Heftige Kritik an Thüringer Polizei! Videos zeigen rabiate Szenen bei Corona-Demo in Kassel

Die Thüringer Polizei war während der Corona-Demo in Kassel im Einsatz. Danach gab es heftige Kritik!
Die Thüringer Polizei war während der Corona-Demo in Kassel im Einsatz. Danach gab es heftige Kritik!
Foto: IMAGO / U. J. Alexander

Erfurt/Kassel. Tausende Menschen haben am Samstag in Kassel (Hessen) gegen den Endlos-Lockdown und die Corona-Maßnahmen demonstriert. Um die Sicherheitskräfte vor Ort zu unterstützen, waren auch Polizisten aus Thüringen in Kassel im Einsatz.

Doch Videos zeigen: Die Polizisten aus Thüringen sind ziemlich heftig gegen Demonstranten vorgegangen! War DAS noch verhältnismäßig?

Polizei aus Thüringen massiv in der Kritik! „Einsatz wird kritisch nachbereitet“

Die Szene wirkt mehr als rabiat: Ein Thüringer Polizist drückt den Kopf einer Frau mit Wucht zu ihrem Fahrradlenker. Auch vorher waren Polizisten aggressiv mit der Fahrradfahrerin umgegangen, wie in einem Clip im Netz zu sehen ist. Dieses und andere Videos, die Polizisten im umstrittenen Umgang mit Gegendemonstranten bei einer Anti-Corona-Maßnahmen-Demo in Kassel zeigen, haben auch unter Thüringer Politikern zu Kopfschütteln und Unverständnis geführt.

Thüringens Innenminister Georg Maier kündigte Konsequenzen an. „Selbstverständlich wird der Einsatz kritisch nachbereitet. Auch mir stellen sich aufgrund der Bilder drängende Fragen. Ich werde nicht zögern, die Abgeordneten des Innenausschusses umfassend zu informieren“, schrieb der SPD-Politiker am Samstagabend auf Twitter. Der dpa sagte er am Sonntag, dass es zunächst um eine interne Aufarbeitung gehe. „Zu sehen sind nur kurze Sequenzen, keiner weiß, was vorher geschehen ist“, sagte Maier. Auch die Polizisten hätten das Recht sich dazu zu äußern.

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Maier betonte, dass aus seiner Sicht die Zuspitzung und Gewaltorientierung in Kassel von den Querdenkern und ähnlichen Teilnehmern ausging, die sich wenig um die Demonstrationsauflagen scherten. Mit Blick auf den gesamten Demoverlauf sagte er: „In der Außenwahrnehmung war es nicht optimal, dass in der Pandemie nicht mehr zu verhindern war – aber ich beurteile es auch aus der Distanz und kenne die Gründe nicht, weshalb die zuständige Polizei dort so gehandelt hat, wie sie es getan hat.“

Video zeigt rabiate Szenen

Neben dem Video mit dem Thüringer Polizisten und der Fahrradfahrerin, machten auch andere Aufnahmen von Samstag im Internet die Runde. Ein Clip zeigt, wie Polizisten gewaltsam gegen Gegendemonstranten vorgehen, die den Demonstrationszug mit Fahrrädern blockieren wollten. Zu sehen ist, wie die Uniformierten gegen die Räder treten, die Gegendemonstranten schubsen und einen auf den Boden werfen.

„Wahnsinn. Sagt mal, Polizei Thüringen, geht's noch?? Auf den Kopf einschlagen, das Gesicht aufs Fahrrad schlagen?“, schrieb etwa die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss bei Twitter. In einem weiteren Beitrag erklärte sie, dass eine Anfrage für den Landtag zum Thema „Polizeigewalt durch Thüringer Polizeibeamte am 20.03.2021 in Kassel“ fertig sei. „Hier liegt mindestens der Anfangsverdacht einer Körperverletzung im Amt vor“, so König-Preuss weiter.

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Polizei will Video auswerten – „Kritik nehmen wir ernst“

Die Polizei Thüringen hatte ebenfalls über den Kurznachrichtendienst reagiert: „Die aktuell auf Twitter kursierenden Videos, die Thüringer Beamte im Einsatz zeigen, haben wir zur Kenntnis genommen.“ Die Videos wie auch eigene Aufzeichnungen würden Teil der anschließenden Einsatzauswertung. „Kritik an der Einsatzführung, unseren Einsatzkräften und deren Vorgehensweise nehmen wir immer ernst.“

Eine Sprecherin des Thüringer Innenministeriums erklärte am Sonntag auf dpa-Anfrage, dass die Bereitschaftspolizei Thüringen bei dem Einsatz in Kassel der Polizeiführung in Hessen unterstellt gewesen sei. Deshalb erfolge die Untersuchung des polizeilichen Handelns von dort aus. Gegebenenfalls würden auch Straftaten werden nach dem Tatortprinzip behandelt werden.

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An der Demo am Samstag in Kassel nahmen nach Polizeischätzungen mehr als 20.000 Menschen teil. Dabei wurden massiv die gerichtlich bestätigten Auflagen der Stadt missachtet, die eigentlich nur 6000 Teilnehmer auf einem Doppelplatz in der Peripherie zugelassen hatte. (dpa)