: Im Süden des Landes wurde der Armee zufolge abermals Raketenalarm ausgelöst.

Biden sieht sich zunehmendem Druck ausgesetzt, stärker für ein Ende der Gewalt einzutreten. In der diplomatisch formulierten Mitteilung des Weißen Hauses blieb er allerdings hinter Forderungen nach einer sofortigen Waffenruhe auch aus seiner eigenen demokratischen Partei zurück.

7.30 Uhr: Offenbar auch Raketen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert

- Aus dem Libanon sind nach Angaben des israelischen Militärs sechs Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden. Sie seien aber allesamt auf libanesischen Boden gefallen, teilte die Armee am späten Montagabend mit. Als Reaktion habe das Militär mit Artillerie auf die Angreifer gefeuert.

Libanesische Sicherheitskreise bestätigten, es seien mindestens drei Raketen vom Süden des Libanons aus abgefeuert worden. Auch die UN-Friedensmission Unifil meldete Raketenbeschuss von libanesischem Boden aus. Die UN-Mission forderte alle Parteien zur Zurückhaltung auf, um eine Eskalation der Lage zu verhindern. Es gab zunächst keine Angaben dazu, wer für den Raketenbeschuss verantwortlich war. Israelischen Medien zufolge wurden Einwohner der Grenzstadt Misgav angewiesen, in ihren Häusern zu bleiben.

Bei einer Protestkundgebung hatten sich zuvor hunderte Anhänger der Hisbollah und andere Demonstranten in der libanesischen Hauptstadt Beirut mit den Palästinensern solidarisiert. Die Demonstranten schwenkten Fahnen der Palästinenser und der Hisbollah und riefen unter anderem „Tel Aviv, wir kommen“.

Montag, 17. Mai 2021

17.00 Uhr: Merkel bekräftigt Israels Recht auf Selbstverteidigung

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einem Telefonat mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu die fortgesetzten Raketenangriffe aus Gaza erneut scharf verurteilt.

Sie habe Netanjahu die Solidarität der Bundesregierung zugesichert und das Recht Israels bekräftigt, sich in Selbstverteidigung gegen die Angriffe zu Wehr zu setzen.

„Angesichts der vielen Zivilisten auf beiden Seiten, die ihr Leben verloren haben, brachte die Bundeskanzlerin ihre Hoffnung auf ein möglichst zeitnahes Ende der Kampfhandlungen zum Ausdruck.“ Merkel habe ferner unterstrichen, „dass die Bundesregierung weiter entschieden gegen Proteste in Deutschland vorgehen werde, die Hass und Antisemitismus verbreiten“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

13.00 Uhr: Erdogan fordert Sanktionen gegen Israel

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in einem Telefonat mit Papst Franziskus Sanktionen gegen Israel gefordert. Israel, das ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begehe, müsse sanktioniert werden, andernfalls würden „Massaker“ an den Palästinensern fortgesetzt werden, sagte Erdogan nach Angaben des türkischen Präsidialbüros in dem Gespräch am Montag. Es sei wichtig, dass der Papst die nötigen Botschaften in die christliche Welt und an die internationale Gemeinschaft trage, um diese zu mobilisieren.

Die internationale Gemeinschaft müsse abschreckende Reaktionen und Lektionen erteilen, forderte Erdogan. Der Vatikan bestätigte nur, dass es am Morgen ein Telefonat des katholischen Kirchenoberhaupts mit Erdogan gegeben habe, nannte aber keine Details.

Papst Franziskus hatte beim Sonntagsgebet gefordert, Israelis und Palästinenser müssten „gemeinsam an den Tisch der Verhandlungen“ zurückkehren und die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, Friedensbemühungen zu unterstützen.

12.45 Uhr: Seibert: Hamas nimmt palästinensische Bevölkerung in Geiselhaft

Die Bundesregierung hat ihre Forderung nach einem Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel bekräftigt. Da die Raketenangriffe auf die Tötung von Zivilisten abzielten, seien diese als „Terror“ zu bewerten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Bundesregierung stehe in dieser Situation zu Israel.

Auf eine Frage zur Bewertung von Angriffen auf ein von Medien genutztes Hochhaus in Gaza oder Gebäude des UN-Palästinenserhilfswerkes (UNRWA) sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes, es werde erwartet, dass die israelische Armee bei Einsätzen in Selbstverteidigung die Verhältnismäßigkeit beachte.

Die Bundesregierung beklagte den Verlust von Menschenleben auf beiden Seiten. „Es gibt hier nicht ein Leben, das mehr wert wäre als ein anderes. Jedes Leben hat seine Würde“, sagte Seibert. Aber es gebe eine ganz klare Entwicklung hin zu dieser Situation. „Und der Raketenterror der Hamas gegen Israels Städte, in denen Israels Bürger sterben - übrigens arabische wie jüdische Bürger von Israel - der hat Israel das Recht gegeben, seine Bürger zu schützen und in Selbstverteidigung zu handeln.“

Ein in einem Konflikt getötetes Kind sei immer eine Tragödie, sagte Seibert auf eine Nachfrage zu den Grenzen einer israelischen Selbstverteidigung. „Die Welt weiß von der ganz bewussten Strategie der Hamas, ihre Tunnel auch in der Nähe von Schulen verlaufen zu lassen, ihre Einsätze direkt aus Wohngebieten und dicht bevölkerten Gegenden zu fahren. Damit nimmt Hamas die palästinensischen Bevölkerung von Gaza in Geiselhaft und das ist ein zynisches Vorgehen“, so Seibert.

12.15 Uhr: Antisemitische Schriftzüge in Lagerhalle in Leverkusen

In Leverkusen-Schlebusch haben in der Nacht zu Samstag Unbekannte eine Lagerhalle aufgebrochen, dort an Innen- und Außenwänden Hakenkreuze sowie die Schriftzüge "Free Palestine" und "187" gesprüht. Die Polizei sucht nach Zeugen der Tat. Wer zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens verdächtige Beobachtungen gemacht hat, soll sich bitter beim Staatsschutz der Polizei Köln unter Telefon 0221 229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de melden.

9.20 Uhr: Deutschland nach antisemitischen Demonstrationen unter Schock – Politiker mit deutlichen Worten

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hat ein entschiedenes Vorgehen gegen antisemitische Taten in Deutschland gefordert. „Mit Blick auf Anschläge gegen jüdische Einrichtungen in Deutschland und antisemitischen Parolen bei Demonstrationen auf deutschen Straßen sage ich klar: Für so etwas gibt es kein Pardon“, sagte Scholz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Montag. Die Täter müssten die volle Härte des Gesetzes spüren.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) verurteilte antisemitische Ausschreitungen bei Demonstrationen und forderte ebenfalls harte Strafen. „Die Bilder sind unerträglich“, sagte Schäuble der „Bild“-Zeitung. Der Konflikt werde nicht in Deutschland gelöst - „und wir lassen nicht zu, ihn hier auszutragen - auf Kosten jüdischer Deutscher“. Der Staat schütze das Recht auf Meinungsfreiheit, „und natürlich darf man die Politik Israels scharf kritisieren und dagegen laut protestieren - aber für Antisemitismus, Hass und Gewalt gibt es keine Begründung“.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte, das Verbrennen von Flaggen des Staates Israel und das Verbreiten von Judenhass bei Protesten gegen die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen seien Straftaten. Menschen mit „fanatischer Intoleranz“ drohte Herrmann mit Abschiebung.

Dazu sagte er, in Deutschland seien „eine ganze Menge Menschen nicht wirklich integriert in unsere Gesellschaftsordnung, in das, was unsere Verfassungsordnung ausmacht“. In solchen Fällen müsse überprüft werden, ob diese Menschen ein Daueraufenthaltsrecht oder die deutsche Staatsangehörigkeit hätten. Sei dies nicht der Fall, „muss man in der Tat prüfen, dass jemand, der so intolerant ist, nicht mehr eingebürgert wird, und wenn die rechtlichen Möglichkeiten gegeben sind, unser Land verlassen muss“.

9.00 Uhr: Israel geht gegen Tunnelsystem in Gaza vor

Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben erneut das Tunnelsystem der islamistischen Hamas im Gazastreifen angegriffen. 54 Kampfflugzeuge hätten rund 35 Ziele im Laufe der Nacht beschossen, teilte die Armee am Montagmorgen mit. Dabei seien etwa 15 Kilometer des sogenannten Metro-Systems attackiert worden. Es handelte sich demnach um die dritte Angriffswelle, die gegen das Tunnelnetz gerichtet war.

Nach Angaben der Armee hatte die Hamas das System über Jahre aufgebaut. Es dient unter anderem dem Schutz von Kämpfern und deren schneller Verlegung. Die „Metro“ liegt zu großen Teilen unter der Stadt Gaza im Norden des Gazastreifens. Ein Sprecher bezeichnete sie als „Stadt unter der Stadt“.

Ein Ziel der Israel Defence Forces (IDF) in dem jüngsten Konflikt ist es, wichtige Infrastruktureinrichtungen der im Gazastreifen herrschenden Hamas zu zerstören. In der vergangenen Nacht wurden zudem erneut Wohnorte von wichtigen Hamas-Vertretern beschossen. Militante Palästinenser im Gazastreifen setzten den Raketenbeschuss auf Israel fort. In mehreren Orten ertönten in der Nacht nach Angaben der Armee Warnsirenen.

Israel macht die Hamas für jegliche Angriffe aus dem dicht besiedelten und unter Blockade stehenden Gazastreifen verantwortlich. Das Land und auch die EU stufen die zweitgrößte Palästinensergruppe als Terrororganisation ein.

Israel und Gaza: Der Hintergrund des Konflikts

Der seit Jahren bestehende Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war zuletzt wieder aufgeflammt. Er spitzte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl immer weiter zu. Als Auslöser gelten etwa Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah wegen Zwangsräumungen sowie heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif).

Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der Konflikt greift zunehmend auch auf Orte im israelischen Kernland über – mit Gewalttaten von Arabern gegen Juden und umgekehrt.

(red mit dpa)