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Wildkatzendorf Hütscheroda bietet Besuchern große Neuerung: „Die Leute haben wahrscheinlich Angst“

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Besucher dürfen sich auf eine spannende Neuerung im Wildkatzendorf Hütscheroda freuen. Foto: Martin Schutt/dpa

In den Sommerferien noch nichts vor? Vielleicht lohnt sich ein Besuch im Wildkatzendorf Hütscheroda. Denn dort ziehen Ende Juli neue Bewohner ein.

Besucher können dann im Wildkatzendorfs Hütscheroda erstmals auch Luchse in einem neuen Gehege beobachten. Zu den Besonderheiten des naturnahen und etwa 4100 Quadratmeter großen Geheges zählt ein sogenannter „Beutesimulator“, wie der zuständige Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zum Montag mitteilte.

Das Gerät soll eine Art Fitnessprogramm für die Luchse sein, indem sie sich anstrengen müssen, um an ihr Stück Fleisch zu kommen. Luchse fressen bis zu eineinhalb Kilogramm Fleisch pro Tag. In freier Wildbahn ernähren sie sich hierzulande vor allem von Reh.

Wildkatzendorfs Hütscheroda bekommt neue Bewohner

Künftig sollen Luchskater „Looki“ und seine Artgenossin „Kaja“ durch das Gehege streifen. Zwar kamen die Tiere bereits Anfang Juli ins Gehege. Doch eine ungestörte Eingewöhnungszeit von mindestens drei Wochen sei wichtig, hieß es.

Sind die beiden Luchse in ihrer neuen Umgebung heimisch geworden, sollen Besucher bei kommentierten Fütterungen Wissenswertes über die Pinselohren erfahren. Für Gäste sind die Tiere dann ab dem 27. Juli zu sehen.

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„Die Leute haben wahrscheinlich Angst, genauso wie beim Wolf“

„Wir setzen uns dafür ein, dass sich der Luchs bei uns wieder ausbreiten kann“, sagte BUND-Thüringen Sprecherin Stephanie Haupt. Außerdem gehe es um Akzeptanzbildung: Luchse würden immer noch illegal getötet, obwohl sie streng geschützt sind.

„Die Leute haben wahrscheinlich Angst, genauso wie beim Wolf. Wir wollen dazu beitragen, dass er auf mehr Verständnis stößt bei den Menschen“, sagte Haupt.

„Das neue Luchsgehege ist ein wichtiger Baustein unseres Engagements für den Luchs in Thüringen: gemeinsam mit der neuen Ausstellung und einem umfassenden Fotofallen-Monitoring wird es zur Umweltbildung rund um das Pinselohr beitragen und uns wichtige Erkenntnisse über seine Wege liefern“, sagte Umweltstaatsekretär Olaf Möller.

Das Gesamtprojekt zum Luchs im Hainich wird vom Umweltministerium zu 90 Prozent und damit mit insgesamt 485 000 Euro aus EU-Mitteln.

Ein freilaufender Luchs bereits 2014 in Thüringen gesichtet

Der BUND hofft darauf, dass sich das Luchspaar fortpflanzen wird. Das Gehege befindet sich auf einem vorhandenen Waldgebiet und bietet für die Tiere Versteckmöglichkeiten.

„Einst waren sie in Thüringens Wäldern heimisch, zwischenzeitlich wurden sie durch Bejagung ausgerottet“, sagte Haupt. „Schon seit 2014 wissen wir, dass der Luchs im Hainich unterwegs ist, 2018 gelang sogar ein Foto“, sagte Manfred Großmann, Leiter des Nationalparks Hainich. Experten zufolge hat sich inzwischen möglicherweise ein Luchs im Thüringer Wald fest angesiedelt. (dpa/mb)