Erfurt: Bäume sollen für die Buga weichen – Baumschützer sprechen von „ökologischem Verbrechen“

2021 kommt die Bundesgartenschau nach Erfurt. Nicht bei jedem löst das Freude aus.
2021 kommt die Bundesgartenschau nach Erfurt. Nicht bei jedem löst das Freude aus.
Foto: arifoto UG/dpa
  • Scharfe Kritik an Buga-Plänen in Erfurt
  • Baumschützer schlagen Alarm
  • Stadt sieht aber auch Chancen

Erfurt. Für die Bundesgartenschau (Buga) 2021 wird sich das Stadtbild in Erfurt maßgeblich verändern. Millionenprojekte sind geplant, überall wird gebaut – das stößt nicht immer auf Zustimmung. Bei einem geplanten Projekt der Buga gehen Erfurter nun in den Widerstand. Bäume sollen fallen und Grünflächen den Touristenattraktionen weichen. Die Widersacher erheben jetzt Forderungen.

Buga in Erfurt: Scharfe Kritik am geplanten Baumkronenpfad

Durch das Wäldchen auf dem Petersberg soll ein Pfad gebaut werden – der Bastionskronenpfad. Dieser Erlebnispfad, der nach Angaben der Stadt Erfurt sowohl durch Baumstämme als auch durch die Baumkronen des Waldes führen soll, soll bis zur Buga fertiggestellt sein und neue Touristen auf den Petersberg locken.

Besucher sollen so die ehemalige Bastion "Martin" am Lauentor so aus einer Höhe von drei bis 13 Metern erleben können. Dafür hagelt es seit längerem bereits scharfe Kritik.

Baumschützer schlagen Alarm: "ökologisches Verbrechen!"

Gegen die Pläne macht sich erheblicher Widerstand breit: Baumschützer rufen zu Protest gegen den Bastionskronenpfad auf. Die Initiative "Stadtbäume statt Leerräume" appelliert vor allem in den Sozialen Netzwerken an die Erfurter: "Aufwachen Leute: ein Wald definiert sich über eine geschlossene Kronenfläche. Wenn ihr durch das Wäldchen eine Schneise zieht, bleiben genau zwei Randstreifen übrig! Kein Wald!"

Podiumsdiskussionen, Unterschriftensammlungen und Demonstrationen wurden bereits angezettelt. Die Initiative will sich entschieden für alle Bäume in der Stadt einsetzen – nicht nur im Rahmen der Buga.

Der Bastionskronenpfad ist das beherrschende Thema zurzeit: Die Initiative will mit allen Mitteln verhindern, dass auf dem Petersberg die Kettensägen kreischen und nach deren Angaben rund 50 Bäume gefällt werden. "Das ist ein einziges ökologisches Verbrechen!"

In einem Katalog wurden 16 Forderungen aufgestellt. Unter anderem fordern die Baumschützer darin:

  • Baumpflanzungen und -schutz auf dem Petersberg
  • Alte Bäume besser schützen durch Baumerhalt vor Fällung
  • Jährliche Mindestbaumpflanzungen im Stadtgebiet
  • Transparenz über Baumfällungen und Pflanzungen
  • Schaffung von mehr bienenfreundlichen Grünflächen

Naturschutz: Stadt sieht in Baumkronenpfad auch Chancen

Die Stadt Erfurt sieht in dem Baumkronenpfad indes aber auch noch andere Potentiale. In einem Gespräch mit dem Leiter der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt, Eberhard Czekalla, heißt es, durch die Baumaßnahmen werde der Wald sogar geschützt.

Da man den Besuchern einen festen Weg ermögliche, würde man so verhindern, dass die Menschen kreuz und quer durch den Wald laufen. Zurzeit sei der Wald in keinem guten Zustand: Müll liege herum, und sogar Quadfahrer würden hier herumfahren. Durch den Pfad solle das Interesse der Menschen an den Bäumen und der Natur wieder geweckt werden.

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Laut der Stadt Erfurt müssen für den Bau des Bastionskronenpfades etwa zwei Dutzend Bäume fallen. Czekalla sagte dazu: "Ich kann nicht verstehen, dass Baumschutz nur darauf zielt, etwas Bestehendes zu erhalten. Bäume entwickeln sich, Natur entwickelt sich, und man muss immer die Bedingungen für diese Entwicklung auch für die Zukunft betrachten."

Stadt Erfurt lädt zum Austausch ein

Am kommenden Donnerstag, 18. Juli, lädt die Stadt Erfurt Kritiker und Befürworter zum öffentlichen Austausch ein. Los geht die Veranstaltung im Haus der sozialen Dienste (Juri-Gagarin-Ring 150) um 18 Uhr. Bei Facebook kannst du auch live mit dabei sein. (fno)