Moschee in Erfurt soll "Kampfplatz" für Muslime sein

Der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser bei der Grunsteinlegung der Moschee in Erfurt-Marbach.
Der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser bei der Grunsteinlegung der Moschee in Erfurt-Marbach.
Foto: Michael Frömmert
  • Grundstein für Moschee in Erfurt wird gelegt
  • Baustart in Marbach von Protesten begleitet
  • Polizei im Großeinsatz

Erfurt. Sicherheitszone Erfurt-Marbach: Vor der Grundsteinlegung der neuen Moschee haben sich am Dienstag Demonstranten wie auch Befürworter an dem Areal im Nordwesten der Landeshauptstadt gesammelt. Ein Großaufgebot der Polizei war im Einsatz, zahlreiche Streifenwagen standen rund um das Gelände an der St.-Christophorus-Straße.

Bilder der Grundsteinlegung der Moschee in Erfurt-Marbach

Moschee in Erfurt als "Kampfplatz gegen den inneren Schweinehund"

Beim offiziellen Teil im Festzelt sprach der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, davon, dass die Moschee ein "Kampfplatz" sei. Anders als den Gegnern des Islam und des Neubaus in Erfurt gehe es den Muslimen hier nicht etwa um einen Kampf der Kulturen. Die Moschee sei stattdessen "ein Kampfplatz für das Ringen mit unserem inneren Schweinhund". Die Gläubigen wollten hier bessere Menschen werden, nicht gegen andere vorgehen. Die Ahmadiyya stehe für Liebe und Respekt.

Erfurter Ahmadiyya will weiter aufklären

Wagishauser verwies darauf, dass überall, wo Moscheen neu errichtet worden sind, auch schnell die Ängste der Einwohner verflogen seien. Deshalb wolle die Ahmadiyya weiter "aufklären, aufklären, aufklären". "Aufgeben ist für uns keine Option."

Umfrage zur Moschee in Erfurt:

Offizieller Baustart der Erfurter Moschee

Am Dienstagmittag hat offiziell der Bau an der neuen Moschee begonnen. Zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft, aber auch anderer Religionsgemeinschaften waren vor Ort. Gleichzeitig gingen Menschen für und gegen das Gotteshaus auf die Straße. Befürworter zeigten am Eingang des Areals Plakate mit den Aufschriften "Schöner leben ohne Nazis" oder "Lieber ohne Hass".

NPD unterstützt Protest in Erfurt Marbach

Befürworter und Gegner der Moschee versammeln sich in Marbach

Zunächst in deutlicher Entfernung, später in direkter Sichtweite, protestierten die Moschee-Gegner vor dem Moschee-Areal. Es kamen weniger Islamgegner als -befürworter nach Marbach. Auch Vertreter des Landesvorstandes der Thüringer NPD sollen nach eigenen Angaben den Protest unterstützen. Die Polizei sichert beide Lager ab, sodass sie nicht aufeinander trafen.

Die Atmosphäre war angespannt, jedoch relativ ruhig, hieß es von unserem Thüringen24-Reporter vor Ort. Neben dem Großaufgebot an Polizei und Angehörigen der Gemeinde waren auch etliche Medienvertreter anwesend.

Heftige Proteste gegen Moschee in Erfurt

Die neue Moschee in Erfurt ist umstritten. Im September war eine Gruppe teils maskierter Moschee-Gegner durch Marbach gezogen und hatte auch vor dem Privathaus der Grünen-Politikerin Astrid Rothe-Beinlich gehalten. Die Landtagsabgeordnete hatte sich bedroht gefühlt, sie war am Dienstag ebenfalls bei der Grundsteinlegung zu Gast. Im vergangenen Jahr hatten Gegner des Projekts in der Nähe des Baugeländes große Holzkreuze und Holzspieße mit Schweinekadavern aufgestellt.

Ahmadiyya baut erste Moschee in Thüringen

Bauherr der Moschee ist die Ahmadiyya-Gemeinde, die in Thüringen derzeit etwa 100 Mitglieder zählt. Der geplante Bau soll für die Religionsgemeinschaft die erste Moschee im Freistaat werden.