Thüringen: Nach umstrittener Kinderschuh-Aktion in Schleiz – Landrat distanziert sich: „In keiner Weise hinnehmbar“ ++ Eisenach zieht mit

Schleiz in Thüringen: Landrat Fügmann distanziert sich von Kinderschuh-Aktion. (Symbolbild)
Schleiz in Thüringen: Landrat Fügmann distanziert sich von Kinderschuh-Aktion. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Future Image
  • Landeselternvertretung weist auf Holocaust-Symbolik hin.
  • Landrat Fügmann distanziert sich von Kinderschuh-Aktion.
  • Arbeit an Öffnungskonzept für Kitas und Schulen läuft.

Schleiz. Geht das zu weit? Der Landrat des Saale-Orla-Kreises in Thüringen distanziert von einer umstrittenden Aktion. Am Donnerstag hatte er eigentlich noch Verständnis gezeigt.

Thomas Fügmann geht damit auf Kritik ein und geht auf Distanz. Es geht um den Kinderschuh-Protest vor dem Landratsamt in Schleiz. In mehreren Städten Thüringens hatte es so eine Aktion gegeben.

Thüringen: Kinderschuhe vorm Landratsamt im Schleiz

Dutzende Eltern hatten Kinderschuhe vors Amt in Schleiz gestellt, um damit auf die Situation ihrer Kinder aufmerksam zu machen, die wegen der Corona-Pandemie seit Wochen nicht mehr zur Schule oder in die Kita gehen können. Es ging den Eltern um Aufmerksamkeit fürs Öffnungskonzept von Schulen und Kitas.

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„Für diese Form des Protestes habe ich vollstes Verständnis“, hatte Landrat noch über die „stille Demonstration“, gesagt. Diese Aussage muss der Landrat nun ein Stück weit relativieren.

Denn die Landeselternvertretung in Thüringen sieht in der Kinderschuh-Aktion eineHolocaust-Symbolik“.

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Landeselternvertretung in Thüringen zieht Vergleich

„Die verwendete Symbolik der Kinderschuhe lehnen wir entschieden ab und distanzieren sich von den Protesten, die mit ihren Plakaten, Bannern oder eben ausgestellten Symbolen die aktuelle Notlage an unseren Kindereinrichtungen auch nur im Entferntesten mit dem Holocaust vergleichen. Wer Symbole verwendet, sollte wissen, was sie bedeuten“, so die Landeselternvertreter.

Hintergrund ist, dass gut erhaltene Kinderschuhe (und Kleidung) von unzähligen jüdischen Kindern, die in den faschistischen Konzentrationslagern ermordet wurden, ins Deutsche Reich geschickt wurden und die SS ein Geschäft daraus machte.

Nach der Befreiung der Konzentrationslager fand man Berge von Kinderschuhen, die nicht mehr verschickt werden konnten. „Dieses Gleichnis ist genauso geschmacklos und antisemitisch wie der Judenstern für Impfgegner“, hieß es etwa von der Jüdischen Gemeinde.

Thüringen: Landrat Fügmann geht auf Distanz

Hier positioniert sich Fügmann deutlich: „Mir war dieser Hintergrund nicht ansatzweise bewusst. Wenn die Symbolik wirklich absichtlich in diesen Zusammenhang gesetzt wurde, distanziere ich mich auf das Schärfste. Den organisierten Massenmord in Konzentrationslagern mit den aktuellen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie gleichzusetzen ist in keiner Weise hinnehmbar.“

Trotzdem sei er sich sicher, dass ein überwiegender Anteil der organisierenden und protestierenden Eltern nichts von dem Hintergrund der "Symbol-Aktion" wussten, da ähnliche Aktionen in mehreren Städten geplant waren.

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Nun ruft er die Eltern dazu auf, auf eine andere, coronafreundliche Protest-Aktion zurückzugreifen. Denn er könne den Standpunkt der Eltern nachvollziehen: „Ich habe volles Verständnis dafür, wenn man mit Teilen der Corona-Politik nicht einverstanden ist und natürlich darf man in einem Rechtsstaat auch seine Meinung dagegen äußern. Aber bitte in vernünftiger Art und Weise", erklärte der Landrat.

Außerdem erwähnte Fügmann, dass die Stadt bereits an Wegen arbeiten würde, um Normalität für die Kinderbetreuung und Schule nach Ostern zu bringen.

Auch in Eisenach haben Eltern am Samstag Kinderschuhe vor dem Eingang des Rathauses abgestellt. Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) äußerte Verständnis für die Eltern. „Uns sind die Kinder nicht egal, die schon so lange die Isolation ertragen müssen“, sagte sie einer Mitteilung zufolge. „Uns sind auch die Eltern nicht egal, die derzeit Unfassbares alleine stemmen müssen.“

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Da die Schuhe am Rathaus niemanden behinderten, sollten sie der Kommunalpolitikerin zufolge dort stehen bleiben. Wolf rief Kinder und Eltern zudem dazu auf, am kommenden Montag Bilder und Fotos mit ihren Wünschen und Problemen in der Pandemie am Zaun eines städtischen Kinder- und Jugendzentrums zu befestigen. (mbe/dpa)