Weimar: Nach feiger Tat in Buchenwald – Täter schlagen erneut zu

Vor wenigen Tagen haben Unbekannte in Weimar Bäume abgesägt, die an KZ-Opfer in Buchenwald gedenken sollen. Jetzt haben die Täter wieder zugeschlagen.
Vor wenigen Tagen haben Unbekannte in Weimar Bäume abgesägt, die an KZ-Opfer in Buchenwald gedenken sollen. Jetzt haben die Täter wieder zugeschlagen.
Foto: IMAGO / Jürgen Ritter/picture alliance/dpa | Bodo Schackow

Schöndorf. Es ist eine Tat, die nicht zu fassen ist: In Weimar haben Unbekannte schon wieder Bäume zerstört, die an die Opfer des Konzentrationslagers Buchenwald erinnern sollten. Eine aufmerksame Frau habe die Schäden entdeckt und der Polizei gemeldet.

Vor wenigen Tagen waren bereits an einer anderen Stelle in der Nähe der Gedenkstätte in Weimar sieben Erinnerungsbäume für KZ-Opfer von Unbekannten einfach abgesägt worden. Die Welle der Empörung ist groß.

Weimar: Umgeknickte Gedenkbäume – Staatsschutz ermittelt

Nahe dem ehemaligen NS-Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar sind erneut zur Erinnerung an KZ-Opfer gepflanzte Bäume beschädigt worden. Bei Schöndorf, einem nahe dem Lager gelegenen Ortsteil von Weimar, seien zwei Bäume umgeknickt worden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag der Deutschen Presseagentur.

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An drei weiteren Bäumen seien Rindenteile entfernt worden. Das Landeskriminalamt ermittle wegen politisch motivierter Sachbeschädigung, der Staatsschutz sei eingebunden. Die Beschädigungen waren am Samstagmorgen entdeckt worden. Es ist der zweite derartige Vorfall im Umfeld des ehemaligen Konzentrationslagers binnen weniger Tage.

Beschädigte Bäume stehen auf Route der „Todesmärsche“ in Weimar

Die Bäume gehören zu dem vom Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda koordinierten Gedenkprojekt „1000 Buchen“. Seit 1999 werden mithilfe privater Spender im Raum Weimar jährlich Bäume für KZ-Opfer gepflanzt. Zu vermuten sei, dass sich die Tat im Zeitraum seit dem vergangenen Montag ereignet habe. Am Montag seien die Bäume noch gegossen worden, da seien sie noch unbeschädigt gewesen, so die Geschäftsführerin des Lebenshilfe-Werks, Rola Zimmer.

Schöndorf liegt wenige Kilometer entfernt vom einstigen KZ. Die Stelle, an der die beschädigten Bäume gefunden wurden, ist Zimmer zufolge Teil einer Route der „Todesmärsche“ von KZ-Häftlingen. Der Begriff steht für die Räumung des Lagers, mit der die Nazis kurz vor dessen Befreiung Anfang April 1945 begonnen hatten. Tausende Häftlinge wurden in Richtung anderer Lager wie Flossenbürg und Dachau getrieben, viele überlebten nicht.

Abgesägte Erinnerungs-Bäume sorgen über Weimar hinaus für große Empörung

Die Tat nahe der Trasse der ehemaligen Buchenwaldbahn, mit der Menschen aus ganz Europa von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager gebracht worden waren, war am vergangenen Mittwoch bekannt geworden. Sie hat auch international für Empörung gesorgt. Auch diese Bäume waren Teil des Erinnerungsprojekts des Sozialverbands.

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Dieser habe seitdem viele Solidaritätsbekundungen erhalten, sagte Zimmer. Zahlreiche Menschen hätten erklärt, sich an Nachpflanzungen beteiligen zu wollen. Unter anderem Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und die Fußballclubs FC Schalke 04 und FC Carl Zeiss Jena hatten dies signalisiert. Geplant ist laut Lebenshilfe eine große Pflanzaktion im Herbst. „Bis dahin sehen wir, ob die beschädigten Bäume vielleicht wieder ausschlagen - das hätte ja auch Symbolkraft“, sagte Zimmer.

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Am 15. Juli 1937 waren die ersten Häftlinge in das Lager auf dem Ettersberg bei Weimar in Thüringen gekommen. Bis zur Befreiung durch US-Truppen im April 1945 verschleppten die Nazis 280.000 Menschen nach Buchenwald. Etwa 56.000 von ihnen wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten und medizinischen Experimenten. (dpa/jko)