Afghanistan: US-Luftangriffe in Kabul – mehrere Zivilisten getötet

In Afghanistan Hauptstadt Kabul wurden mehrere Zivilisten durch US-Luftangriffe getötet.
In Afghanistan Hauptstadt Kabul wurden mehrere Zivilisten durch US-Luftangriffe getötet.
Foto: imago images/Xinhua

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ist die Lage in dem Land – und vor allem in der Hauptstadt Kabul – dramatisch eskaliert!

In unserem News-Blog berichten wir aktuell über die Lage in Afghanistan, außerdem über die Folgen der Krise in Deutschland.

News-Blog zur Lage in Afghanistan und am Flughafen in Kabul

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Montag, 30. August

7.21 Uhr: Zehn zivile Opfer nach US-Luftangriff in Kabul

Bei einem US-Luftangriff in der afghanischen Haupstadt Kabul am Wochende sollen mindestens zehn Zivilisten getötet worden sein. Das berichtet der lokale TV-Sender ToloNews am Montag. Unter den Toten bei dem Angriff am Sonntag seien auch Kinder, hätten Anwohner dem Fernsehsender gesagt.

Das US-Militär hatte am Sonntag mitgeteilt, es untersuche nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine „unmittelbare Bedrohung“ für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, hieß es in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region (Centcom). In dem zerstörten Fahrzeug habe sich „eine große Menge Sprengstoff“ befunden, „die womöglich zu weiteren Opfern führte“, hieß es.

„Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger“, hieß es in der Stellungnahme des Militärs.

Sonntag, 29. August

9.02 Uhr: Entwicklungshilfeminister Müller warnt vor Hungersnot in Afghanistan

Der Minister für Entwicklungshilfe, Gerd Müller, warnt vor einer großen Hungersnot in Afghanistan. „Aktuell baut sich eine dramatische Hungerkrise auf: zusammengebrochene Versorgungswege, die Folgen von Covid-19 und Dürren. 14 Millionen Menschen sind bedroht“, sagte der CSU-Politiker dem „Handelsblatt“ am Sonntag.

Angesichts dessen kündigte Müller weitere Unterstützung für Nichtregierungsorganisationen und UN-Hilfsorganisationen in der Region an. „Konkret haben wir in einem ersten Schritt 50 Millionen Euro als Soforthilfe zur Unterstützung der Flüchtlingsarbeit umgesteuert. Aber es braucht jetzt ein schnelles und gemeinsames Handeln der Staatengemeinschaft, das nicht an fehlenden Mitteln für die UN-Hilfsorganisationen scheitern darf“, so Müller.

Er verteidigte außerdem das Aussetzen der Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan. Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit sei an klare Voraussetzungen geknüpft wie zum Beispiel Sicherheit der Mitarbeiter und Achtung der Menschenrechte. „Ich traue den Zusicherungen der Taliban nicht“, so Müller. Deshalb sei die staatliche Zusammenarbeit vorerst ausgesetzt worden.

Samstag, 28. August

17.16 Uhr: Robert Habeck sieht nach Truppen-Abzug erhöhte Terrorgefahr auch in Deutschland

Der Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan erhöht laut Grünen-Parteichef Robert Habeck auch die Terrorgefahr in Deutschland. „Nach der Machtübernahme der Taliban dürfte der islamistische Terrorismus weltweit zu einer wieder wachsenden Gefahr werden“, sagte Habeck der „Welt am Sonntag“. Deshalb sei auch in Deutschland „eine erhöhte Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden und Geheimdienste“ geboten.

Demnach müssen „bekannte Gefährder engmaschig überwacht werden“ und: „Wir müssen sehr genau hinschauen, wer in den hier ankommenden Maschinen saß und sitzt – auch im Interesse der Schutzsuchenden“, forderte der Die Grünen-Vorsitzende.

Der Nato-Abzug aus Afghanistan soll am Dienstag beendet werden. In den vergangenen Tagen gab es hektische und chaotische Bemühungen des Westens, eigene Staatsbürger und afghanische Schutzbedürftige aus Kabul auszufliegen. Die an der Evakuierungsaktion beteiligten Bundeswehr-Soldatinnen und -Soldaten kehrten am Freitagabend nach Deutschland zurück. Während des Einsatzes hat die Bundeswehr mit 37 Flügen mehr als 5300 Menschen in Sicherheit gebracht – darunter 500 deutsche Staatsbürger, 4000 Afghaninnen und Afghanen und weitere Menschen aus insgesamt 45 Nationen.

7.17 Uhr: US-Drohne soll ranghohes IS-Mitglied getötet haben

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll die US-Armee als Reaktion auf das Attentat am Donnerstagabend bei dem 169 Afghanen und 13 US-Soldaten gestorben waren, ein ranghohes Mitglied des IS getötet haben. Die Terrororganisation Islamischer Staat hatte die Tat für sich verbucht.

Eine Drohne soll den „Planer“ des regionalen ISIS-Ablegers in der Provinz Nangarhar getötet haben, so Bill Urban, Sprecher des US-Zentralkommandos Centcom. Zivile Opfer habe es nicht gegeben.

Freitag, 27. August

22.36 Uhr: Taliban: Kontrolle über Teile des Flughafens übernommen

Die radikalislamischen Taliban haben nach eigenen Angaben die Kontrolle über Teile des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul übernommen. Am Freitag habe das US-Militär „drei wichtige Bereiche“ im militärischen Teil des Flughafens verlassen, erklärte der Taliban-Sprecher Bilal Karimi auf Twitter. Diese Bereiche seien nun „unter der Kontrolle des Islamischen Emirats“ und nur noch „ein sehr kleiner Teil“ des Airports werde von US-Soldaten kontrolliert.

Nach der Machtübernahme der Taliban Mitte August hatten tausende US-Soldaten den militärischen Teil des Kabuler Flughafens gesichert. So wurde eine Luftbrücke der USA und anderer westlicher Staaten ermöglicht, über die inzwischen mehr als 105.000 Menschen außer Landes gebracht wurden

Bis zum kommenden Dienstag wollen die USA aber alle ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen. Zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, haben ihre Rettungsflüge aus Kabul daher bereits eingestellt. Auf dem Flughafengelände warteten nach US-Angaben am Freitag allerdings noch rund 5400 Menschen auf eine Chance zur Ausreise.

Die USA versuchen derzeit, rund 500 US-Amerikaner aus Afghanistan auszufliegen. Diese wollten ausreisen und man stehe mit ihnen im direkten Kontakt, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ned Price, am Freitag. Man sei außerdem in Kontakt mit mehreren Hundert Staatsbürgern, die sich noch nicht entschieden hätten, ob sie das Land verlassen wollten. Die Zahl der Menschen, die bleiben wollten, weil sie Angehörige nicht zurücklassen wollten, sei „relativ klein“, sagte Price. Innerhalb des letzten Tages seien mehr als 300 Amerikaner evakuiert worden.

18.30 Uhr: Opferzahl steigt auf 183

Nach Berichten der New York Times und des US-amerikanischen Fernsehsenders ABC News, die sich ihrerseits auf afghanischen Behörden berufen, ist die Zahl der Opfer mittlerweile auf 183 gesteigen.

Bei 170 soll es sich um afghanische Staatsbürger handeln. Mindestens 200 weitere Personen seien verletzt worden.

Nicht zu diesen Toten gezählt werden die 13 getöteten US-Soldaten.

Trotz des verheerenden Selbstmordanschlags am Flughafen von Kabul wollen die USA weiter „bis zum letzten Moment“ Menschen ausfliegen. Mehr als 5000 Menschen warteten noch am Airport, erklärte das Pentagon am Freitag. Der Einsatz sei nach wie vor „konkreten und glaubwürdigen Bedrohungen“ ausgesetzt, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby. Das Ministerium korrigierte derweil seine Angaben zum Anschlag. Demnach war es die Tat eines einzelnen Selbstmordattentäters.

Der afghanische Ableger der Dschihadistenmiliz IS - Islamischer Staat Provinz Chorasan (IS-K), hatte sich am Donnerstag zu dem Anschlag am Flughafentor Abbey Gate bekannt, wo tausende Menschen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge warteten. Der Anschlag war die verlustreichste Attacke auf die US-Armee am Hindukusch seit zehn Jahren

Die Taliban und der IS sind ebenfalls erbitterte Feinde.

17.27 Uhr: ARD mit Brennpunkt

Die Lage in Afghanistan bewegt die ARD dazu, am Freitag, 27. August, um 20.15 Uhr einen Brennpunkt zur Lage in Afghanistan zu senden. US-Korrespondentin Claudia Buckenmaier ordnet die Folgen der Anschläge für den weiteren Fortgang der Evakuierungen ein.

Denn die Sicherheitslage in Kabul bleibt weiter kritisch, auch Deutsche sind noch in der afghanischen Hauptstadt. Darüber hinaus gibt ARD-Terrorexperte Georg Mascolo aktuelle Hintergründe zur Situation und spricht mit Moderator Andreas Cichowicz über die Frage, ob Afghanistan erneut zum Rückzugsort für international operierende Terroristen wird.

Der Einsatz begann bereits vor zwanzig Jahre. Der damalige US-Präsident George W. Bush hatte ihn als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 befohlen.

11.00 Uhr: Zahl der Toten steigt weiter

Von immer mehr Toten ist einen Tag nach den Anschlägen in Kabul die Rede. Wurde zunächst noch von 60 einheimischen und 13 US-amerikanischen Opfern gesprochen, sprach die „Tagesschau“ vor wenigen Stunden bereits von „mindestens 85 Menschen“. Nun gibt es bereits Berichte, die sogar von 108 Toten nach Anschlägen am Kabuler Flughafen ausgehen, darunter das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Die USA warnten zudem eindringlich davor, dass mit weiteren Attentaten zu rechnen sei. Ihr Evakuierungseinsatz soll voraussichtlich am Dienstag enden.

06.15 Uhr: Viele Tote, unzählige Verletzte – Biden will Vergeltung

Nachdem die genaue Zahl der Toten und Verletzten direkt nach den Anschlägen zunächst noch unklar gewesen war, sprechen mehrere Medien mittlerweile vom zweittötlichsten Vorfall für die Amerikaner während des gesamten 20-jährigen Krieges gegen Afthanistan. 13 US-Soldaten wurden getötet. Besonders hart getroffen wurde die afghanische Bevölkerung - 60 Zivilisten wurden laut „dwnews“ getötet, 140 verletzt. Zum Zeitpunkt der Explosionen am Flughafen hatten tausende Menschen sich im und um den Flughafen gedrängt und auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge gehofft.

Man habe bei der Evakuierungsmission in Kabul mit einem Anschlag gerechnet, so US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt. „Und wir rechnen damit, dass sich diese Angriffe fortsetzen werden“.

US-Präsident Biden hat zudem Rache für die Attentate geschworen. Nachdem er am Donnerstagabend im Weißen Haus vor die Kameras getreten war, sagte er: „Wir werden uns von Terroristen nicht abschrecken lassen. Wir werden nicht zulassen, dass sie unsere Mission aufhalten. Wir werden die Evakuierung fortsetzen.“ Auch Vergeltung kündigte er an: „Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen. Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen.“

Donnerstag, 26. August

22.29 Uhr: Weitere Explosion am späten Abend

Kabul ist in der Nacht zum Freitag nach Angaben von Mitarbeitern der Nachrichtenagentur AFP erneut von einer starken Explosion erschüttert worden. Die Ursache der Explosion, die sich wenige Stunden nach dem Doppelanschlag vor dem Flughafen von Kabul ereignete, war zunächst unklar. Da es seit der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban keine funktionierenden Behörden in dem Land gibt, waren zunächst keine näheren Informationen zu erhalten.

21.36 Uhr: IS reklamiert Anschlag für sich

Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag am Flughafen von Kabul für sich reklamiert. Dies verlautbarte IS-Khorasan, wie der IS sich in Afghanistan und Pakistan nennt, am Donnerstagabend mit einer über das Internet verbreiteten Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak.

Bei dem Anschlag wurden allein zwölf US-Soldaten getötet. Die BBC berichtete unter Berufung auf einen Offiziellen aus dem Gesundheitswesen von insgesamt 60 Toten.

21.28 Uhr: US-Militär macht die Terrormiliz IS für Anschläge verantwortlich

Das US-Militär machte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Angriff in Kabul verantwortlich. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben sich mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nach den Detonationen hätten eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon.

„Wir glauben, es ist ihr Wunsch, diese Angriffe fortzusetzen, und wir rechnen damit, dass sich diese Angriffe fortsetzen werden“, sagte der US-General Kenneth McKenzie. „Wir tun alles, was wir können, um auf diese Angriffe vorbereitet zu sein“, sagte er. Dazu gebe es auch Gespräche mit den Taliban, die für die Sicherheit außerhalb des Flughafens verantwortlich seien.

Es handle sich um eine „extrem aktive Bedrohungssituation“ in der mit weiteren Angriffen zu rechnen sei, sagte der General weiter.

20.56 Uhr: Zwölf US-Soldaten bei Anschlägen getötet

Nach Angaben der US-Regierung sind zwölf amerikanische Soldaten getötet worden. Das sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. 15 US-Soldaten seien verletzt worden.

20.20 Uhr: Außenminister Maas: „Verurteile diesen ekelhaften Anschlag auf das Schärfste“

Heiko Maas teilte am Abend bei Twitter mit: „Vor dem Flughafen in Kabul hat es heute mehrere Bombenanschläge gegeben. Ich verurteile diesen ekelhaften Anschlag auf das Schärfste, mein Mitgefühl gehört den Angehörigen der Opfer, darunter US-Soldaten.“

Maas betont auch, dass die militärische Evakuierung nun endet. „Aber unsere Arbeit geht solange weiter, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in #Afghanistan Verantwortung tragen“, so der Außenminister.

Und weiter: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, neue Ausreisemöglichkeiten zu schaffen - ob über zivile Flüge, oder Landwege in die Nachbarstaaten - um den verbliebenen Ortskräften und besonders gefährdeten Menschen eine Ausreise zu ermöglichen.“

19.11 Uhr: Annegret Kramp-Karrenbauer: Bundeswehr beendet Evakuierungsflüge

Die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer teilte am Abend mit, dass der Bundeswehr-Einsatz für Evakuierungsflüge nun beendet sei. Alle Soldaten seien aus kabul ausgeflogen.

18.51 Uhr: Taliban sprechen von 13 Toten und 52 Verletzten

Nach Angaben der militant-islamistischen Taliban sind mindestens 13 Menschen getötet worden. Mindestens 52 weitere seien verletzt worden, teilte der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha am Donnerstag mit.

18.39 Uhr: Angela Merkel spricht von Selbstmordanschlägen bei den Explosionen

Angela Merkel spricht in einer Pressekonferenz am Abend davon, dass man von einem oder mehreren Selbstmordanschlägen ausgehe, die „gezielt auf Menschen“ am Kabuler Flughafen verübt worden seien. „Es ist eine bedrückende Nachricht“, so die Bundeskanzlerin. . Sie sagte außerdem, dies sei ein „absolut niederträchtiger Anschlag in einer sehr, sehr angespannten Situation“.

18.37 Uhr: Seit Tagen gab es Warnungen vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“

Der gut vernetzte afghanische Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer großen Menschenmenge in die Luft gesprengt. Mindestens ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet.

Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich zuletzt noch einmal deutlich zugespitzt. Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, das zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Joe Biden geäußert. Praktisch täglich versuche ein örtlicher Ableger des IS, den Flughafen anzugreifen, hatte er erklärt. Die Terrormiliz sei auch ein „erklärter Feind“ der Taliban. Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

18.31 Uhr: Taliban-Sprecher: mindestens 52 Verletzte in Kabul, Zahl der Toten unklar

Angaben der militant-islamistischen Taliban zufolge sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul mindestens 52 Menschen verletzt worden. Es habe auch Tote gegeben, allerdings sei die Zahl noch unklar, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Donnerstag dem lokalen TV-Sender ToloNews.

18.01 Uhr: Frankreich will noch „mehrere hundert“ Afghanen aus Kabul retten

Ungeachtet der Anschläge in Kabul will Frankreich seine Evakuierungsflüge nach Möglichkeit fortsetzen. Präsident Emmanuel Macron sagte am Donnerstag bei einem Besuch in Dublin, sein Land werde alles versuchen, um noch „mehrere hundert Menschen“ aus Afghanistan zu retten.

Macron sagte, es warteten noch 20 Busse mit Afghanen und binationalen Staatsangehörigen in der Nähe des Kabuler Militärflughafens, die Frankreich über die Vereinigten Arabischen Emirate ausfliegen wolle. Es gebe aber keine Garantie, dass dies gelinge, „denn wir haben die Sicherheitslage nicht unter Kontrolle“.

Macron räumte ein: „Wir können nicht alle afghanischen Menschen schützen, die wir schützen wollten.“ Kritik an der Abzugsentscheidung von US-Präsident Joe Biden wies der französische Staatschef zurück: „Niemand hat so schnell eine so brutale Situation in Kabul erwartet“, betonte er.

17.18 Uhr: Mindestens sechs Menschen gestorben, mehr als 60 weitere Verletzte bei Explosion

Der Nichtregierungsorganisation Emergency zufolge sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Mehr als 60 weitere seien verletzt worden, teilte Emergency am Donnerstag auf Twitter mit. Die Nichtregierungsorganisation betreibt ein Krankenhaus vor Ort.

17.12 Uhr: Zweite Explosion in Hotel in der Nähe des Flughafens Kabul

Wie die US-Regierung mitteilt, sind auch Amerikaner zu Schaden gekommen. Das schrieb der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Donnerstag auf Twitter und bezeichnete den Angriff an einem der Flughafen-Tore als „komplexe Attacke“. Eine Zahl von Toten oder Verletzten nannte er nicht. Kirby bestätigte außerdem, dass es zu einer weiteren Explosion bei einem nahe gelegenen Hotel gekommen sei.

16.51 Uhr: Mehrere Tote und Verletzte nach Explosion

Bei der Explosion außerhalb des Flughafens von Kabul hat es nach Angaben der USA eine bislang unbekannte Zahl von Toten oder Verletzten gegeben. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, schrieb am Donnerstag auf Twitter, das Pentagon könne bestätigen, dass die Explosion nahe eines der Flughafen-Tore „eine unbekannte Zahl von Opfern“ verursacht habe.

16.34 Uhr: Letzte Rettungsmaschine der Bundeswehr gestartet

Die letzten Maschinen der Bundeswehr zur Rettung von Deutschen und einheimischen Mitarbeitern aus Afghanistan sind am Donnerstag abgehoben. Die letzten drei Flugzeuge starteten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am frühen Abend (Ortszeit) vom Flughafen Kabul aus mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan.

16.32 Uhr: Keine deutschen Soldaten bei Explosion am Flughafen Kabul verletzt

Deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden. „Nach bisherigen Erkenntnissen kam es heute Nachmittag gegen 15.20 Uhr MESZ zu einer Explosion im Außenbereich des Flughafens Kabul“, teilte das Einsatzführungskommando am Donnerstag mit. Einsatzkräfte der Bundeswehr seien nicht betroffen. Nähere Informationen lägen aber noch nicht vor.

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte zu einem späteren Zeitpunkt am Abend: „Wir haben zurzeit keine Informationen über deutsche Opfer.“

15.54 Uhr: Explosion vor dem Flughafen Kabul

Außerhalb des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es zu einer Explosion gekommen. Das schrieb der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Donnerstag auf Twitter. Über mögliche Opfer sei bislang noch nichts bekannt. Das Ministerium werde weitere Details bekanntgeben, sobald diese verfügbar seien. In den vergangenen Tagen hatte es zunehmend Warnungen vor Terroranschlägen rund um den Flughafen in Kabul gegeben.

Westliche Staaten hatten zuletzt vor Anschlägen am Flughafen gewarnt, wo derzeit ein großangelegter Evakuierungseinsatz läuft. Die Bundeswehr sprach von mehreren Selbstmordattentätern in der Stadt. Westliche Staatsangehörige wurden davor gewarnt, sich zum Flughafen zu begeben.

15.42 Uhr: Merkel sagt Israel-Reise wegen Lage in Afghanistan ab

Kanzlerin Angela Merkel hat die für den 28. bis 30. August geplante Reise nach Israel wegen der dramatischen Entwicklung in Afghanistan abgesagt. Beide Seiten seien sich einig, dass der Besuch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden solle, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag mit.

15.30 Uhr: Andrang am Flughafen Kabul - letzte Evakuierungsflieger starten heute

Viel Zeit bleibt den Menschen im Land Afghanistan nicht mehr. Auch wenn noch viele von ihnen am Flughafen warten, werden es nicht alle rechtzeitig in einen Rettungsflieger schaffen. Die Flugzeuge werden nicht mehr lange unterwegs sein, um Menschen aus Afghanistan in andere Staaten zu bringen.

Die Leute verlassen Afghanistan, weil die Gruppe Taliban in dem Land die Macht übernommen hat. Die Lage ist dadurch für manche Leute gefährlich geworden. Deutschlands Militär fliegt etwa Menschen aus, die aus Deutschland stammen oder die in Afghanistan für die deutsche Bundeswehr gearbeitet haben. Auch andere Länder sind mit solchen Flugzeugen im Einsatz.

06.00 Uhr: Angst vor Terror wächst

Sowohl Großbritannien als auch die USA haben Angst um ihre Staatsbürger. Sie forderten diese auf umgehend die Tore des Flughafens von Kabul zu verlassen. „Aufgrund der Sicherheitsbedrohungen vor den Toren des Flughafens Kabul raten wir US-Bürgern, derzeit nicht zum Flughafen zu reisen und die Tore des Flughafens zu meiden“, teilte die US-Botschaft in der Nacht mit. Die britische Regierung riet Bürgern sich eine sichere Zuflucht in der Nähe des Flughafens zu suchen. Auch die deutsche Botschaft in Afghanistan und weitere Stellen warnen vor Terrorgefahr.

In dem Schreiben der deutschen Botschaft ist die Rede von Schießereien und Terroranschlägen. Hintergrund scheint ein Bericht der Bundeswehr zu sein, demzufolge zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter des „Islamischen Staates“ in Kabul beobachtet werden. Auch US-Präsident Joe Biden sprach davon, dass es täglich versuchte Angriffe auf den Flughafen gebe.

Mittwoch, 25. August

18.41 Uhr: Bundeswehreinsatz endet spätestens am 31. August

Mit einer Mehrheit von 539 Stimmen beschloss der Bundestag den seit Montag vergangener Woche laufenden Evakuierungseinsatz. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nutzte am Mittwoch eine Regierungserklärung, um das Vorgehen der Bundesregierung zu verteidigen. Die Opposition übte dagegen scharfe Kritik an der Regierung, unter anderem an deren später Entscheidung zur Aufnahme von Helfern der Deutschen, und verlangte Aufklärung über das Scheitern des internationalen Militäreinsatzes. Das Parlament stimmte dem Evakuierungseinsatz der Bundeswehr zu, der zugleich schon wieder seinem Ende entgegensieht.

Am 31. August wollen die USA Afghanistan verlassen. Spätestens dann endet laut Bundesregierung auch der Einsatz der deutschen Soldatinnen und Soldaten. Wann genau, sagt sie nicht. Sie wisse es nicht und wolle darüber nicht spekulieren, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Mittwoch in Berlin. Dies sei abhängig von der Koordinierung der internationalen Kräfte in der afghanischen Hauptstadt Kabul und von der Sicherheitslage, ergänzte sie. Nach ihren Worten verschärft sich die Gefahrenlage in Kabul. Befürchtet werden Terroranschläge.

Nach Informationen der „Bild“ soll der Bundeswehr-Einsatz bereits am Freitag (27. August) enden.

17.12 Uhr: BILD-Reporter Paul Ronzheimer beklagt Einschränkungen für Journalisten

Auf Twitter berichtet BILD-Reporter Ronzheimer, dass das US-Militär ihn und weitere Journalisten zwingt, den Flughafen Kabul zu verlassen. Der Journalist erhebt schwere Vorwürfe: „Die US-Regierung fürchtet angesichts der Schande, die in Afghanistan angerichtet wurde, ganz offensichtlich kritische Presse und will keine Zeugen.“

10.58 Uhr: Medienbericht: Evakuierungen sollen schon heute enden

Wie die ARD berichtet, sollen bereits heute könnten die letzten Evakuierungsflüge der Bundeswehr aus Kabul starten. Mehrere Medien hatten zuvor über ein Ende der Flüge am Freitag oder Samstag berichtet. Das Auswärtige Amt wollte diese Angaben auf Nachfrage von Focus nicht bestätigen.

Dienstag, 24. August

19.56 Uhr: Merkel kündigt 500-Millionen-Euro-Hilfspaket für Afghanistan an

Deutschland stockt seine humanitäre Hilfe für Notleidende in Afghanistan um 500 Millionen Euro auf. Das kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach einer G7-Videokonferenz an. Bereits vor wenigen Tagen hatte die Bundesregierung 100 Millionen Soforthilfe für die Versorgung von Flüchtlingen in und um Afghanistan zugesagt, die ausschließlich über humanitäre Hilfsorganisation geleistet werden soll. Die 500 Millionen kommen nun hinzu.

Die Bundesregierung hatte die Hilfsgelder für Entwicklung und Stabilisierung des Landes nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban eingefroren, die humanitäre Hilfe aber weiterlaufen lassen. Bei der humanitären Hilfe geht es um die Versorgung Notleidender, etwa mit Lebensmitteln, Medikamenten oder Not-Unterkünften. Entwicklungshilfe wird vor allem für Infrastrukturprojekte gezahlt. Insgesamt waren ursprünglich für dieses Jahr Hilfen von 430 Millionen Euro vorgesehen, davon 250 Millionen Euro Entwicklungshilfe.

17.43 Uhr: Kramp-Karrenbauer will Evakuierungs-Vereinbarung mit Taliban

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich für eine Evakuierungs-Vereinbarung mit den Taliban für die Zeit nach der laufenden Bundeswehr-Mission ausgesprochen - unabhängig davon, wie lange diese noch läuft. Damit solle gewährleistet werden, dass auch dann noch ehemalige Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien ausgeflogen werden könnten, die zurzeit gar nicht zum Flughafen Kabul kommen könnten, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin. „Wir brauchen auf jeden Fall auch in der Sache sicheres Geleit eine Lösung und eine Vereinbarung mit den Taliban, die über die eigentliche Evakuierungsmission hinausgeht.“

Die Bundeswehr hat bisher rund 3800 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Wie lange der Einsatz noch dauert, hängt davon ab, wann die US-Streitkräfte sich aus Afghanistan zurückziehen. Bisher ist der 31. August geplant. Mehrere europäische Länder drängen die USA aber zu einer Verlängerung.

13.22 Uhr: Maas: Es werden nicht alle Menschen vom Flughafen Kabul gerettet werden können

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) geht nicht davon aus, dass tatsächlich alle ausreiseberechtigten Afghanen in den nächsten Tagen vom Flughafen Kabul aus in Sicherheit gebracht werden können. „Wir werden in den verbleibenden Tagen dieser militärischen Evakuierungsaktion nicht alle aus Afghanistan rausbekommen können“, sagte Maas am Dienstag auf Bild TV. „Das gebietet die Ehrlichkeit, das zu sagen.“

Selbst wenn der internationale Einsatz am Kabuler Flughafen noch einige Tage über das bislang anvisierte Enddatum 31. August verlängert werden sollte, könnten nicht alle Menschen ausgeflogen werden, die dies wünschten, sagte Maas. Es müsse abgewogen werden, wie lange die Sicherheit der Kräfte vor Ort und der auszufliegenden Menschen gewährleistet werden könne. „Das ist eine sehr, sehr schwierige Abwägung“, sagte er.

„Deshalb haben wir, zusammen mit den USA und Großbritannien jetzt begonnen, Überlegungen anzustellen, wie auch nach der militärischen Evakuierung Leute aus Afghanistan rausgebracht werden können“, sagte Maas. Das Ende der militärischen Evakuierung dürfe nicht das Ende der Möglichkeiten für die Menschen sein, das Land zu verlassen.

Montag, 23. August

13.16 Uhr: Taliban setzen Ultimatum für Evakuierungen

Die Taliban wollen einer Verlängerung der Evakuierungsmission westlicher Staaten aus Afghanistan nicht zustimmen. Das sagte ein Sprecher der militant-islamistischen Organisation dem britischen Nachrichtensender Sky News am Montag. „Würden die USA oder Großbritannien zusätzliche Zeit erbitten, um die Evakuierungen fortzusetzen, wäre die Antwort ein Nein“, sagte Suhail Schahin, ein Mitglied der Taliban-Delegation in Doha, der Hauptstadt Katars.

Die für den 31. August festgesetzte Frist sei eine „rote Linie“, so der Schahin weiter. Sie zu verschieben, käme einer Verlängerung der militärischen Besatzung seines Landes gleich. Dazu gebe es keinen Grund. Er fügte hinzu: „Es wird Misstrauen schaffen zwischen uns. Wenn sie vorhaben, die Besatzung zu verlängern, wird das eine Reaktion hervorrufen“.

10.28 Uhr: Elitesoldaten retten Münchener Familie aus Kabul

Elitesoldaten des KSK haben laut einem Bericht der "Bild" in der Nacht zu Sonntag eine Münchner Familie aus Kabul befreit.

Demnach hätten in der Nacht deutsche Soldaten den Flughafen in Afghanistas Hauptstadt verlassen und sich zu Fuß auf den Weg zu der Familie gemacht. Nach einer Stunde habe man dann Kontakt zu der Familie - bestehend aus Mutter, Tochter und Sohn - aufgenommen und diese zurück zum Flughafen gebracht. Die Familie sei nach den Abiturprüfungen der Tochter noch einmal nach Kabul gereist, um Verwandte zu besuchen. Am Sonntag sei die Familie schließlich nach Taschkent ausgeflogen worden.

6.47 Uhr: Bundeswehr meldet Feuergefecht am Eingang zum Flughafen Kabul

Am Flughafen von Kabul hat es laut Angaben der Bundeswehr am Montagmorgen ein Feuergefecht zwischen afghanischen Sicherheitskräften und unbekannten Angreifern gegeben. Dabei sei eine afghanische Sicherheitskraft getötet und drei weitere verletzt worden, meldete die Bundeswehr im Onlinedienst Twitter. Im weiteren Verlauf des Gefechts seien auch US- und deutsche Soldaten beteiligt gewesen. Alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr seien unverletzt.

Der Kabuler Flughafen wird seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor einer Woche von ausländischen Soldaten gesichert. Vor den Toren des Flughafens drängen sich seit Tagen tausende verzweifelte Menschen, die auf einen Platz in einem Evakuierungsflieger hoffen. Am Samstag wurden die Tore deshalb zeitweise ganz geschlossen. Daraufhin kam es zu Panik und Gedränge, mehrere Menschen kamen dabei ums Leben. Auch die Evakuierungsflüge gerieten zeitweise ins Stocken.

Sonntag, 22. August

20.32 Uhr: Bundeswehr bringt Babynahrung, Windeln und Obst nach Kabul

Die Bundeswehr fliegt nun auch Hilfsgüter vor allem für Kinder in die afghanische Hauptstadt. Babynahrung, Windeln, aber auch Obst und Hygieneartikel würden über das Drehkreuz im usbekischen Taschkent nach Kabul gebracht, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). „Ich bin sehr froh, dass wir auch an der Stelle ein bisschen Entlastung schaffen können.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnen, dass die Versorgung von Millionen mit Arzneimitteln und anderen wichtigen Gütern immer schwieriger werde. Das dürfe in der Diskussion um Rettungsflüge nicht vergessen werden, teilten die beiden Organisationen mit. Mit 18 Millionen Menschen, die Hilfe benötigten, sei Afghanistan schon vor den Ereignissen der vergangenen Woche der drittgrößte humanitäre Einsatz weltweit gewesen.

19.15 Uhr: Sorge vor IS-Anschlägen wächst

Die US-Regierung warnt vor der Gefahr von Terroranschlägen am Airport. Die Gefahr eines Anschlags der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul oder in der Umgebung sei „real, akut und anhaltend“, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Sonntag im Sender CNN. Entsprechende Warnungen nehme man „absolut todernst“. Die militant-islamistischen Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet.

14.44 Uhr: Frau bringt Baby im Flugzeug zur Welt

Eine Afghanin auf der Flucht vor den Taliban hat auf der Landebahn der US-Luftwaffenbasis Ramstein ein Baby zur Welt gebracht. Die Frau befand sich in einer Maschine aus Nahost nach Deutschland, als ihre Wehen einsetzten, wie ein Sprecher des Stützpunktes am Sonntag sagte. Zudem gab es Komplikationen wegen niedrigen Blutdrucks - daher habe der Pilot die Flughöhe gesenkt, so den Luftdruck in der Maschine erhöht und damit geholfen, der werdenden Mutter das Leben zu retten.

Sie gebar ihr Baby demnach am Samstagnachmittag kurz nach der Landung noch im Flugzeug, mit der Hilfe von herbeigeeilten Sanitätern. Mutter und Kind seien wohlauf.

09.37 Uhr: Sieben Menschen sterben bei Gedränge am Flughafen

Im Gedränge vor dem Kabuler Flughafen sind sieben Afghanen ums Leben gekommen. Wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, versammelten sich erneut Tausende Menschen vor dem Flughafen in der afghanischen Hauptstadt, um das Land nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban zu verlassen. Ein Sprecher bezeichnete die Bedingungen vor Ort als „nach wie vor äußerst schwierig“.

„Unsere Gedanken sind bei den Familien der sieben afghanischen Zivilisten, die leider in der Menschenmenge in Kabul ums Leben gekommen sind“, fügte der Sprecher hinzu. London bemühe sich, die Lage „so sicher wie möglich zu gestalten“.

07.15 Uhr: Junge Mutter schildert furchtbare Szenen – „Ich sah, wie Kinder totgetrampelt wurden“

Die junge Mutter Silla Akbari hat Höllenqualen erlebt. Sie war eine der völlig verzweifelten Frauen, die am überfüllten Flughafen panisch versuchte mit ihren beiden Kindern Afghanistan so schnell es geht zu verlassen. Darüber berichtet der Spiegel. Doch es schien ausweglos. „Ich sah, wie Frauen stürzten und Kinder totgetrampelt wurden“, schildert die junge Mutter.

Auf der einen Seite das US-Militär, was den Zugang zum Flughafen beschränkte, auf der anderen die Taliban, die mit Pistolen und Schüssen in die Luft drohten und die Flüchtenden als „Feiglinge“ beschimpfte. „Rette uns vor diesen Männern, Mami“, schrie ihre Tochter. Auch Akbari wusste: „dass wir da rausmüssen, weil wir sonst sterben würden“, Die US-Botschaft schaffte es schließlich sie zu einem geheimen Sammelpunkt zu lotsen und über Taschkent nach Deutschland zu fliegen. Die ganze Geschichte kannst du beim Spiegel lesen (Bezahlinhalt).

Samstag, 21. August

22.06 Uhr: Hauptfeldwebel über Evakuierung – „Aus der Hölle rausgeholt“

Die Lage in Kabul gestaltet sich weiterhin schwierig. Das teilt die Bundeswehr am Samstagabend bei Twitter mit. Die Evakuierungen waren am Samstag ins Stocken geraten. Gegen Abend gelang es, ein Flugzeug mit 205 schutzbedürftigen Menschen an Bord von Kabul nach Taschkent zu fliegen.

Bei Twitter hat die Bundeswehr ein Video von Hauptfeldwebel Andreas geteilt, der nach der Landung über diese Evakuierung sagt: „Wir sind gerade frisch aus Kabul gekommen. Es ist ein wunderbares Gefühl, Menschen gerettet zu haben, aus der Hölle rausgeholt zu haben. Man kann diese Erleichterung der Menschen in den Augen sehen. Die haben sich gefreut, als wir abgehoben sind. Es ist einfach nur das Richtige, was wir hier tun.“

21.35 Uhr: Annegret Kramp-Karrenbauer – „Unsere Lageeinschätzung war falsch“

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat eine massive Fehleinschätzung der Bundesregierung angesichts des Vormarschs der Taliban in Afghanistan eingeräumt. „Noch zu Beginn der letzten Woche hat niemand in der internationalen Gemeinschaft damit gerechnet, dass Kabul bereits am Ende der Woche kampflos fallen würde“, schrieb Kramp-Karrenbauer in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief an Abgeordnete des Bundestags.

„Unsere Lageeinschätzung war falsch, unsere Annahmen über die Fähigkeiten und die Bereitschaft zum afghanischen Widerstand gegen die Taliban zu optimistisch.“ Ähnlich hatten sich Außenminister Heike Maas (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 16. August geäußert, dem Tag nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban.

18.35 Uhr: Bundeswehr-Maschine mit 205 schutzbedürftigen Menschen in Taschkent gelandet

Wie die Bundeswehr bei Twitter mitteilt, ist um 18.35 Uhr Uhr eine Maschine mit 205 schutzbedürftigen Personen in Taschkent gelandet. Die Maschine war um 17.15 Uhr in Kabul gestartet. Zuvor war die Evakuierung inmitten chaotischer Verhältnisse am Flughafen zeitweise ins Stocken geraten. Mit zwei vorausgehenden deutschen Flügen konnte die Bundeswehr nur insgesamt 15 Personen nach Usbekistan bringen.

Die Evakuierungen würden unter sehr schwierigen Bedingungen durchgeführt, twitterte das Auswärtige Amt. „Tore werden kurzfristig geöffnet und geschlossen“, hieß es zur Situation am Flughafen. „Situation bleibt gefährlich und volatil“. Die Evakuierungen würden unter sehr schwierigen Bedingungen durchgeführt werden.

11.47 Uhr: Vizechef der Taliban in Kabul eingetroffen

Der Vizechef der militant-islamistischen Taliban ist in der afghanischen Hauptstadt eingetroffen. Mullah Abdul Ghani Baradar sei am Samstag nach Kabul gekommen, um mit Taliban-Mitgliedern und weiteren Politikern über die Bildung einer neuen Regierung zu sprechen, bestätigten Taliban-Kreise der Deutschen Presse-Agentur.

Der Mitbegründer der Taliban war nach der Machtübernahme der Islamisten als bislang höchstrangigster Vertreter am Dienstag zunächst in der Stadt Kandahar im Süden des Landes eingetroffen, aus Katar kommend. Mullah Baradar ist Vize-Chef der Bewegung und Leiter des politischen Büros der Taliban in Doha. Es ist unklar, wo sich der Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und seine zwei weiteren Stellvertreter Mullah Jakub und Siradschuddin Hakkani befinden und wann sie in Kabul eintreffen könnten.

07.14 Uhr: Dramatische Rettungsaktion läuft weiter – Joe Biden mit deutlichen Worten

Nach fast einer Woche Taliban-Herrschaft läuft die dramatische Rettungsaktion für gefährdete Menschen in Kabul unter Hochdruck weiter: Die USA mussten sogar Hubschrauber losschicken, um rund 170 US-Bürger von einem Hotel in der afghanischen Hauptstadt zum Flughafen in Sicherheit zu bringen.

Die Bundeswehr flog auch in der Nacht zum Samstag erneut Menschen nach Usbekistan aus. Derweil reißt die Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung nicht ab. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock warf Außenminister Heiko Maas (SPD) Versagen vor.

US-Präsident Joe Biden, der wegen des raschen Abzugs der US-Truppen aus Afghanistan mit der Folge der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban ebenfalls in der Kritik steht, sicherte am Freitag die Rettung aller Amerikaner aus dem Land zu. „Wir werden Sie nach Hause bringen“, sagte Biden im Weißen Haus. Eine ähnliche Zusage machte er für die afghanischen Ortskräfte. Es sei aber „eine der größten, schwierigsten Luftbrücken der Geschichte“.

6.23 Uhr: Bundeswehrhubschrauber soll Menschen retten, die nicht zum Flughafen Kabul kommen

Die Bundeswehr steht in Afghanistan vor einer weiteren gefährlichen Mission. In der Hauptstadt Kabul sollen von diesem Samstag an zwei Hubschrauber einsatzbereit sein, die in der Lage sind, gefährdete Menschen in Sicherheit zu bringen, die es nicht aus eigener Kraft zum Flughafen schaffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums können die Maschinen dazu eingesetzt werden, einzelne Bundesbürger oder auch Ortskräfte aus Gefahrenlagen zu retten.

Bei den Hubschraubern handelt es sich um Maschinen des Typs H-145M mit insgesamt 13 Soldaten. Sie sind Spezialkräften zugeordnet und wurden von den USA angefordert. Die US-Truppen flögen hauptsächlich mit großvolumigen Hubschraubern und benötigten im städtischen Umfeld eine kleinere Maschine, sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Freitag in Berlin. „Die haben wir.“

Im Einsatz sollen die Bundeswehrmaschinen immer von Hubschraubern der USA begleitet werden. Im Hintergrund gebe es zudem von US-Seite eine „luftbewegliche Eingreifreserve“. „Das ist eine wirkliche Luftoperation. Das ist kein "Taxi-Service"“, sagte Zorn. Zuerst hatte der „Spiegel“ über den geplanten Einsatz berichtet. Die Helikopter des Kommandos Spezialkräfte (KSK) seien eigentlich auf die Befreiung von Geiseln ausgerichtet und sehr beweglich. Sie könnten selbst in eng bebauten Städten landen. Bisher ist die Bundeswehr nur innerhalb des Flughafens Kabul im Einsatz, der von US-Truppen abgesichert wird.

Freitag, 20. August

17:15 Uhr: Kanzlerin Merkel bittet Putin bei Rettungsaktionen um Hilfe

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am heutigen Freitag in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgetauscht und ihn in diesem Rahmen um Unterstützung bei der Rettung afghanischer Ortskräfte gebeten. Für die Bundesregierung habe es aktuell höchste Priorität, so viele am Nato-Einsatz der letzten zwei Jahrzehnte beteiligte Menschen wie möglich nach Deutschland zu bringen, so Merkel nach der Unterredung. Sie habe Putin daher gebeten, in Gesprächen mit den Taliban zu betonen, dass eine Zusammenarbeit in humanitären Fragen vor allem dann möglich sei, wenn Ortskräfte ermöglicht werde, das Land zu verlassen.

16:50 Uhr: Putin spricht Warnung an Taliban aus

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Taliban davor gewarnt, einen Machtausbau über die Grenzen Afghanistans hinaus anzustreben. „Die Taliban dürfen nicht über die Grenzen des Landes hinwegschreiten“, so Putin am Freitag in Moskau im Anschluss an sein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel. Zudem betonte Putin, Aufbau und die Stärkung der Demokratie in Afghanistan seien essenziell. Man dürfe nicht zulassen, dass die afghanische Regierung zerfalle. Des Weiteren sprach sich der russische Präsident erneut für internationalen Zusammen halt und ein abgestimmtes Vorgehen aus.

13.14 Uhr: Mehr Informationen zum angeschossenen Deutschen

Ein Deutscher hat auf dem Weg zum Flughafen Kabul in Afghanistan eine Schussverletzung erlitten. Das sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag in Berlin. „Er wird medizinisch versorgt, es besteht aber keine Lebensgefahr“, sagte Demmer. „Und er wird bald ausgeflogen werden.“ Es handele sich um einen Zivilisten.

Um den Flughafen herrschen seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban chaotische Zustände. Die Lage ist extrem gefährlich. Die Verzweiflung der Menschen, die auf Evakuierungsflüge gelangen wollen, wird von Stunde zu Stunde größer. Das berichtete ein Augenzeuge am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Demnach halten sich am Eingang zum zivilen Teil, der an einem großen Kreisverkehr liegt, weiterhin Hunderte Menschen auf, die versuchen, auf das Gelände und dann mit Hilfe von westlichen Flugzeugen außer Landes zu kommen. Kämpfer der Taliban feuerten dort in die Luft und schlugen mit Peitschen, um die Leute zu vertreiben.

Der Zeitdruck wächst, weil die USA eigentlich bis zum 31. August den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan abgeschlossen haben wollen. Vom Schutz durch die derzeit 5200 US-Soldaten hängen aber die Evakuierungen anderer Streitkräfte wie beispielsweise der Bundeswehr ab. US-Präsident Joe Biden schließt nicht aus, dass Truppen zur Evakuierung von US-Bürgern auch über den 31. August hinaus in Kabul bleiben - sicher ist das nicht. Zudem ist ungewiss, wie sich die Taliban weiter verhalten.

In einem Schreiben der deutschen Botschaft an Menschen, die auf einen Flug hoffen, hieß es am Freitag: „Die Lage am Flughafen Kabul ist aber äußerst unübersichtlich. Es kommt an den Gates immer wieder zu gefährlichen Situationen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Der Zugang zum Flughafen ist derzeit möglich. Zwischendurch kann es aber immer wieder kurzfristig zu Sperrungen der Tore kommen, auch weil so viele Menschen mit ihren Familien versuchen, auf das Gelände zu kommen. Wir können Sie leider nicht vorab informieren, wann die Tore geöffnet sein werden.“

Am Flughafen von Kabul gibt es einen zivilen und einen militärischen Bereich. Da die Taliban den Zugang zum zivilen Airport kontrollieren und blockieren, ist der Ansturm auf den militärischen Teil des Flughafens groß. Der US-Fernsehsender CNN zeigte auch Bilder, wie US-Soldaten in die Luft schossen, um die Menschenmenge von den Außenmauern zurückzuhalten.

11.57 Uhr: Deutscher angeschossen!

Ein Deutscher hat auf dem Weg zum Flughafen Kabul in Afghanistan eine Schussverletzung erlitten. Das sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag in Berlin.

Mehr in Kürze!

11.13 Uhr: Hubschraubereinsatz des KSK in Kabul

Die Bundeswehr will für die Evakuierung von Deutschen und Ortskräften aus Afghanistan nach einem „Spiegel“-Bericht zwei Hubschrauber in die Hauptstadt Kabul verlegen. Die beiden Helikopter des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sollten zur Rettung von Schutzsuchenden aus der Luft eingesetzt werden, schreibt das Magazin. Die Hubschrauber seien eigentlich auf die Befreiung von Geiseln ausgerichtet, sehr beweglich und könnten selbst in eng bebauten Städten landen.

Mit den Helikoptern könnten KSK-Soldaten in den nächsten Tagen kleine Gruppen aus Kabul oder anderen von den Taliban kontrollierten Zonen an den schwer zugänglichen Flughafen bringen, berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf Bundeswehrkreise. Bisher ist die Bundeswehr nur innerhalb des Flughafens Kabul im Einsatz, der von US-Truppen abgesichert wird. Von dort aus wurden mit deutschen Militärmaschinen seit Montag mehr als 1600 Menschen ausgeflogen.

Andere Länder wie die USA und Frankreich haben in Kabul jetzt schon Hubschrauber im Einsatz, um Schutzbedürftige zum Flughafen zu bringen. Die Lage rund um den Flughafen im Norden der Stadt ist seit Tagen von großem Chaos geprägt. Tausende versuchen verzweifelt, auf das Gelände und dann zu den Flugzeugen zu kommen - die meisten ohne Erfolg.

07.34 Uhr: Armin Laschet (CDU) befürwortet Gespräche mit Taliban

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet befürwortet diplomatische Gespräche mit den Taliban, um gefährdeten Menschen in Afghanistan zu helfen. „Die Kunst guter Außenpolitik besteht gerade darin, mit solchen Staaten zu Lösungen zu kommen, deren Ziele und Menschenbild unsere Gesellschaft zu Recht ablehnt“, sagte Laschet der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Den Dialog mit den Taliban zu verweigern, würde den Menschen nicht helfen, die aus Afghanistan herauswollen“, sagte Laschet, der auch CDU-Chef ist.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat den Afghanistan-Experten Markus Potzel nach Doha im Golfemirat Katar geschickt, um mit Unterhändlern der militant-islamistischen Taliban über die Ausreise afghanischer Ortskräfte zu sprechen. Der Diplomat, der ursprünglich im August als neuer Botschafter nach Afghanistan entsandt werden sollte, führt seit Mittwoch Gespräche mit Vertretern der Taliban. „Er wird seine Gespräche auch mit internationalen Partnern fortsetzen“, erklärte das Auswärtige Amt am Donnerstagabend auf Twitter.

Donnerstag, 19. August

22.45 Uhr: Geretteter Junge (5) stürzt in England aus Hotelfenster – tot!

Tragödie um einen Fünfjährigen aus Afghanistan! Der kürzlich aus Afghanistan gerettete Junge ist im nordenglischen Sheffield bei einem Sturz aus einem Hotelfenster gestorben. Die Polizei von Yorkshire bestätige am Donnerstag die Nationalität des Fünfjährigen, dessen Tod sie bereits am Mittwoch bekannt gegeben hatte. Britischen Medienberichten zufolge sind in dem Hotel afghanische Flüchtlinge untergebracht, die in ihrem Heimatland für Großbritannien gearbeitet hatten.

Ein ebenfalls in dem Hotel untergebrachter Flüchtling sagte dem Online-Medium „YorkshireLive“, die Familie des Jungen sei erst vor Kurzem in Sheffield angekommen. „Sie sind hierher gekommen um ihr Leben zu retten und dann passierte es. Das ist so traurig.“ Nach Angaben der BBC fiel der Junge aus dem neunten Stockwerk des Gebäudes.

18.10 Uhr: Mann trickst Taliban am Flughafen mit SPD-Parteibuch aus – „Es sind Analphabeten“

Einem Projektmanager aus Kassel ist nach eigenen Angaben dank seines SPD-Parteibuchs die Ausreise aus Afghanistan geglückt. „Das Parteibuch hat mir das Leben gerettet“, erklärte Asib Malekzada am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Aktion hätte aber auch nach hinten losgehen können, sagte der 33 Jahre alte Deutsch-Afghane, der seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland lebt.

Er habe seinen Reisepass sowie das SPD-Parteibuch fest mit beiden Händen umklammert gehabt, als er mit seiner Verlobten im Taxi auf dem Weg zum Flughafen Kabul gewesen sei, berichtete Malekzada. „Dokumente wie Reisepass und mein Parteibuch habe ich zum Glück auf jeder meiner Auslandsreisen dabei.“ Die Taliban hätten das Taxi gestoppt und das Paar zum Aussteigen aufgefordert.

Dann habe er all seinen Mut zusammengenommen: „Ich habe das Buch hochgehalten und mich als deutscher Diplomat ausgegeben.“ Die Taliban hätten das geglaubt, keine weiteren Fragen gestellt und ihn mit seiner Verlobten passieren lassen, sagte Malekzada. „Es ist weltweit bekannt, dass sie Analphabeten sind und das Dokument nicht lesen konnten. Es war ein absoluter Glücksfall.“

Inzwischen sind Malekzaba und seine Verlobte in Deutschland.

14.03 Uhr: Plünderer in Kabul unterwegs - zahlreiche Autodiebstähle und Einbrüche

In der afghanischen Hauptstadt Kabul kommt es seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban zu immer mehr Autodiebstählen und Einbrüchen. Augenzeugen berichteten der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag, Männer, die sich als Taliban ausgäben, verschafften sich Zugang zu Häusern und nähmen auch Autos oder Motorräder mit. Unter den Betroffenen waren auch Angehörige des Militärs und ein ehemaliger hochrangiger Regierungsvertreter.

Auch nach Waffen werde von vermeintlichen oder tatsächlichen Islamisten gezielt gesucht, hieß es. Lokale Medien berichteten aber auch von einfachen Bürgern, die angehalten wurden und denen dann das Auto direkt auf der Straße weggenommen wurde. In den vergangenen Tagen haben die Taliban wiederholt Telefonnummern veröffentlicht, die Bürger bei solchen Vorfällen anrufen sollen.

Öffentlich haben die Islamisten bereits mehrmals erklären müssen, dass kein Taliban-Kämpfer Privathäuser betreten und Autos mitnehmen dürfe. Zuletzt rechtfertigten sie sich damit, dass sie nur Autos und Waffen einsammelten, die der Regierung gehörten. Den Betroffenen zufolge wurden aber auch Privatautos mitgenommen.

12.34 Uhr: Sohn von Taliban-Gegner mit eindringlichen Worten – „mehr Waffen, mehr Munition und mehr Nachschub“

Der Sohn einer Symbolfigur des afghanischen Kampfes gegen die Taliban hat die USA um Unterstützung für seine Widerstandsgruppe im Kampf gegen die Islamisten gebeten. Ahmed Massud, Sohn des früheren Kriegsherrn Ahmed Schah Massud, schrieb in einem am Donnerstag veröffentlichten Gastbeitrag in der „Washington Post“, er sei bereit, „in die Fußstapfen meines Vaters zu treten“. Er verfüge über die nötigen Kräfte für einen wirksamen Widerstand, brauche aber „mehr Waffen, mehr Munition und mehr Nachschub“.

Er befinde sich im Pandschirtal nordöstlich von Kabul, das in den 90er-Jahren als Hochburg des Widerstandes gegen die Taliban galt und nie unter die Kontrolle der Islamisten fiel. Seine „Mudschahedin-Kämpfer“ seien „bereit, es erneut mit den Taliban aufzunehmen“, erklärte Massud.

Zu ihnen seien ehemalige Angehörige der afghanischen Streitkräfte gestoßen, die „von der Kapitulation ihrer Kommandeure angewidert“ seien. In Onlinenetzwerken waren Bilder von Massud mit dem ehemaligen Vizepräsidenten des Landes, Amrullah Saleh zu sehen, die offenbar eine Guerilla-Bewegung gegen die Taliban planen.

Ahmed Massuds Vater hatte in den 1980er Jahren gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans gekämpft, von 1996 bis 2001 bekämpfte er dann die Taliban. Am 9. September 2001 wurde er von zwei Selbstmordattentätern des Terrornetzwerks Al-Kaida getötet - zwei Tage vor den Anschlägen in den USA, die zu dem internationalen Militäreinsatz in Afghanistan führten.

11.04 Uhr: Merkel gibt Regierungserklärung im Bundestag zu Afghanistan ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will dem Bundestag in der kommenden Woche in einer Regierungserklärung Auskunft über die Afghanistan-Politik ihrer Regierung geben. Die Kanzlerin werde in der Sondersitzung des Bundestags am kommenden Mittwoch das Wort ergreifen, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Forderungen nach einer solchen Regierungserklärung waren in den vergangenen Tagen von Oppositionspolitikern erhoben worden. Sie werfen der Bundesregierung Versagen in der Afghanistan-Politik vor.

8.17 Uhr: Mütter werfen aus Angst Kinder in die Arme von Soldaten

Schreckliche Eindrücke aus einem Land am Rande des Zusammenbruchs: Wie die Zeitung „The Independent" berichtet, warfen verzweifelte Mütter am Kabuler Flughafen ihre Kinder über den Stacheldrahtzaun in Richtung britischer Fallschirmjähger.

Ein Offizier sagte gegenüber der Zeitung: „Die Mütter waren verzweifelt, sie wurden von den Taliban geschlagen. Sie schrien: 'Rette mein Baby' und warfen Babys auf uns. Einige fielen auf den Stacheldraht. Es war schrecklich, was passierte. Am Ende der Nacht gab es keinen einzigen Mann unter uns, der nicht geweint hat."

Wie so viele andere Szenen auch spielte sich diese am Kabuler Flughafen ab, dort, wo Tausende von Menschen versuchen, irgendwie in ein Flugzeug zu kommen. Sie wollen das Land verlassen, das von den Taliban in kürzester Zeit überrannt worden ist.

Ein anderer Soldat betont: „Wir sind hier nicht im Kampfeinsatz, also können wir diese Menschen nur schützen, indem wir sie so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone bringen."

Die Berichte, die aus dem Land nach außen dringen, sind erschütternd. Die Zeitung zitiert einen Mann, der davon erzählt, wie die Taliban mit ihm und seiner Frau umgegangen seien: „Ich war mit meiner Familie unterwegs, als einer der Taliban plötzlich wütend wurde über etwas, das meine Frau gesagt hat. Er hat angefangen, sie mit einem Stock zu schlagen. Ich bin verletzt worden als ich versucht habe, sie zu beschützen. Der Mann versuchte tatsächlich, um mich herumzureichen, um meine Frau zu schlagen. Es scheint, als würden sie es genießen, Frauen zu schlagen", erzählt der Afghane. Auch andere Menschen berichten von Schlägen und Erniedrigungen.

Laut Aussagen der Menschen vor Ort würden die Taliban zudem versuchen, Menschen von den Flughäfen fernzuhalten. Es gibt Berichte darüber, dass sie Ausweise zerreisen, um sie so von einer Ausreise abzuhalten.

Doch „The Independent“ weißt auch darauf hin, wie schwierig es ist, all die Erzählungen über die Gewalttaten der Taliban zu verifizieren. In ihrer ersten Pressekonferenz vor einigen Tagen gaben sich die Extremisten fast moderat, versprachen, dass es keine „Hexenjagt“ auf Menschen geben solle, die für die westlichen Kräfte gearbeitet hätten. Gleichzeitig sind aber viele überaus gewaltbereite Dschihadisten unter den Kämpfern. Sie sind besonders rund um den Flughafen Kabul zu sehen.

6.41 Uhr: Weitere Evakuierte landen in Frankfurt

Am Frankfurter Flughafen sind in der Nacht zum Donnerstag zwei weitere Maschinen mit insgesamt rund 500 Menschen gelandet, die aus Afghanistan in Sicherheit gebracht worden sind. Die Flugzeuge - eines von Lufthansa und eines von Uzbekistan Airways - waren wenige Stunden zuvor in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartet. An Bord der Lufthansa-Maschine waren nach Airline-Angaben rund 250 Menschen, die zuvor mit einer Bundeswehr-Maschine von Kabul nach Taschkent geflogen worden waren. Im Flieger der staatlichen Fluggesellschaft Uzbekistan Airways saßen laut Auskunft des Flughafenbetreibers etwa 240 Menschen.

Die Bundeswehr hatte in dieser Woche ihre Rettungsaktion für Deutsche und Afghanen begonnen, um sie nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Sicherheit zu bringen.

Mittwoch, 18. August

19.40 Uhr: Bundeswehr-General bricht Regeln für Evakuierung – „Wir fliegen weiter“

Nachdem es Kritik gab, weil der erste Bundeswehr-Transporter lediglich sieben Personen aus Kabul flog, ist der Evakuierungseinsatz der Luftwaffe nun voll angelaufen.

So teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mit, dass ein weiterer Transporter um 17.15 Uhr in Kabul gestartet sei. An Bord: 229 Menschen. Es war der fünfte Rettungsflug aus der afghanischen Hauptstadt. Somit sind nun über 600 Menschen aus den von den Taliban eroberten Land entkommen.

Dabei bricht die Bundeswehr offenbar Regeln, um die Menschen schneller retten zu können. Die Luftwaffe teilt auf Twitter zu dem Statement des Ministeriums mit: „Das können wir nur, weil der verantwortliche General bei uns alle Beschränkungen, wie Anzahl der mitzunehmenden Personen, Anschnallpflicht, Sitzplätze etc. für diesen Einsatz aufgehoben hat. Wir fliegen weiter.“

Auf dem Foto sieht man, dass der Transporter A400M voll besetzt ist. Kinder, Frauen und Männer sitzen auf dem Boden der Maschine und warten auf dem Abflug in die Sicherheit.

10.12 Uhr: Mehrere Bundesländer wollen Flüchtlinge aufnehmen

Nordrhein-Westfalen will nach Angaben von Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) mehrere Hundert Ortskräfte aus Afghanistan und deren Familien aufnehmen. „Wir haben bereits 800 Plätze für Ortskräfte, die evakuiert werden, sowie deren Familien, bereitgestellt“, sagte Stamp der „Rheinischen Post“. Das sei mit allen Beteiligten besprochen. „Wir sind zudem bereit, für diejenigen, die als Verbündete vor Ort geholfen haben, weitere Kapazitäten zur Verfügung zu stellen“, sagte der stellvertretende NRW-Ministerpräsident.

Auch Niedersachsen stellt für die Aufnahme afghanischer Ortskräfte und deren Familienangehörige mindestens 400 Unterbringungsplätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes bereit. Das teilte das niedersächsische Innenministerium am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit. Es liefen Gespräche zwischen Bund und Ländern zur weiteren Aufnahme afghanischer Ortskräfte. Das Land Niedersachsen werde sich daran weiter beteiligen, hieß es. Die Aufnahme soll kurzfristig zentral über die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen erfolgen.

Zuvor hatte auch Bremen angekündigt, bis zu 150 Unterbringungsplätze für afghanische Ortskräfte und deren Familien anzubieten. Die Hansestadt signalisiere dem Bundesinnenministerium seine Bereitschaft, kurzfristig Menschen aus Afghanistan aufzunehmen, hatte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) am Dienstag mitgeteilt.

8.43 Uhr: Mehrheit der Bürger befürchtet neue Flüchtlingsbewegung

Eine große Mehrheit der Bürger befürchtet laut einer Umfrage, dass angesichts der Entwicklung in Afghanistan erneut sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Knapp zwei Drittel (62,9 Prozent) sorgen sich vor einer Situation wie 2015, ergab die repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey für die „Augsburger Allgemeine“. Knapp ein Drittel (30 Prozent) sieht das anders. Der Rest ist unentschieden.

Vor allem AfD-Wähler gaben an, Sorgen vor einem Zustrom Geflüchteter zu haben. Anhänger von Union und FDP gaben immerhin noch zu rund drei Vierteln an, eine ähnliche Flüchtlingssituation wie vor sechs Jahren zu befürchten. Unter Grünen-Wählerinnen und -Wählern sehen das lediglich 38,8 Prozent so.

Der Migrationsforscher Steffen Angenendt von der Stiftung Wissenschaft und Politik hält Warnungen vor Flüchtlingszahlen wie 2015 und 2016 aber für überzogen, wie er der Deutschen Presse-Agentur gesagt hatte. In den beiden Jahren kamen mehr als 1,1 Millionen Asylsuchende nach Deutschland, viele von ihnen Syrer. Ihr Weg sei deutlich kürzer und damit weniger kostenintensiv gewesen, als es jetzt der der Afghanen wäre, hatte Angenendt erklärt.

6.43 Uhr: Flugzeug mit Evakuierten landet in Frankfurt

Die Evakuierung von Deutschen und afghanischen Ortskräften aus Kabul kommt auf Touren. In Frankfurt am Main landete am frühen Mittwochmorgen eine Lufthansa-Maschine mit rund 130 Evakuierten. In Kabul startete zudem am Dienstagabend ein dritter Evakuierungsflug mit 139 Menschen an Bord, wie Außenminister Heiko Maas (SPD) mitteilte. Die Maschine landete in der Nacht zum Mittwoch in Taschkent. Bereits am Dienstag waren in Berlin erste evakuierte Mitarbeiter der Botschaft in Kabul angekommen.

Die militant-islamistischen Taliban hatten Afghanistan in rasantem Tempo unter ihre Kontrolle gebracht und am Sonntag faktisch die Macht in dem Land übernommen. Viele Länder - darunter Deutschland - versuchen so schnell wie möglich eigene Landsleute und Afghanen auszufliegen, die etwa für die Streitkräfte anderer Staaten oder internationale Organisationen tätig waren und nun Racheaktionen der Taliban befürchten.

Erste evakuierte Mitarbeiter der Botschaft in Kabul waren nach dpa-Informationen bereits am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Flughafen Schönefeld gelandet. In der Nacht zu Montag waren sie unter den ersten 40 deutschen Staatsbürgern, die mit einem US-Flugzeug nach Doha im Golfemirat Katar ausgeflogen worden waren.

Den Entwurf für den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr will das Bundeskabinett am Mittwoch (9.30 Uhr) beschließen. In der kommenden Woche soll der Bundestag entscheiden. Da die Aktion bereits läuft und auf breite Zustimmung stößt, gelten beide Entscheidungen als Formsache - dennoch muss das Parlament einen solchen offiziell neuen Auslandseinsatz nach Ende des Nato-Mandats in dem Land billigen. Der Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sieht den Einsatz von bis zu 600 Soldaten bis spätestens 30. September vor. Die Zusatzausgaben für die Bundeswehr werden mit 40 Millionen Euro veranschlagt. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich rief in der „Westdeutschen Zeitung“ (Mittwoch) die anderen Fraktionen auf, „sich hier nicht zu verweigern“.

Dienstag, 17. August

22.15 Uhr: Heiko Maas verteidigt sich – „Würde diese Entscheidung nochmal so treffen“

Der schwer in die Kritik geratene Außenminister Heiko Maas verteidigt sich nun. Nachdem er am Montag Fehleinschätzungen der Lage in Afghanistan eingestand, sagte er auf einer Pressekonferenz am Montag, dass er erneut so entscheiden würde, wie in den vergangenen Tagen.

Maas zu den Journalisten: „So wie es gemeldet ist oder so wie es von ihnen dargestellt worden ist, ist es nicht richtig. Der Krisenstab der Bundesregierung hat am Freitag beschlossen, dass unsere Botschaft sich auf eine Evakuierung vorbereitet.“

Dies sei in Abstimmung mit den Botschaften anderer Länder passiert. Es sei „relativ eindeutig nachzuvollziehen, dass wir uns genau so verhalten haben wie andere Staaten mit ihren Botschaften und deshalb würde ich diese Entscheidung jederzeit auch nochmal genau so treffen.“

In den Tagesthemen wird die Rolle von Heiko Maas dagegen anders beurteilt. Von „Zwei Tage lang war das Auswärtige Amt über die Vorbereitung einer Evakuierung nicht hinausgekommen. Obwohl sie vor Ort dringend eingefordert wurde. Das nennt man Führungsversagen“, so der Redakteur Michael Götschenberg in einem Kommentar.

22.10 Uhr: Deutschland will 180 weitere Menschen herausholen, USA planen täglich bis zu 9000 Evakuierungen

Laut Außenminister Heiko Maas sollte die Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch 180 weitere Menschen aus Kabul in die usbekische Hauptstadt Taschkent bringen. Bislang hatte die Luftwaffe 132 Menschen dorthin ausgeflogen.

Von dort sollen sie mit gecharterten Lufthansa-Maschinen nach Deutschland gebracht werden. Laut Lufthansa sollte in der Nacht zum Mittwoch die erste Maschine in Deutschland ankommen.

Unterdessen wollen die USA bald in der Lage sein, pro Stunde ein Flugzeug starten zu lassen und damit täglich 5000 bis 9000 Menschen aus dem Land zu fliegen, wie ein Pentagon-Vertreter am Dienstag sagte. Insgesamt wollen die USA allein mehr als 30.000 Menschen in Sicherheit bringen.

18.25 Uhr: Taliban verkünden angebliche allgemeine Amnestie für Ortskräfte

Die Taliban haben nun durch einen Sprecher das Kriegsende und eine allgemeine Amnestie verkündet. Wollen die Taliban die Weltöffentlichkeit täuschen, um ihre Macht zunächst zu stabilisieren? Oder sind die Islamisten tatsächlich moderater geworden als bei ihrer letzten Regierungszeit bis 2001?

Die Amnestie gelte für Regierungsmitarbeiter, afghanische Soldaten sowie Ortskräfte der internationalen Truppen. Die Taliban wollten keine Rache, sagte der Sprecher der radikal-islamischen Gruppe, Sabiullah Mudschahid, am Dienstag in Kabul bei einer von Al-Dschasira übertragenen und übersetzten Pressekonferenz. Zudem könnten internationale Hilfsorganisationen ihre Arbeit in Afghanistan fortsetzen.

Bei der ersten Pressekonferenz seit der Machtübernahme der Taliban vor zwei Tagen versprach Mudschahid auch den Botschaftsmitarbeitern und der Bevölkerung Kabuls umfassende Sicherheit. „Wir werden niemanden verletzen.“ Übersetzer und Ortskräfte, die für ausländische Medien und Streitkräfte gearbeitet hatten, sollten im Land bleiben. „Wir haben eine gemeinsame Heimat, eine gemeinsame Religion“, sagte Mudschahid, der erstmals seit zwei Jahrzehnten bei einem öffentlichen Auftritt sein Gesicht zeigte.

Wie verlässlich die Versprechen sind, ist unklar. Zuletzt hatten sich Berichte über Menschenrechtsverbrechen in den von den Taliban kontrollierten Gebieten gehäuft. Am Flughafen von Kabul versammelten sich seit Sonntag Tausende verzweifelte Menschen, um außer Landes zu fliehen.

Mit Blick auf die Rechte von Frauen sagte Mudschahid, sie würden innerhalb des Rahmens der Scharia geachtet. Frauen und Mädchen dürften weiter studieren, arbeiten und am öffentlichen Leben teilnehmen, etwa im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Mudschahid versprach auch ein Ende des Opiumanbaus. Afghanistan werde eine drogenfreies Land werden, sagte er. Mit seinem Opiumanbau ist das Land der größte illegale Drogenproduzent der Welt.

18.10 Uhr: Bundesregierung friert 250 Millionen Euro Hilfsgelder für Afghanistan ein

Die Bundesregierung hat nach der Machtübernahme durch die Taliban neben der Entwicklungshilfe auch alle anderen staatlichen Hilfszahlungen ausgesetzt. „Was die Entwicklungshilfe angeht, aber genauso unsere Stabilisierungsmaßnahmen, haben wir diese Mittel jetzt erst einmal eingefroren“, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Krisenstabes der Bundesregierung. Man wolle sich zunächst die weitere Entwicklung in Afghanistan ansehen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Deutschland habe beim Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ausdrücklich erklärt, die Entwicklungshilfe für das Land nicht sofort einzustellen. Aber „unter den jetzt gegebenen Umständen (...) können wir keine Entwicklungshilfe machen“. Das habe Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) deutlich gemacht.

Afghanistan war bisher die Nummer eins unter den Empfängerländern deutscher Entwicklungshilfe. Für dieses Jahr waren 250 Millionen Euro veranschlagt. Davon ist aber noch kein Euro ausgezahlt worden. Daneben flossen bisher Gelder aus anderen Ressorts an Afghanistan, zum Beispiel für humanitäre Hilfe oder Polizeiausbildung. Insgesamt hatte Deutschland für dieses Jahr 430 Millionen Euro zugesagt.

18 Uhr: Afghanische Journalistin weint auf Nato-Pressekonferenz

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist bei einer Pressekonferenz unmittelbar mit der menschlichen Dimension des Afghanistanrückzugs konfrontiert worden. Unter Tränen fragte die aus Afghanistan stammende Journalistin Lailuma Sadid, wie es möglich gewesen sei, dass Mächte wie die USA und Europa es nicht geschafft hätten, das Land vor den Taliban zu beschützen und nun Tausende Frauen nicht wüssten, was die Zukunft für sie bedeute.

Sie rief zudem dazu auf, dass die Nato ein Emirat der Taliban nicht anerkennen dürften. Stoltenberg antwortete, er könne den Schmerz nachvollziehen, die Entscheidung den Einsatz in Afghanistan zu beenden, sei nicht leicht gewesen.

Auch in den USA zeigte sich eine Journalistin mit afghanischen Wurzeln emotional. Die Reporterin Nazira Karimi rang auf einer Pressekonferenz des Pentagon ebenfalls mit der Fassung. „Afghanische Frauen haben nicht erwartet, dass über Nacht alle Taliban kamen“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme. Außerdem äußerte sie ihre Wut über den geflohenen Präsidenten Aschraf Ghani.

mit dpa und AFP