Thüringen: Große Empörung! Radrennen durch Gedenkstätte Buchenwald – jetzt gehen die Veranstalter einen drastischen Schritt

Eine Radtour führt durch Thüringen. Das sorgt für Wut. (Symbolbild)
Eine Radtour führt durch Thüringen. Das sorgt für Wut. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Mario Stiehl

Große Wut in Thüringen! Durch den Freistaat führt Ende August die internationale Deutschland-Tour der Radprofis. Das sorgt für viele Diskussionen. Denn die Sportler sollen bei der zweiten Etappe nach der Darstellung der KZ-Gedenkstätte Buchenwald über das Gelände auf dem Ettersberg bei Weimar in Thüringen fahren.

„Buchenwald ist keine sportliche Herausforderung, sondern ein Ort des Gedenkens an die Opfer und der historischen Reflexion“, sagte Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner.

Thüringen: Veranstalter versteht Empörung nicht

Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über die Kritik an dem Verlauf des Radrennens in Thüringen berichtet. Der Zentralrat der Juden hatte sich ebenfalls eingeschaltet und etliche Gespräche mit dem Veranstalter geführt.

Der verteidigte jedoch den Streckenverlauf: Die Tour präsentiere die natürliche, kulturelle und historische Vielfalt der Republik. „Dass die Strecke in diesem Jahr an der Gedenkstätte vorbeiführt, entspricht diesem Anspruch.“

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Das ist das KZ Buchenwald in Thüringen:

  • Das KZ Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager in Deutschland
  • Es wurde von Juli 1937 bis April 1945 betrieben
  • Das KZ befindet sich auf dem Ettersberg bei Weimar
  • Etwa 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas waren dort
  • Die Zahl der Todesopfer wird auf rund 56.000 geschätzt
  • Am 11. April 1945 wurden die Menschen dort durch die US-Armee befreit

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Die Tour durch Thüringen führe außerdem über öffentliche Straßen. Die Strecke sei vor über einem Jahr geplant und behördlich besprochen worden.

Thüringen: Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinden kann Entscheidung nicht verstehen

Für Reinhard Schramm, Vorsitzender Jüdischen Landesgemeinden Thüringen unverständlich. „Die offensichtlich beabsichtigte Symbolik des Streckenverlaufes kann ich nicht nachvollziehen“, erklärte er gegenüber der „Thüringer Allgemeinen“.

Weiter führt er aus: „Wer auf diese Art und Weise die Vielfalt Deutschlands abbilden will, sollte sich vorher mit der Gedenkstätte und Opferverbänden besprechen. Dabei hätten die Verantwortlichen vielleicht sogar noch etwas gelernt über die wirkliche Bedeutung des Ortes.“

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Gespräche mit dem Veranstalter haben „immerhin erreichen können, dass eine in der Gedenkstätte geplante Bergwertung gestrichen wurde“, so Wagner. Trotz Kritik fahren die Radler aber doch durch die KZ-Gedenkstätte – es soll im Stillen passieren.

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Thüringen: Veranstalter äußert sich

Jetzt äußert sich der Veranstalter selbst zu den Vorwürfen. „Im Zuge der Planung war es unsere bewusste Entscheidung, die Strecke an der Gedenkstätte vorbeizuführen und aktiv zu erinnern. "Hingucken statt Weggucken" war unser Ansinnen – gerade an diesem wichtigen Ort und gerade bei weltweiter TV-Präsenz und jungen Athleten mit diversen persönlichen Hintergründen, die die Deutschland Tour zusammenbringt.

Dennoch soll der Streckenabschnitt umgeplant werden. Den Freistaat, die Stadt Weimar sowie die Gedenkstätte habe man über diesen Schritt bereits informiert. „Neben viel Zuspruch zeigt uns die aktuelle Diskussion jedoch, dass unser Anliegen einen Konflikt auslöst, den wir zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt haben“, heißt es in dem Statement weiter.

„Das bedauern wir sehr. Wir bedauern auch, dass wir das Gespräch mit der Gedenkstätte Buchenwald nicht noch früher gesucht haben. Seit Wochen befinden wir uns in konstruktiven Gesprächen mit der Gedenkstätte Buchenwald, die gestern auch öffentlich angekündigt hat, dieses Anliegen inhaltlich zu begleiten. Wir stehen zu unserer Zusage und werden die historischen Hintergründe, die die Gedenkstätte erstellt, auch mit geänderter Strecke weiterhin aktiv unterstützen und verbreiten.“

Das ist die Deutschland-Tour

Die Deutschland-Tour der Radprofis soll vom 26. bis 29. August von der Ostsee unter anderem über Thüringen nach Franken führen. Die Sportler fahren durch die sogenannte „Blutstraße“. Es ist eine von Häftlingen bis 1939 in Zwangsarbeit ausgebaute Zufahrtsstraße zum Lager. (ldi/dpa)