Corona in Thüringen: Keine freiwilligen Tests nach mehreren Infektionen an Schulen in Jena – Bürgermeister: „Macht mich fassungslos“

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Was sind eigentlich Corona-Varianten und warum werden sie mit griechischen Buchstaben bezeichnet.

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Erfurt. Die Corona-Infektionszahlen in Thüringen gehen weiter nach oben. Ab sofort gelten im Freistaat neue Quarantäne-Regeln.

Die aktuelle Corona-Entwicklung in Thüringen kannst du in unserem News-Blog nachlesen.

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Sonntag, 19. September

14.37 Uhr: Ab Dienstag auch in Jena keine Testangebote mehr an Schulen

Trotz Infektionsfällen an acht Schulen in Jena allein in den letzten Tagen der zweiwöchigen Testphase, lehnt das Thüringer Bildungsministerium die Fortsetzung zumindest eines freiwilligen Testangebotes in den Schulen ab.

Bürgermeister Christian Gerlitz sagt dazu: „Wir sind zutiefst enttäuscht über diese kurzsichtige Entscheidung gegen einen möglichst sicheren Schulbetrieb. Vor allem, dass die Ablehnung unserer Allgemeinverfügung einzig mit fehlenden Haushaltsmitteln begründet wird, macht mich fassungslos.“

Der Krisenstab der Stadt Jena hatte das Ministerium zum Ende der Woche um den Erlass einer Allgemeinverfügung gebeten, in dem die freiwilligen Testungen nicht erst ab Warnstufe 1 vorgesehen gewesen wäre. Für ein frühzeitiges Erkennen von Infektionsclustern – und damit einer Verhinderung des Eintrags der Infektionen in Familien und andere Bereiche – ist das Vorhalten eines niederschwelliges Testregime inzidenzunabhängig geboten. Infektionsschutzrechtlich und auch finanziell wird der Freistaat Thüringen in der Pflicht gesehen, ein derartiges Testangebot zu realisieren.

Am Dienstag wird der Jenaer Krisenstab darüber beraten, ob andere Möglichkeiten verbleiben, dem Auftrag des Jenaer Stadtrates folgend Testangebote in den Gemeinschaftseinrichtungen auch bei einer Ablehnung des Freistaates sicherzustellen. Mit dem Bildungsministerium soll es am Dienstag weitere Gespräche zum Thema geben.

13.53 Uhr: Impfen und Party zum Abschluss der Aktionswoche

Zum Abschluss der bundesweiten Impf-Aktionswoche sind in Thüringen auch bei Kulturveranstaltungen Dutzende Menschen geimpft worden. Bei einer Impfaktion mit DJs am Erfurter Zughafen habe sich schon vor Veranstaltungsbeginn eine lange Schlange gebildet, sagte Mitveranstalter Andreas Busch am Sonntag. Insgesamt 70 Menschen hätten sich impfen lassen und danach bis zum späten Samstagabend getanzt. „Darunter waren auch Leute, die anfangs skeptisch am Rand standen und sich erst mal informieren wollten.“

Auch beim Theaterfest in Rudolstadt haben sich nach Angaben von Sprecherin Friederike Lüdde am Samstag über ein Dutzend Menschen impfen lassen. „Viele, die zu uns kommen, sind normalerweise schon geimpft“, sagte sie. Während die Aktion in Rudolstadt nach Angaben von Lüdde einmalig war, kann sich Busch eine Wiederholung generell vorstellen. „Wir werden uns dazu noch mal mit der KVT unterhalten.“

Über die ganze Woche hatte die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) im Rahmen der bundesweiten Impfkampagne „#HierWirdGeimpft“ Impfaktionen im Freistaat geplant. Unter anderem sollte in Volkshochschulen oder Gemeinde- und Bürgerhäusern das Mittel von Johnson & Johnson geimpft werden. Am Sonntag stand obendrein ein erneuter Familienimpftag an allen Thüringer Impfstellen an. Eine Bilanz will die KVT im Nachgang ziehen.

Thüringen hinkt bei den Impfzahlen weiter bundesweit hinterher. Mit Stand vom Samstag waren 59,8 Prozent der Menschen im Freistaat einmal geimpft. Damit belegt Thüringen vor Sachsen den vorletzten Platz im Ländervergleich. Vollständig geimpft waren 57,6 Prozent, nur in Brandenburg und Sachsen war die Quote niedriger.

11.13 Uhr: Corona-Inzidenz in Thüringen gestiegen

Die Corona-Inzidenz ist in Thüringen leicht gestiegen. Am Sonntag lag die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100-000 Einwohner bei 54,9 (Vortag 51,6), wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Es wurden 163 neue Corona-Fälle gemeldet, aber kein neuer Todesfall. Bundesweit sank die Sieben-Tage-Inzidenz auf 70,5 von 72,0 am Vortag.

Der Großteil der Thüringer Landkreise und Städte lag am Sonntag über der Inzidenz-Schwelle von 35. Ausnahmen waren der Saale-Orla-Kreis (25,1), die Landkreise Nordhausen (27,9), Greiz (31,0) und Eichsfeld (32,2) sowie der Kyffhäuserkreis (32,6).

Wenn in einem Landkreis die Inzidenz drei Tage über 35 liegt und dort auch die Zahl der wöchentlichen Einweisungen ins Krankenhaus pro 100.000 Einwohner über vier liegt oder landesweit mehr als drei Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind, können weitere Einschränkungen gelten.

Samstag, 18. September

11.15 Uhr: Inzidenzen bewegen sich kaum

In Thüringen haben sich die Corona-Zahlen nicht wesentlich bewegt. Die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag am Samstag bei 51,6 (Vortag 52,2), wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Es kamen 151 weitere gemeldete Infektionen hinzu, aber kein weiterer Todesfall. Bundesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 72,0, nach 74,7 am Vortag.

Der Großteil der Thüringer Landkreise und Städte lag am Samstag über der Inzidenz-Schwelle von 35. Ausnahmen waren der Kyffhäuserkreis (15,0), der Saale-Orla-Kreis (23,9), sowie die Landkreise Nordhausen (24,3) und Greiz (30,0).

Wenn in einem Landkreis die Inzidenz drei Tage über 35 liegt und dort auch die Zahl der wöchentlichen Einweisungen ins Krankenhaus pro 100.000 Einwohner über vier liegt oder landesweit mehr als drei Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind, können weitere Einschränkungen gelten.

Freitag, 17. September

10.57 Uhr: Neue Corona-Verordnung für Thüringen

Nach Diskussionen über die Einführung eines 2G-Modells zum Beispiel für den Besuch von Clubs und Diskotheken ist in Thüringen eine neue Verordnung zunächst ohne derartige Regelungen verkündet worden. Sie soll am Sonntag in Kraft treten, wie aus dem online veröffentlichten Verordnungstext vom Freitag hervorgeht. Gelten soll sie demnach bis zum 17. Oktober. Allerdings wird erwartet, dass bereits bei der kommenden Kabinettssitzung am Dienstag erneut über die Einführung einer 2G-Regelung gesprochen werden soll.

Das 2G steht für „genesen“ und „geimpft“ und bedeutet, dass zu bestimmten Veranstaltungen oder in bestimmte Bereiche nur Menschen Zugang bekommen sollen, die entweder eine vollständige Corona-Impfung erhalten haben oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind.

Bisher gelten in Thüringen für bestimmte Lebensbereiche und in bestimmten Warnstufen die 3G-Regelung, wonach der Zutritt nicht nur geimpften und genesenen Menschen möglich ist, sondern auch Ungeimpften mit einem negativen Corona-Test.

10.24 Uhr: Corona-Inzidenz in Thüringen sinkt leicht

Die Corona-Inzidenz in Thüringen steigt weiter leicht an. Das Robert Koch-Institut bezifferte die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen am Freitag mit 52,2 (Vortag: 49,1). Bundesweit lag der Wert bei 74,7.

Die höchsten regionalen Werte haben in Thüringen derzeit der Landkreis Gotha mit 86,9, der Wartburgkreis mit 76,3 und der Landkreis Sonneberg mit 75,4. Eisenach registrierte laut RKI in den vergangenen sieben Tagen keinen einzigen Infektionsfall.

Insgesamt meldete das RKI für Thüringen 235 Neuinfektionen und keinen weiteren Todesfall.

Donnerstag, 16. September

17.20 Uhr: Kritik an Plänen von Bund und Ländern

In Thüringen sehen mehrere Landtagsfraktionen Pläne von Bund und Ländern kritisch, Ungeimpften künftig bei vermeidbarer Quarantäne keinen Verdienstausfall mehr zu zahlen.

„Es gibt noch zu viele Unschärfen, daher sehen wir das derzeit nicht als ein probates Mittel an“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Thüringer CDU-Fraktion, Christoph Zippel. Unter anderem sei die Frage noch nicht geklärt, wie man mit Menschen umgehe, die sich nicht impfen lassen dürften. Auch Datenschutzfragen gebe es, weil nicht jeder überhaupt offenlegen müsse, ob er geimpft sei.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Thüringer SPD-Fraktion, Cornelia Klisch, positionierte sich ebenfalls gegen die Idee. „Bei einer behördlich angeordneten Quarantäne müssen Beschäftigte entschädigt werden. Ob ein Beschäftigter geimpft ist oder nicht, darf dabei keine Rolle spielen“, erklärte Klisch.

Eine Streichung der Entschädigung würde Druck ausüben, argumentierte Klisch. Auch angesichts der Impfquoten in Thüringen sei ein solcher Schritt „zu früh“, wie sie sagte. Vielmehr müsse man noch mehr für Impfungen werben und niedrigschwellige Angebote machen.

In der Debatte geht es um Entschädigungen, die bisher geleistet werden, wenn Beschäftigte in vom Gesundheitsamt angeordnete Quarantäne müssen und dadurch Verdiensteinbußen erleiden. Bisher können auch Ungeimpfte mit dieser Entschädigung rechnen. Fraglich ist, ob das so bleibt.

Mittwoch, 15. September

19.01 Uhr: Eltern fordern schnelle Umsetzung der Quarantäne-Regeln

Die Thüringer Landeselternvertretung (LEV) hat eine schnelle Umsetzung der neuen Quarantäneregeln für Schüler bei den Gesundheitsämtern angemahnt. „Derzeit erreichen die LEV zahlreiche Anfragen von Eltern, die bei den Gesundheitsämtern vergeblich um eine Freitestung für ihre schulpflichtigen Kinder aus der Quarantäne bitten“, teilte die Landeselternvertretung am Mittwoch mit. Man fordere „schnellstens die Umsetzung des Quarantäneerlasses“.

Am Freitag trat in Thüringen ein Erlass in Kraft, nach dem eine Quarantäne unter bestimmten Voraussetzungen auf fünf Tage verkürzt werden kann, wenn ein negativer Corona-Test vorgelegt wird.

Nach Einschätzung der Landeselternvertretung wird diese Regelung aber noch nicht in allen Gesundheitsämtern umgesetzt. „Die Gesundheitsämter müssen überall reagieren“, forderte die LEV. „Schülerinnen und Schülern müssen Möglichkeiten zur Freitestung eingeräumt werden, um umgehend in die Schule zurückkehren zu können“, heißt es in einer Mitteilung.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sagte, er gehe davon aus, dass man einen Weg finden werde, „der für Schulen und für die Gesundheitsämter handhabbar ist“. Man sei dazu im Kontakt mit dem Gesundheitsministerium. „Ich gehe auch davon aus und hoffe, dass es sich bei Problemmeldungen aus bestimmten Regionen lediglich noch um Übergangsprobleme handelt, bis die neuen Richtlinien überall zum Tragen kommen.“

Zuständig ist das Gesundheitsministerium, das darauf hinwies, dass die Gesundheitsämter seit Beginn der Pandemie „unter Volllast“ arbeiteten. „Wenn die neuen Regelungen zur Verkürzung der Quarantäne noch nicht überall angewendet werden sollten, bieten wir der Landeselternvertretung gern an, dass sie uns über die konkreten Fälle informiert. Dazu haben wir mit der Landeselternvertretung Kontakt aufgenommen“, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Es müsse auch die Einschätzung des Amtsarztes vor Ort berücksichtigt werden.

11.04 Uhr: Weiterer Corona-Todesfall in Thüringen

Die Corona-Inzidenz in Thüringen steigt weiter. Die Zahl der Neuansteckungen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche lag am Mittwoch nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 48,6 (Vortag: 47,5). Bundesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 77,9. Die höchsten regionalen Werte haben in Thüringen derzeit der Landkreis Sonneberg mit 91,2 und der Wartburgkreis mit 75,4.

Von Dienstag auf Mittwoch gab es im Freistaat einen weiteren Todesfall in Zusammenhang mit Corona. Zudem wurden 260 Neuinfektionen gemeldet. Seit Beginn der Pandemie gab es damit in Thüringen 132 510 Corona-Fälle - 4400 Menschen starben mit oder an dem Virus.

(dpa/red)