Schweinekopf-Anschlag: Kadaver auf Moschee-Gelände verteilt

Unbekannte haben Schweineköpfe und weitere Tierreste auf dem Gelände der geplanten Moschee in Erfurt-Marbach verteilt.
Unbekannte haben Schweineköpfe und weitere Tierreste auf dem Gelände der geplanten Moschee in Erfurt-Marbach verteilt.
Foto: Mohammad Suleman Malik
  • Schweine-Kadaver auf Moschee-Gelände in Erfurt-Marbach gefunden
  • Staatschutz ermittelt und sucht Zeugen
  • Ahmadiyya-Gemeinde will weiter auf Dialog setzen

Unbekannte haben Schweineköpfe und weitere Tierreste auf dem Gelände der geplanten Moschee in Erfurt-Marbach verteilt. Wie der Sprecher der Ahamdiyya-Gemeinde, Mohammad Suleman Malik, sagte, fand er die Kadaverteile am Montagmorgen, als er auf dem Weg zu einem Gespräch war. Jetzt ermittelt auch der Staatschutz, die Polizei sucht Zeugen des Vorfalls.

Schweinekadaver auf Holzpfählen in Marbach

Nach den Worten Maliks wurden die Teile von Schweinekadavern auf neun Holzpfähle aufgespießt. Neben Köpfen seien auch Innereien verteilt worden, die zum Teil stark verwest waren. Am Vormittag sicherte die Polizei die Spuren. Mittlerweile wurden die Tierreste von einer Spezialfirma beseitigt.

Ahmadiyya: Reagieren nicht mit Wut, sondern Geduld

Der Ahmadiyya-Sprecher nannte die Attacke gegenüber Thüringen24 ein abscheuliches Verhalten. „Es geht einfach nicht, dass Minderheiten in einer zivilisierten Gesellschaft so angegriffen werden.“ Gleichzeitig verwies Malik darauf, dass die Gemeinde nicht mit Wut, sondern mit Geduld auf den Vorfall reagiere – und nannte den Propheten Mohammed als Vorbild dafür. Die Ahmadiyya sei weiterhin offen für den Dialog und stehe bei zahlreichen Veranstaltungen für Gespräche mit ihren Kritikern bereit.

Schweinekopf-Attacke auch schon in Leipzig

Schweine gelten im Islam als unheilig und werden von Muslimen nicht gegessen. Gegner nehmen diesen Umstand zum Anlass, um etwa mit aufgespießten Köpfen der Tiere ihre Ablehnung beziehungsweise ihren Hass auszudrücken. 2013 hatte es einen solchen Fall beispielsweise schon in Leipzig gegeben, wo die Ahmadiyya, wie jetzt in Erfurt, eine neue Moschee errichtete.

„Angriff auf das friedliche Miteinander“

Allerdings empfindet Malik nicht das Schweinefleisch an sich als Provokation. Immerhin, so sagt er, sei es Muslimen laut Koran erlaubt, es zu essen, wenn sie zu verhungern drohten. Das Tier werde von den Islam-Gegnern für ihre Botschaft missbraucht. Darin sieht der Ahmadiyya-Sprecher das eigentliche Problem: „Es ist ein Angriff auf zivilgesellschaftliche Verhaltensweisen und auf das friedliche Miteinander.“

Politisches Klima bereitet Boden

Der Boden für solche Attacken werde auch durch die Art der öffentlichen Diskussion bereitet. Die AfD sei zwar nicht für den Schweinekopf-Anschlag verantwortlich. Malik wünschte sich aber, dass auch aus dieser politischen Richtung Kritik an solchen Aktionen komme.

Kadaver in Erfurt-Marbach - Zeugen gesucht

Noch ist völlig unklar, wer die Tierkadaver auf dem Gelände in Marbach verteilt hat. Die Polizei bittet daher Zeugen um Hinweise. Hilfreich können dabei auch Angaben zu Personen sein, die Schweineköpfe gekauft haben. Telefonisch sind die Beamten unter der Nummer (0361) 74 43 14 65 zu erreichen.

Mehr zur geplanten Moschee in Erfurt-Marbach findet ihr unter dem Hashtag #Moschee.

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