Wie dieser Mann den Krisen-Club in Erfurt vor dem Ende retten will

Volker Reinhardt, Insolvenzverwalter beim FC Rot-Weiß Erfurt, plant eine Ausgliederung der Regionalliga-Mannschaft.
Volker Reinhardt, Insolvenzverwalter beim FC Rot-Weiß Erfurt, plant eine Ausgliederung der Regionalliga-Mannschaft.
  • Rot-Weiß Erfurt arbeitet an der Rettung des Vereins
  • Insolvenzverwalter bereitet Ausgliederung der ersten Mannschaft vor
  • Mitglieder entscheiden darüber nicht mit
  • Fans können aber vielleicht bald Aktien von Rot-Weiß Erfurt kaufen

Die Kuh ist noch nicht vom Eis, aber das rettende Ufer ein bisschen näher gerückt. Nach Ansicht von Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat sich die Situation beim krisengeplagten FC Rot-Weiß Erfurt etwas entspannt. Am Tag, nachdem mit Hilfe von Sponsoren eine Übergangslösung gefunden wurde, stellte Reinhardt nun seine Pläne für die langfristige Rettung von RWE vor.

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Rot-Weiß Erfurt: Ausgliederung der ersten Mannschaft

Die Ausgliederung des Spielbetriebs der ersten Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt steht für den Insolvenzverwalter dabei ganz oben auf der Agenda. «Eine mögliche Rechtsform wäre eine Kommanditgesellschaft auf Aktien», sagte Reinhardt am Donnerstag vor Journalisten in Erfurt. Dabei gebe es die Chance für Fans und Mitglieder des Vereins, sich neben Großsponsoren über Anteilscheine einzubringen. Über ein solches Modell könne die Finanzierung der Saison gesichert werden. Im Raum stehe aber auch die mögliche Gründung einer GmbH & Co KG. Die Gesellschaft solle schnellstmöglich aufgebaut werden, vielleicht noch in diesem Jahr.

Ausgliederung: RWE-Mitglieder entscheiden nicht mit

Weil Rot-Weiß im Insolvenzverfahren steckt, müssen nach Reinhardts Angaben die Mitglieder nicht gefragt werden, ob sie einer Ausgliederung zustimmen. Sie sollen aber eingebunden und umfassend informiert werden, verspricht der Insolvenzverwalter.

Fünf Investoren helfen Rot-Weiß bis Jahresende

Wie Reinhardt zudem noch einmal bestätigte, hat sich eine Investorengruppe von fünf Personen nach langen intensiven Gesprächen bereit erklärt, zunächst die im November bestehende Finanzlücke von 120.000 Euro zu schließen und auch den Spielbetrieb bis zum Ende des Jahres vorerst zu sichern.

RWE-Ehrenpräsident gibt Geld

Einer der Geldgeber ist Ehrenpräsident Klaus Neumann. Der Unternehmer soll 50.000 Euro zur Schließung der Finanzlücke beigetragen haben. Bereits im Jahr 1997 hatte Neumann den Verein nach einer Insolvenz vor dem kompletten Absturz bewahrt. Wer die anderen vier Geldgeber sind, wollte Reinhardt nicht sagen. «Wir haben absolute Verschwiegenheit vereinbart und so bin ich nicht berechtigt, Namen zu nennen», sagte Reinhardt. Es soll sich dem Vernehmen nach aber um den noch kommissarisch im Amt befindlichen Präsidenten Frank Nowak und den ehemaligen Aufsichtsratvorsitzenden Peter Kästner handeln.

Rot-Weiß will weiter sparen

«Wir sind für die Absicherung der restlichen Saison in guten Gesprächen mit weiteren Sponsoren, können aber keine Namen nennen, um die weiteren Verhandlungen nicht zu gefährden», informierte Reinhardt. Auch werde man versuchen, weitere Einsparungen vorzunehmen, will jedoch einen absoluten Kahlschlag vermeiden. «Damit wäre uns nicht geholfen, dann könnten wir gleich in die Oberliga absteigen.»

Insolvenzverwalter sieht keine Alternative zur Ausgliederung

«Wir haben uns damit auch Zeit gekauft, um die Ausgliederung des Profibereichs voranzutreiben», sagte Reinhardt. Die Ausgliederung sei der Schlüssel für den Fortbestand. Nur so könne man den Verein in einen sicheren Hafen führen, betonte der Insolvenzverwalter.

Saison läuft gut für Rot-Weiß

Rot-Weiß Erfurt war nach monatelangen Querelen in der Vereinsführung, der im Abstieg aus der 3. Liga gipfelnden sportlichen Krise und dramatischen finanziellen Problemen im März in die Insolvenz gegangen. Derzeit läuft es sportlich in der Regionalliga recht gut. Das Team von Trainer Thomas Brdaric rangiert gegenwärtig auf Platz vier und will am Freitag gegen den SV Babelsberg 03 den nächsten Sieg einfahren.

Erfurter Aufstieg ist nicht das Ziel

An einem Aufstieg in die 3. Liga schon in der kommenden Saison wäre Reinhardt wenig gelegen. Er sei der Überzeugung, dass die Erfurter sich erst einmal in der Regionalliga konsolidieren sollten.