Erfurt: Internationaler Doping-Skandal erschüttert Thüringen – Arzt soll Kopf des Netzwerks sein

Ein internationales Doping-Netzwerk ist zerschlagen worden. Ihr Kopf soll ein Sportmediziner aus Erfurt sein. (Symbolfoto)
Ein internationales Doping-Netzwerk ist zerschlagen worden. Ihr Kopf soll ein Sportmediziner aus Erfurt sein. (Symbolfoto)
Foto: dpa

Erfurt. "Operation Aderlass" haben die Ermittler ihren Einsatz genannt: Staatsanwaltschaften und Bundeskriminalamt haben am Mittwoch ein weltweit agierendes Doping-Netzwerk ausgehoben. Ihr Zentrum: Erfurt.

Internationales Doping-Netzwerk hat Zentrum in Erfurt

Aus der Thüringer Landeshauptstadt heraus sollen die Kriminellen über Jahre hinweg Blutdoping bei Spitzensportlern durchgeführt haben. Während die Athleten sich bessere Leistungen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen versprachen, kassierten die Mediziner illegale Honorare.

Doping-Verdacht: Razzien in Erfurt und bei Ski-WM in Seefeld

Über Monate hinweg wurde das Netzwerk observiert. Am Mittwoch schnappten die Ermittler nun zu: am Rande der Nordischen Ski-WM in Seefeld und in Erfurt.

Im Stadtteil Rieth soll der Kopf der Gruppe gesessen haben. Der 40-jährige Sportmediziner und ein gleichaltriger Komplize seien festgenommen worden, teilte das österreichische Bundeskriminalamt mit. Neben der Behörden sind auch Staatsanwaltschaften München und Innsbruck an den Ermittlungen beteiligt.

Doping-Razzia: Mehrere Durchsuchungen in Erfurt

Wie die Münchner Oberstaatsanwältin Anne Leiding sagte, seien am Mittwoch neun Objekte in Erfurt durchsucht worden, zwei weitere in Österreich. Neben den beiden Männer der Thüringer Landeshauptstadt wurden bei der Ski-WM in Seefeld auch fünf Sportler festgenommen – zwei österreichische, ein kasachischer und zwei estnische Spitzensportler, wie das BKA Österreich mitteilte.

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Ministerpräsident Bodo Ramelow: Das ist eine Katastrophe

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich von der Doping-Razzia in Erfurt erschüttert. "Ich bin schockiert und fassungslos", sagte er der Thüringer Allgemeinen. "Das ist eine ziemliche Katastrophe."

Schadet Doping-Skandal Thüringen?

Ramelow hofft auf eine rasche und umfangreiche Aufklärung der Vorwürfe. "Doping schadet dem Ansehen des Sports und dem Ansehen des Sportstandorts Thüringen", sagte der 63-Jährige. Vor allem mit Blick auf die regelmäßig in Thüringen stattfindenden Wintersport-Weltcups und die für 2023 geplante Biathlon-WM müssten alle Beteiligten die Ermittlungen "sehr ernst" nehmen.

Ramelow forderte mutmaßliche Betroffene auf, sich selbst bei der Polizei zu melden. "Ich appelliere an die Sportler, die von etwas wissen, dass sie reden oder gar Anzeige erstatten", sagte er.