Jena: Kurios! Was dieser Laden in der Stadt anbietet, ist kaum zu fassen

Thüringen: So schön ist das Bundesland

Thüringen: So schön ist das Bundesland

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Jena. Es ist wohl der Traum eines jeden Shopping-Fans: Einfach in ein Geschäft spazieren und mitnehmen was man möchte – ohne zu bezahlen.

Zu schön um wahr zu sein? Nicht in Jena. Dort gibt es genau so einen Laden.

Doch was ist die Idee hinter dem Geschäft in Jena? Thüringen24 hat mit Beate Jonscher gesprochen und es stellt sich raus, dass dahinter viel mehr steckt als nur einfache Konsum-Freude...

Jena: In diesem Laden musst du nichts bezahlen

Vielleicht kennst du das „UmsonstHaus“ in Jena? Hier gibt es alles kostenlos – von Büchern, Geschirr bis hin zu kleinen Elektrogeräten. Dein Portemonnaie brauchst du hier nicht.

Der Laden ist ein Projekt des Vereins „MobB“, also Menschen ohne bezahlte Beschäftigung. Beate Jonscher ist die Vorsitzende des Vereins. Doch was ist der Gedanke hinter dem Projekt? Thüringen24 hat diese Frage auch der 64-jährigen Vorsitzenden gestellt – und eine eindeutige Antwort bekommen. Denn die Idee ist simpel: Anti-Kapitalismus in Kombination mit ökologischen Aspekten. Kurz: „Dinge sind hier keine Waren mehr“, wie Beate Jonscher im Gespräch erklärt.

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Das ist die Stadt Jena:

  • zweitgrößte Stadt in Thüringen mit 111.343 Einwohnern
  • liegt an der Saale zwischen Muschelkalk und der Ilm-Saale-Platte
  • Sitz der Friedrich-Schiller-Universität, die 1558 gegründet wurde und die größte Uni in Thüringen ist
  • entwickelte sich ab 1874 zur Industriestadt
  • Sehenswürdigkeiten unter anderen: Saale, Zeiss-Planetarium, Leuchtenburg
  • Oberbürgermeister ist Thomas Nitzsche (FDP)

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„Dinge, die man nicht mehr braucht, aber die eigentlich zu schade zum wegwerfen sind, will man hier anderen Menschen zur Verfügung stellen“, erklärt die 64-Jährige weiter. Die gebrauchten Dinge seien ein Geschenk. Ganz wichtig dabei: Menschen sollen die Geschenke auch ohne schlechtes Gewissen annehmen können.

Ein Besuch im „UmsonstHaus“ in Jena: Wie läuft das ab?

In das „UmsonstHaus“ in Jena kann jeder gehen. Bedarfsausweise werden nicht kontrolliert – keiner muss hier finanziell blankziehen.

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Man kann was mitbringen, muss man aber nicht. Du kannst dir also einen Besuch so vorstellen: Du gehst in den Laden und nach einer netten Begrüßung der ehrenamtlichen Mitarbeiter kannst du dich umschauen. Was dir gefällt kannst du mitnehmen – hast du noch etwas dabei, kannst du es abgeben. Einzige Sache: „Die Mitarbeiter gucken dann immer, dass Leute nicht säckeweise das Zeug wegschleppen.“

Trotzdem bleibt der Grundsatz: „Es wird keine Gegenleistung erwartet“, ist es Beate Jonscher wichtig zu betonen.

Projekt aus Jena entstand aus Hartz4-Protesten

Der MobB-Verein ist 2005 im Zusammenhang mit den Protesten gegen Hartz4 gegründet worden. Gestartet wurde allerdings erst mit etwas anderem: „Das erste, was wir gemacht haben, war Hartz4-Beratung. Und nach und nach sind die anderen Projekte dazu gekommen.“

Eine Person hatte dann die Idee des Umsonstladens, ein kleiner Laden mit zwei Räumen. Doch mit der Flüchltingskrise 2016 stieg auch der Bedarf. Weil die Stadt eine zentrale Anlaufstelle forderte, zog der Umsonstladen also in eine Feuerwache – und es entstand das „UmsonstHaus“.

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In der alten Feuerwache ist das Geschäft jetzt allerdings nicht mehr „Das ganze Gebäude wird abgerissen“, erklärt die 64-Jährige im Gespräch. Jetzt findest du den Laden in der oberen Etage einer Druckerei. Zwar wurde der Laden räumlich wieder kleiner, doch der Name blieb. „Man kennt uns jetzt als UmsonstHaus, dann bleiben wir jetzt auch das UmsonstHaus – klingt auch irgendwie schöner“, lacht Beate Jonscher.

Jena: Wie finanziert sich ein Laden ohne Kasse?

Bleibt noch die Frage: Wie finanziert sich das Projekt? „Ladenmiete und andere Sachkosten bekommen wir von der Stadt“, erklärt Beate Jonscher. Denn der Laden ist mittlerweile ein Förderprojekt. Leicht war dieser Weg bis dahin nicht immer. „Wir haben Höhen und ziemlich viele Tiefen durchlebt, aber es ging immer wieder aufwärts“, so Jonscher weiter. Denn eingereichte Anträge sind von der Stadt Jena zu Beginn erstmal abgelehnt worden.

Doch seit 2016 arbeitet der Verein im Auftrag der Stadt und wird institutionell gefördert. „Wir stellen jedes Jahr einen Antrag bei der Stadt, der wird dann bewilligt und nach dem Jahr machen wir dann eine Abrechnung.“

Hier kannst du deine Spenden in Jena abgeben

Inzwischen sei das „UmsonstHaus“ recht bekannt – an Spenden mangele es dem Laden also nicht. Die Jenaer unterstützen das Projekt gerne.

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Willst du auch etwas spenden? Dann kannst du das Am Rahmen 11 in Jena machen. Wenn du in das UmsonstHaus reingehst, findest du am Anfang einen Tisch – und da kannst du deine Sachen ganz unkompliziert abgeben. Achte einfach nur darauf, dass deine abgegebenen Sachen in einem guten Zustand sind. (jko)