Thüringer Weihnachtsmärkte vor dem Aus: SIE wollen das unbedingt verhindern – „nicht nachvollziehbar“

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  • Weihnachtsmärkte sind im zweiten Winter der Corona-Pandemie zu einem Politikum geworden.
  • Bisher unter 2G-Regeln erlaubt, sollen sie mit der neuen Verordnung in Thüringen verboten sein.
  • Drei Städte hinterfragen das und legen Einspruch ein.

Erfurt/Weimar/Eisenach. Weihnachtsmärkte sind im zweiten Winter der Corona-Pandemie zu einem Politikum geworden. Bisher unter 2G-Regeln erlaubt, sollen sie mit der neuen Verordnung in Thüringen verboten sein.

Drei Thüringer Städte hinterfragen das – und legen Einspruch gegen den Weihnachtsmarkt-Beschluss ein.

Weihnachtsmarkt-Verbot in Thüringen erhitzt die Gemüter

„Frohes Fest!“ strahlt es in Leuchtschrift über den Platz, während ein Weihnachtshit des Jahres 1986 aus den Lautsprechern ertönt. Aber die Stimmung ist alles andere als feierlich und besinnlich. „Mir wird's schon wieder schlecht“, sagt eine Lebkuchenverkäuferin hinter der Theke voller Leckereien. Sie hat gerade erfahren, dass der erste auch der vorletzte Tag des Erfurter Weihnachtsmarktes sein könnte.

+++ Erfurter Weihnachtsmarkt: CDU zeigt sich „entsetzt“ – und ist damit nicht allein +++

Weihnachtsmärkte sollen in Thüringen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens untersagt sein. Eine entsprechende Verordnung soll am Mittwoch verkündet werden und gelten – „und dann müsste der Weihnachtsmarkt geschlossen werden“, sagte Gesundheitsministerin Heike Werner am Dienstag in Erfurt. >> Neue Regeln fix – keine Weihnachtsmärkte, Clubs dicht, Sperrstunde!

Aus für Thüringer Weihnachtsmärkte – „schweren Herzens“

Diese Entscheidung habe man „schweren Herzens“ getroffen. „Gerade weil nur noch wenige Weihnachtsmärkte geöffnet haben“, habe man sich aber für diesen Schritt entschieden, sagte Werner. Man wolle einen Tourismus etwa aus anderen Städten und Nachbarländern wie Sachsen vermeiden, wo die Märkte schon abgesagt wurden.

Dass Weihnachtsmärkte im Zuge verschärfter Corona-Maßnahmen in Thüringen nicht länger öffnen dürfen, wollen die Städte Erfurt, Weimar und Eisenach indes nicht hinnehmen. Geimpfte und Genesene können seit Montag in der Eisenacher Innenstadt über den Weihnachtsmarkt bummeln, seit Dienstag auch in Weimar und Erfurt - und so solle es auch bleiben, sagten die Oberbürgermeister der drei Städte.

Die Entscheidung, die Märkte zu verbieten, sei „nicht nachvollziehbar“ und von „Aktionismus getragen“. Nicht nur, dass der Glühwein sich unter freiem Himmel und Beachtung der 2G-Regel bei niedrigerem Infektionsrisiko trinken lasse. Auch müsse man bedenken, dass die Menschen sich in ihre privaten Räume zurückzögen, wenn ihnen das Angebot genommen werde.

Weihnachtsmarkt-Aus in Thüringen: Falsches Signal?

Es erschließe sich zudem nicht, warum etwa Weihnachtsfeiern in geschlossenen Räumen nach der neuen Verordnung weiter stattfinden könnten. Man gehe daher aktuell „die Möglichkeiten, die das Gesetz hergibt“, durch, um an der Planung, deren Umsetzung bis vor einer Woche zugesagt wurde, festhalten zu könne. Von Umbenennung bis Klage prüfe man aktuell alle Optionen. Denn ja, die Lage in Thüringen sei „definitiv alarmierend“. Für ein Ende der drei Weihnachtsmärkte gab es aber ein klares Nein der Kommunalpolitiker.

„Wir glauben, dass das Signal das falsche ist“, hieß es. Man habe die Weihnachtsmärkte mit Hygienekonzepten geplant. Eine Umsetzung für Geimpfte und Genesene - wenn nötig auch für negativ getestete Geimpfte und Genesene (2G plus) - sei weiterhin möglich. Erfurts Oberbürgermeister Bausewein ging sogar so weit, ein Ende am Mittwoch komplett auszuschließen.

Für diese Einstellung gab es auch viel Kritik und Unverständnis. Die Priorität müsse auf dem Schutz der Menschen liegen, nicht auf der Durchführung öffentlichkeitswirksamer Weihnachtsmärkte hieß es etwa aus dem Erfurter Stadtrat. Die Absage der Märkte durch die Landesregierung sei mit Blick auf die Krankenhäuser nachvollziehbar, sagte auch die Grünen-Fraktion im Landtag. Wichtig sei jetzt ein angemessener Verdienstausfall der Selbstständigen Buden-Betreiber.

Thüringer Schausteller sind fassungslos

„Wir Schausteller, aber auch die Marktkaufleute und Kunsthandwerker sind fassungslos“, heißt es in einer Mitteilung des Thüringer Verband reisender Schausteller mit Sitz in Erfurt. Er verwies drauf, dass Ansteckungen im Freien äußerst selten seien und Innenstadthändler Bratwürste, Fischbrötchen oder Glühwein auch weiterhin „to go“ aus dem Fenster verkaufen könnten.

Nach der Plackerei des Aufbaus werde mit der Absage unmittelbar vor Eröffnung von Märkten den Mitgliedern des Verband sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Der Verband reklamierte einen Anspruch auf Entlohnung bisher angefallener Arbeit auch von Mitarbeitern sowie eine 100-prozentige Umsatzentschädigung.

Neben der bereits angekündigten Verlängerung der Überbrückungshilfe bis einschließlich März 2022 und der Zusage, vergeblich eingekaufte Saisonwaren zu ersetzen, seien weitere Prüfungen nötig. Das gelte für die Erstattung für Fleisch-, Back- und Süßwaren sowie Getränke, die sich in den Lagern und Geschäften der Schausteller türmten.

Sollte der Weihnachtsmarkt schließen, sitzt auch die Erfurterin Steffi Hermann auf ihren Flammkuchen fest. Ihr kleines Büdchen abbauen will sie daher ungern. Darauf einstellen müsse man sich mittlerweile aber schon, sagt sie schulterzuckend.

Weihnachtsmarkt Thüringen: Erfurter Händler hoffen noch

So ganz akzeptieren will man die Absage aber auch auf dem Domplatz in Erfurt noch nicht. Die Stimmung der rund 500 Händlerinnen und Händlern auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt ist nach einem eher ruhigen ersten Tag mit rund 860 Gästen und vielen Fragezeichen am Mittag weiter hoffnungsvoll.

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„Die Leute sind bedrückt, aber ein Stückchen Hoffnung ist da“, sagt Thilo Kimeich von der Kerzenwerkstatt. Zwei Wochen hat er den Stand mit den kleinen handgemachten Geschenkideen aufgebaut. „Da ist schon ganz viel Arbeit reingeflossen.“ Die Schichtpläne für das neunköpfige Team mache er aktuell noch bis Ende der Woche. (dpa)