Jena: Spielplatz-Ärger entflammt – Eltern und Kinder erhalten Unterstützung von ganz oben

So sah es bereits im März in Jena aus. Leere, geschlossene Spielplätze. Das wiederholt sich jetzt. (Archivbild)
So sah es bereits im März in Jena aus. Leere, geschlossene Spielplätze. Das wiederholt sich jetzt. (Archivbild)
Foto: imago images/Christoph Worsch

Jena. Die Corona-Lage spitzt sich weiter zu. Ab Mittwoch geht Deutschland – und somit auch Thüringen – in den Lockdown. Der Freistaat hat dazu eine neue Allgemeinverfügung erlassen, auch Ausgangsbeschränkungen soll es geben.

Jena indes hat noch ein weiteres Verbot angekündigt. Und das sorgt nicht nur bei einigen Eltern, sondern auch bei Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) für Ärger.

Jena macht Spiel- und Bolzplätze dicht

In Jena gibt es aktuell 390 aktive Corona-Fälle. Allein in den letzten sieben Tagen hat es 235 neue Fälle gegeben. Damit liegt die 7-Tage-Inzidenz von Jena bei 216,7. Anlass genug für die Stadt, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen.

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Und deshalb hat die Stadt nun eine Entscheidung getroffen, die vor allem eine bestimmte Personengruppe trifft: Kinder. Denn Jena macht ab Mittwoch die öffentliche Spiel- und Bolzplätze der Stadt dicht. „Uns ist bewusst, dass diese Entscheidung viele Kinder traurig macht“, heißt es in einem Facebook-Post. Doch: „Es gilt aktuell aber jegliche Ansammlungen und Kontakte so gut es geht zu vermeiden. Selbst in der kälteren Jahreszeit kommen auf Spielplätzen aktuell noch zu viele Menschen zusammen.“

Spielplatz-Schließung in Jena: Prominente Unterstützung für Kinder

Umweltministerin Anja Siegesmund kritisiert die Ankündigung scharf: „Gerade jetzt ist es für Eltern wichtig, ihren Kindern das Toben auf Spielplätzen zu ermöglichen. Kinder brauchen Freiräume.“ Die Stadt konterte: „Auch wenn die Schließung von Spielplätzen ein harter Einschnitt bedeutet – die Stadt Jena handelt im Sinne der Gesundheit von Kindern und deren Eltern.“

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Eltern haben wenig Verständnis für die Entscheidung

Vor allem sei es nur konsequent zu vermeiden, dass Kinder und ihre Eltern sich auf Spielplätzen treffen würden, nachdem auch Schulen und Kitas dicht gemacht würden. Die Stadt hofft auf das Verständnis der Eltern. Doch so manch einem scheint diese Entscheidung sehr zu missfallen.

Vorausgegangen sei der Entscheidung übrigens, dass einige Bürger sich beschwert hätten, dass es am vergangenen Wochenende zu viele Menschenansammlungen auf Spielplätzen gegeben habe. Abstände seien nicht eingehalten worden, Sicherheitskräfte mussten eingreifen.

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So reagieren die Menschen aus Jena:

  • „Ich denke, die Muttis und Vatis werden ihren Kindern keiner Gefahr aussetzen. Pflichtbewusst, erziehen sie unsere Enkel. Wenn auf dem Spielplatz gerade nix los ist, spricht doch nichts dagegen, dass Kind kurz rutschen oder klettern zu lassen. Für Ansammlung jegliche Art, bin ich auch nicht“
  • „Das wird die Stadt noch zurückrudern müssen. Diese Regelung ist absolut unsinnig. Erst recht mit der Begründung, dass die Sandspielplätze geöffnet bleiben. Da werden wir eben neben dem Spielplatz auf der großen Wiese Ball spielen etc.“
  • „Geht der Wahnsinn wieder los... jetzt müssen die Kinder wieder darunter leiden das seit März keine andere Lösung erarbeitet wurde.. und die Kleinsten für evtl. Fehlverhalten der großen leiden müssen!“
  • „Also ich habe noch nie große Grüppchen auf Spielplätzen im Winter gesehen. Aber mal 20 Minuten rutschen oder klettern finden alle Kinder auch im Winter toll. Aber nicht, mit Förmchen im Sand zu spielen.“
  • „Und jetzt Spielplätze für Kinder sperren? An der frischen Luft? Damit sich die Eltern dann selbstständig gegen das Quengeln der Kinder daheim zu Spielgruppen verabreden, damit das eigene Leben nicht ganz irre wird? Lieber Krisenstab, mir fehlen da die Worte. Es muss sich keiner mehr wundern, wenn die Corona-Debatten immer öfter ins Pöbeln abdriften. Entscheidungen sollten nachvollzogen werden können - und bei dieser geht das nicht mehr. Und ich habe selbst nicht mal Kinder. Als ob Spielplätze Hotspots der Corona-Verbreitung wären.“

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Eine Alternative lässt die Stadt Jena den Eltern und Kindern aber doch: Die provisorischen Sandspielplätze, die bereits im Frühjahr errichtet wurden, bleiben weiterhin offen. „Wir bitten die Eltern, dass sie selbst bei ihren Kindern so gut es geht auf den Mindestabstand achten“, heißt es weiter.

Jena betont: „Inzidenzen über 200 müssen Alarmglocken erklingen lassen“

Der Stadt sei indes bewusst, dass die Entscheidung viele aufwühlt. Doch sie sei notwendig. „Kinder können, auch wenn sie meist keine Symptome entwickeln, Infizierungen mit dem SARS-CoV-2-Virus weitergeben. Es müssen alle Maßnahmen ergriffen werden, die es ermöglichen, die Arbeit der Gesundheitsbehörden aufrecht zu erhalten. 7-Tage-Inzidenzen über 200 müssen alle Alarmglocken erklingen lassen“, betont die Stadt.

Sobald die Inzidenz unter 200 fällt, werde der Krisenstab aber erneut über die strengen Maßnahmen diskutieren. (abr/dpa)