Warum ich!? Michael Tallai leidet auf dem Jakobsweg

Die unendlichen Weiten des Jakobswegs darf auch Michael Taillai genießen.
Die unendlichen Weiten des Jakobswegs darf auch Michael Taillai genießen.
Foto: Imago / Blickwinkel

Michael Tallai, Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen, zu der auch Thüringen24 gehört, hat seiner Frau zum Geburtstag eine Wanderung auf dem Jakobsweg in Spanien geschenkt. Das Problem ist, er mag Wandern gar nicht. Dies ist das Protokoll eines Leidensweges.

Jakobsweg, dritter Tag

Ich habe schlecht geschlafen. Ich habe geträumt, ich wäre gestorben, in der Hölle und muss bis in alle Ewigkeit in Badelatschen wandern. Am Wegesrand stehen kleine Teufelchen und piesacken mich mit den Spitzen ihrer Wanderstöcke. Ich bin dann panisch gegen 6 Uhr morgens aufgewacht und musste feststellen, dass die Schmerzen nicht von den Stichen der Teufelchen kommen, sondern von den Blasen an den Füßen. Wenn man um 6 Uhr morgens irgendwo in Spanien wach im Bett liegt, die Füße und eigentlich der Rest des Körpers auch schmerzen, dann stellt man sich die Sinnfrage: Warum ich? Warum hier? Warum wandern?

Jeder Tag ist schlimm

Weil meine Frau es sich gewünscht hat. Ich habe ihr gesagt, wenn du jemals wieder an meiner Liebe zweifelst, zeige ich dir meine Füße. Tiefe Löcher, Schwellungen, sinnlose Zerstörung. Meine Frau hat gesagt, der erste Tag auf dem Jakobsweg gehe noch. Der zweite auch. Dann werde es schlimm. Das ist natürlich Quatsch. Der erste Tag ist schlimm, der zweite Tag ist schlimm, der dritte Tag wird sicher auch schlimm.

Am zweiten Wander-Tag ging es von Portomarin nach Palas de Rei. Das sind etwa 26 Kilometer. Das Gemeine daran ist, dass es die ersten sieben Kilometer nur bergauf geht. Man startet in Portomarin im Tal und erklimmt dann einen Berg nach dem anderen. Nach den ersten sieben Kilometern wartet am Gipfel eine Herberge mit Essen und Trinken. Als ich dort ankomme, bin ich völlig fertig, schweißgebadet und habe mit dem Leben weitgehend abgeschlossen. Wenn meine Frau mich nicht abgehalten hätte, hätte ich mich auf die Straße gelegt und mich vom nächstbesten Lkw überfahren lassen. Teufel mit Wanderstöcken hin oder her.

Hat James Bond jemals wegen Blasen am Zeh gejammert?

Der Rest der Strecke ist weitgehend langweilig. Man läuft viele, viele Kilometer an Landstraßen entlang bis nach Palas de Rei. Das heißt Königspalast, allein ein König wurde hier wohl nie gesehen.

Meine Frau ist am Abend leicht genervt. Ich jammere zu viel, sagt sie. Abgesehen davon, dass Frauen und Männer ein gänzlich anderes Schmerzempfinden haben und ich somit sehr viel mehr als sie leide, hat sie Recht. Hat James Bond jemals wegen Blasen am Zeh gejammert? Rambo? Arnold? Tarzan? Eben. Kein Jammern mehr. Ich habe auf meinem Handy ein wenig Punk-Musik. Die macht aggressiv. Ich werde Punk-Musik hören und die Kilometer morgen niederwandern. Frei nach dem Mantra von Olli Kahn: weiter, immer weiter. Und dann hole ich auch den asthmatischen Rentner von gestern ein. Vielleicht.

Die bisherigen Etappen

Erster Teil: Anti-Pilgern auf dem Jakobsweg: Ich hasse Wandern!

Zweiter Teil: Liebes Tagebuch, auf dem Jakobsweg überholte mich heute ein Rentner mit Asthma

Der vierte Tag: Tallai im App-Stress: Der Jakobsweg ist wie eine Pokémon-Jagd

Der fünfte Tag: Notizen vom Jakobsweg: Wie ein offenherziger Amerikaner mir den Appetit vermieste

Sechster Tag: Tallais letzte Jakobsweg-Etappe: Notaufnahme und Taxi statt Triumphzug