Corona in Erfurt: Händlerin verzweifelt – „unterliege quasi einem Berufsverbot“

Corona in Erfurt: Die Absage vieler Märkte trifft die Händler schwer.
Corona in Erfurt: Die Absage vieler Märkte trifft die Händler schwer.
Foto: IMAGO / Karina Hessland

Erfurt. Das Corona-Aus für den Weihnachtsmarkt in Erfurt bringt viele Händler an ihre finanziellen Grenzen.

Doch nicht nur der beliebteste Markt der Adventszeit musste wegen Corona abgesagt werden, sondern auch viele andere – wie etwa Kreativmärkte – in ganz Thüringen. Die Händlerin Anja Wukasch aus Erfurt sorgt sich jetzt wegen Corona um die finanzielle Existenz ihrer Familie.

Erfurt: Händlerin kann ihren Beruf kaum noch ausüben

„Ich war in früheren Jahren auf Kreativmärkten in der ganzen Bundesrepublik unterwegs“, erzählt Wukasch. Dort hat sie zahlreiche handgemachte Feuerblumen verkauft, ein immer wieder verwendbares Schwimmlicht. Über einen Docht aus Küchenpapier verbrennt es Speiseöl.

„Sie werden aus einem keramischen Material von Hand in Formen gegossen. Es handelt sich um ein selbst entwickeltes Material, das besonders leicht, stabil und sogar spülmaschinenfest ist“, betont die Händlerin die Vorteile ihrer Ware.

Seit Beginn der Pandemie verkauft sie deutlich weniger Exemplare der Stimmungslichter. „Da ich immer als Ein-Frau-Unternehmen unterwegs war, gibt es sonst keine Verkaufsstelle in Erfurt“, erzählt sie. Zwar betreibt sie auch einen Online-Shop, doch ohne Jahr- und Kreativmärkte ist es finanziell für viele fliegende Händler schwierig.

Hinzu kommt: „Meine Tochter und Mann sind Musiker. Die ganze Familie unterliegt also seit circa 19 Monaten quasi einem faktischen Berufsverbot“, sagt Anja.

Corona in Erfurt: Händler in der Stadt für Hilfe dankbar

In einer Erfurt-Gruppe bei Facebook darf sie Werbung für ihr kleines Geschäft machen. Sie sei „dankbar“ für die Möglichkeit, ihre Feuerblumen dort vorstellen zu dürfen. Und es lohnt sich: Bei vielen Erfurtern dort kommen die kleinen Kunstwerke gut an. „Sind bestellt. Vielen Dank für den Geschenke-Tipp“, kommentiert eine Erfurterin den Beitrag.

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Erfreuliche Resonanz. Doch in der Gruppe zeigt sich: Wie ihr geht es vielen Erfurter Händlern. Etliche nehmen das Angebot, ihre Waren in der Gruppe vorzustellen, an. Egal ob Glühwein, Würstchen oder Handgemachtes: Alle hoffen durch diese Möglichkeit auf den ein oder anderen Verkauf.

Corona in Erfurt: Lage für Händler kritisch – Verband stellt dringende Forderung

Doch die Lage der Händler bleibt kritisch. Das hatte zuletzt auch der Thüringer Verband reisender Schausteller mit Sitz in Erfurt angemahnt. Er fordert eine finanzielle Entschädigung für abgesagte Weihnachtsmärkte. „Wir Schausteller, aber auch die Marktkaufleute und Kunsthandwerker sind fassungslos“, heißt es in einer Mitteilung. Man ziehe den Verbandsmitgliedern mit den Absagen den Boden unter den Füßen weg.

Der Verband reklamierte einen Anspruch auf Entlohnung bisher angefallener Arbeit auch von Mitarbeitern sowie eine 100-prozentige Umsatzentschädigung. Kaum ein anderer Wirtschaftsbereich stehe so lange still. Finanzielle Probleme seien so vorprogrammiert: „Die Rücklagen für das Alter sind aufgebraucht, Lebensversicherungen gekündigt, Konten leer beziehungsweise überzogen“, erklärte der Verband. (vh mit dpa)