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Killer-Kreuzung „Fortuna“: Wie gefährlich ist sie wirklich?

Unfall auf der B92 bei Weida - Lkw begräbt Auto unter sich
Nach dem Unfall ist Thüringen geschockt: Bei einem Zusammenstoß an der sogenannten Fortuna-Kreuzung bei Weida sind am Montag (27.02.2017) zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein Autofahrer hatte dem Lkw die Vorfahrt genommen, woraufhin der Laster den Wagen in den Straßengraben schob und zerdrückte. Foto: Feuerwehr Weida
  • Heftiger Unfall an Fortuna-Kreuzung sorgt für Diskussion um Verkehrssicherheit
  • Ist die Kreuzung von B92 und B175 bei Weida ein Unfallschwerpunkt?
  • Polizei hält Kreisverkehr für sinnvoll
  • Die Bilder haben Thüringen schockiert: Ein silbergraues Auto liegt im Straßengraben, auf ihm steht ein Lkw, der den Wagen völlig zerdrückt. Zwei Menschen verlieren bei dem Horror-Crash an der sogenannten Fortuna-Kreuzung ihr Leben, der Fahrer des Lasters erleidet einen schweren Schock – nichts ist mehr, wie es nur wenige Sekunden vorher noch war.

    In den Tagen nach dem Unfall werden wieder Forderungen laut, mehr für die Sicherheit an der Kreuzung von B92 und B175 bei Weida im Landkreis Greiz zu tun. So wünschen sich beispielsweise Thüringen24-Leser in Facebook-Kommentaren einen Kreisverkehr oder eine Ampelregelung. Doch ist das überhaupt nötig oder sinnvoll?

    Tragisches Unglück bei Weida – Fotos von der Unfallstelle:

    Polizei: Kreuzung B92/B175 kein ausgesprochener Unfallschwerpunkt

    Die Antwort ist nicht leicht zu geben. Die Suche danach führt zunächst in die Archive der Landespolizeiinspektion (LPI) Gera. Die Beamten kommen zu einer – auf den ersten Blick – unerwarteten Erkenntnis: „Die Kreuzung B92/B175 (Fortuna) ist kein ausgesprochener Unfallschwerpunkt“, heißt es auf Anfrage. Tatsächlich sei sie im Vergleich zu ähnlichen Kreuzungen nicht auffälliger.

    Heftige Crashs an der Fortuna bleiben im Gedächtnis

    Aber: Wenn es einmal kracht, „dann sind die Sach- und Personenschäden beträchtlich hoch“, lautet das Fazit der Polizei. Es passieren hier also nicht außergewöhnlich viele, aber dafür besonders schwere Unfälle. Zusammenstöße wie der am Montag vergangener Woche bleiben der Öffentlichkeit stärker im Gedächtnis und so entsteht der statistisch nicht zu belegende Eindruck, dass es hier ständig knallt.

    Polizei für Kreisverkehr an B92 und B175

    Dennoch befürwortet die Polizei Gera den Bau eines Kreisverkehrs an der Fortuna-Kreuzung. Eine Ampel ist aus Sicht der Beamten dagegen weniger geeignet. Tatsächlich habe eine solche Anlage während der einjährigen Bauarbeiten zwischen 2014 und 2015 sogar zu einer „erheblichen Mehrung an Verkehrsunfällen“ geführt. Ein Kreisel könne dagegen die Zahl der Crashs senken oder zumindest für geringere Schäden sorgen. Diese Vorteile bietet ein Kreisverkehr nach Ansicht der LPI:

     
     
    • Geringeres Tempo bei der Anfahrt: weniger Staus, kürzere Wartezeiten, weniger Konfliktpunkte, Kollisionen fallen weniger heftig aus
    • Der Verkehrsablauf ist für alle übersichtlicher
    • Weniger Stop-and-go: Der Verkehrsfluss wird nicht so häufig unterbrochen, was auch besser für die Umwelt ist

    Kreisverkehr kommt nicht so bald

    Trotz dieser Argumente sieht man beim zuständigen Straßenbaumamt Ostthüringen keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Natürlich werde der heftige Unfall vom 27. Februar ausgewertet, berichtet der Leiter der Behörde, Ulrich Wenzlaff. Dennoch denkt man im Amt eher in längeren Zeiträumen: Bei Planungen für die Jahre bis 2030 oder 2035 könnte auch ein Kreisverkehr eine Rolle spielen. Aber dabei sei erst noch zu entscheiden, „ob der Aufwand gerechtfertigt ist“, sagt Wenzlaff.

    An der B92 gibt es Positiv-Beispiele

    Er verweist unter anderem auf die zentrale Verbindungsfunktion der B92 zwischen Greiz und Weida beziehungsweise Gera. Übersetzt heißt das: Den Straßenplanern ist daran gelegen, dass der Verkehr gerade auf dieser Bundesstraße möglichst durchgängig rollt. Die Polizei dagegen hebt hervor, dass es mit den Kreiseln in Gera-Röppisch, am Flugplatz Gera-Leumnitz und in Ronneburg durchaus Beispiele für „Leichtigkeit, Flüssigkeit und Sicherheit im Straßenverkehr trotz hohen Verkehrsaufkommens auf der Bundesstraße 92“ gebe.

    Fortuna-Kreuzung baulich in Ordnung

    Unabhängig von der Frage, ob ein Kreisverkehr an der Fortuna-Kreuzung nun sinnvoll ist oder nicht, sieht Ulrich Wenzlaff die Probleme schon jetzt nicht unbedingt in den baulichen Gegebenheiten. „Nach dem Unfall habe ich mir noch einmal selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht“, berichtet der Straßenbauamtsleiter. Es gebe ein Stoppschild, einen sogenannten Tropfen, der die Fahrbahn teilt und so die Kreuzung hervorhebt, ordnungsgemäße Abbiege-Radien der Kurven und ein ausreichendes Blickfeld – kurz: „Der Knotenpunkt entspricht dem Stand der Technik.“

    Unachtsamkeit als Hauptproblem

    Damit bleibt vor allem ein zentraler Unsicherheitsfaktor: der Mensch. Ein endgültiges Ermittlungsergebnis liegt zwar noch nicht vor, aber nach bisherigen Erkenntnissen reichte eine Unachtsamkeit für den schrecklichen Unfall der vergangenen Woche aus. Offenbar hatte der Autofahrer die Vorfahrt des Lkw nicht beachtet, woraufhin der Lastwagen nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, den Wagen in den Seitengraben schob und dort zerdrückte.

    Wenzlaffs Appell richtet sich daher an die Verkehrsteilnehmer, an Kreuzungen aufmerksam zu sein und sich auf den Vorfahrtstraßen – wie hier der B92 – an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten. „Denn bei menschlichem Versagen“, so der Straßenplaner, „haben wir nicht den gravierenden Einfluss.“