Erfurt: Weltrekord-Versuch auf dem DDR-Klapprad – „Ich mache das nicht für mich“

1600 Runden wollte Jan (50) auf dem Klapprad zurücklegen. Am Ende sind es noch mehr geworden.
1600 Runden wollte Jan (50) auf dem Klapprad zurücklegen. Am Ende sind es noch mehr geworden.
Foto: Privat

Erfurt. Jan Hähnlein hat eine Mission: Er will Kinderdemenz bekämpfen, aufklären und Aufmerksamkeit schaffen. Dafür ist dem 50-Jährigen beinahe jedes Mittel recht.

Am Wochenende bewies der Erfurter, wie weit er an seine Grenzen gehen kann: In 24 Stunden radelte er mit einem DDR-Klapprad 1.659 Runden auf der Radrennbahn im Andreasried. Das entspricht unfassbaren 414,75 Kilometern. Mit seiner rekordverdächtigen Aktion sammelte er über 4000 Euro Spenden ein.

Zum Vergleich: Beim 24-Stunden-Radrennen am Nürburgring strampelte der Sieger knapp über 700 Kilometer – allerdings mit einer Profi-Ausrüstung.

Erfurter radelt 414,75 Kilometer auf Klapprad für den guten Zweck

Am Tag danach schmerzen die Knie etwas, aber „ansonsten geht es mir super“. Vielmehr habe Jan auf der Klapprad gelitten: „Meinen ersten Tiefpunkt hatte ich bei Kilometer 80, da ging nichts mehr. Mit 13 km/h bin ich dahingeschlichen.“ Doch aufgeben? Keine Option.

Der nächste Rückschlag folgte in den frühen Sonntagmorgenstunden. „Gegen 5 Uhr spürte ich, dass ich zu viel Magnesium zu mir genommen hatte. Meine Atmung ging flacher, der Margen schmerzte.“

Zum Ende muss er alle 100 Runden ein Pause einlegen. Seine Mutter versorgt ihn mit Obst und einen selbstgemachten Kuchen. Seine Lebensgefährtin Nicole reibt die geschundenen Gelenke und Muskeln mit Pferdesalbe ein.

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Sein selbstgestecktes Ziel von 1600 Runden übertrifft er deutlich, 59 Runden mehr werden es am Ende. Ob es zum Weltrekord reicht? Das prüft aktuell noch das Guiness Buch der Rekorde.

In der Radhalle feierten ihn bereits am Sonntag Freunde, Familie und Unterstützer, die teils etliche Kilometer mit ihm zurückgelegt hatten. „Es war ein mega Gefühl, als die Leute zum Schluss geklatscht haben“, freut sich der Erfurter.

Einen großen Dank richtet Jan auch an den Tüftler Eric Benkert, der gleich sechs Zweiräder zur Verfügung stellte.

Jans Lebensaufgabe: Mehr Aufmerksamkeit für Kinderdemenz

Kajak-Tour über die Gera bis nach Cuxhafen, Spendenmärsche über 100 Kilometer, mit dem Klapprad in 24 Stunden nach Berlin – Jan überlegt sich immer neue Aktion, um die seltene Krankheit Kinderdemenz bekannt zu machen. Die Gelder fließen auf direktem Wege auf das Spendenkonto der NCL-Stiftung. Wer will, kann jetzt noch hier spenden.

Die Kinderdemenz NCL ist eine kaum erforschte Stoffwechselerkrankung. Sie ist unheilbar, schreitet schnell voran und führt zu einem frühen Tod. „Betroffene Kinder erblinden, leiden unter Epilepsie und verlieren zunehmend ihre kognitiven und motorischen Fähigkeiten, bis sie – meist noch vor ihrem 30. Lebensjahr – versterben“, informiert die Stiftung.

Seitdem Jan einen Beitrag über die Krankheit im Fernsehen gesehen hat, ist das Spendesammeln für die Stiftung zur Lebensaufgabe geworden. „Ich mache das nicht für mich, ich mache das, um den Kindern eine Heilungschance zu geben“, stellt er klar. (mb)