Thüringen: Genickbruch, Hirnblutung und Querschnittslähmung – so kämpft sich Louise (26) ins Leben zurück

Louise Reinhold hat eine Ausbildung zur Zahntechnikerin absolviert. Nach einem Motorradunfall hat ihr unter anderem die Begeisterung für das Handwerk Lebenswillen gegeben.
Louise Reinhold hat eine Ausbildung zur Zahntechnikerin absolviert. Nach einem Motorradunfall hat ihr unter anderem die Begeisterung für das Handwerk Lebenswillen gegeben.
Foto: privat

Eine junge Frau aus Thüringen bricht sich bei einem schweren Motorradunfall das Genick, das Becken und hat Hirnblutungen. Ihr wird gesagt, dass sie nie wieder laufen kann.

Doch Louise Reinhold (heute 26) aus Schüptitz in Thüringen will sich ihr Leben nicht von einem Unfall aus der Hand nehmen lassen. Und kämpft sich in eben dieses zurück.

Frau aus Thüringen überlebt nur knapp einen Motorradunfall

Im Mai 2016 passierte es: Nur wenige Stunden nach dem letzten Schultag in der Meisterschule, hat die Zahntechnikerin einen Motorradunfall, den sie schwer verletzt überlebt.

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„Ich habe mir das Genick und mein Becken gebrochen und hatte Hirnblutungen. Meinen Eltern wurde gesagt, dass ich nie wieder laufen werde und wahrscheinlich auf dem Stand eines Kindes bin“, erzählt die heute 26-Jährige. Dass sie überhaupt überlebt hat, grenze an ein Wunder, so die Ärzte.

Louise Reinhold will nicht nur überleben, sondern selbstständig leben

Nach dem ersten Schock beschließt Louise Reinhold, dass ein Leben im Rollstuhl und immer auf die Hilfe anderer angewiesen sein, nicht das ist, was sie sich vorgestellt hat.

Deswegen sagt sie der Querschnittslähmung den Kampf an.

In einer Spezialklinik in Bad Berka trainiert sie zusammen mit Ärzten und Therapeuten, erarbeitet sich das Gefühl für den eigenen Körper zurück. Sie kämpft sich aus dem Rollstuhl heraus, ihr linker Arm bleibt ein wenig eingeschränkt.

Nach dem Laufenlernen kommt der Meisterbrief

Doch sie will noch mehr. Obwohl ihr eine Umschulung nahe gelegt wird, möchte Louise Reinhold weiterhin ihren Meister als Zahntechnikerin machen. „Das Ziel, den Meister zu machen, hat mir auf dem Weg der Genesung geholfen“, sagt sie.

Doch das ist gar nicht so leicht. Denn um gute Ergebnisse zu erzielen, kommt es in dem Job auf jeden Millimeter an. Wer nicht präzise arbeitet, kann unter anderem Gleichgewichtsprobleme beim Kunden hervorrufen. Eine schwierige Aufgabe für jemanden, der seinen linken Arm nur eingeschränkt nutzen kann und dessen Nerven im Körper ein Leben lang strapaziert sein werden.

„Wenn ich es nicht probiert hätte, hätte ich mir ewig Vorwürfe gemacht. Es war und ist nicht einfach, weil mich häufig Nervenschmerzen plagen und mir auch einmal etwas aus der Hand fällt. Aber mit Hilfsmitteln und einem angepassten Arbeitsplatz funktioniert es“, sagt Louise Reinhold stolz.

Sie schafft das, woran kaum einer glauben wollte

Und dann schafft die 26-Jährige das, woran nach dem Unfall kaum einer glauben konnte: Sie macht ihren Meister und ist nun Zahntechnikerin.

„Dass ich den Titel jetzt habe, bedeutet mir extrem viel. Der Meisterbrief ist ein Beweis dafür, dass ich trotz der Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben führen kann.“

Nach den Strapazen der vergangenen Jahre will Louise Reinhold jetzt erst einmal zur Ruhe kommen. In Zukunft könnte sie sich aber vorstellen, sich als Ausbilderin zu engagieren – und junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, das ihr selbst viel Lebensmut geschenkt hat. (fb)