Corona in Thüringen: „Regelungschaos“ im Freistaat? Dehoga hält Situation für „untragbar“

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Corona-Varianten: Wie entstehen Mutationen und was macht sie gefährlich?

Was sind eigentlich Corona-Varianten und warum werden sie mit griechischen Buchstaben bezeichnet.

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Erfurt. Die Corona-Situation im Freistaat will sich einfach nicht entspannen. Noch immer ist die Corona-Inzidenz in Thüringen die bundesweit Höchste. Jetzt hat die Hauptstadt Erfurt Maßnahmen ergriffen, ab Freitag tritt eine neue Allgemeinverfügung in Kraft.

Die aktuelle Corona-Entwicklung in Thüringen kannst du in unserem News-Blog nachlesen.

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Freitag, 15. Oktober

20.25 Uhr: Dehoga beklagt „Regelungschaos“

Auch mit Blick auf die Herbstferien hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Thüringen ein „Regelungschaos“ bei den Corona-Vorgaben für die Branche beklagt. Wenn in den Ferien besonders Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern verreisen wollten, seien für viele Betriebe die Regeln bei der Testpflicht nicht erfüllbar, kritisierte der Branchenverband am Freitag. Testzentren fehlten, die Kostenübernahme sei nicht geklärt, und Regelungen seien unklar.

„Das Regelungschaos und immer wieder Einschränkungen für unsere ohnehin gebeutelte Branche sind untragbar“, sagte Präsident Mark Kühnelt. Gerade in Regionen mit geringen Einwohnerzahlen seien die nächsten Warnstufen durch Sprünge bei den Inzidenzzahlen oder bei anderen Werten schnell erreicht. Bei der aktuellen Impfquote seien diese Grenzwerte höher anzusetzen, da nicht von einer Überlastung des Gesundheitssystems ausgegangen werden könne.

Wenn in einzelnen Landkreisen die nächsten Warnstufen nach dem Thüringer Frühwarnsystem erreicht wird, können diese mittels Allgemeinverfügungen strengere Corona-Vorgaben erlassen.

Nach eigenen Angaben hat der Dehoga eine erste Klage gegen die Allgemeinverfügung im Kreis Schmalkalden-Meiningen initiiert, die am Verwaltungsgericht eingereicht worden sei. Das Gericht war für eine Bestätigung zunächst nicht zu erreichen.

15.32 Uhr: Immer mehr gefälschte Impfpässe im Umlauf

In Thüringen sind offenbar immer mehr gefälschte Impfpässe im Umlauf. Entsprechende Hinweise hätten sich zuletzt gemehrt, teilten die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) und das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Vor allem die Zahl der Meldungen von Verdachtsfällen durch Apotheken sei zuletzt rapide gestiegen.

Eine genaue Zahl konnte eine Sprecherin auf Anfrage nicht nennen, sie bewege sich aber auf jeden Fall im zweistelligen Bereich. Erste rechtliche Schritte seien bereits eingeleitet worden. „Die kriminelle Energie, die hinter den Fälschungen steht, ist erschreckend. Wir werden alle Fälle, die uns bekannt werden, zur Strafanzeige bringen“, sagte KVT-Vorsitzende Annette Rommel.

Die Kenntnisse zu Fälschungen im Impfpass und von Impfstempeln hätten zuletzt ein besorgniserregendes Level erreicht, hieß es weiter. Die KVT wies darauf hin, dass sämtliche Stempel für Impfstellen und Impfzentren im Freistaat ausschließlich von ihr in Auftrag gegeben werden.

„Dieses Verhalten ist absolut verantwortungslos und bringt andere in Gefahr“, erklärte auch Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). Urkundenfälschung sei kein Kavaliersdelikt, merkte sie an. Der Straftatbestand kann in schweren Fällen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet werden.

6.30 Uhr: Erfurt führt 3G-Regel ein hier gelten die verschärften Maßnahmen

Ab Freitag gilt in Erfurt ein 3G-Modell für geschlossene Räume und Gaststätten, öffentliche Veranstaltungen und für geschlossene Räume von Sportstätten wie Schwimmhallen oder Fitnessstudios. Auch Saunen und touristische Übernachtungen unterliegen der 3G-Regel.

Demnach haben zu den genannten Einrichtungen oder Veranstaltungen nur noch Menschen Zutritt, die nachweislich genesen, geimpft und negativ getestet sind. Ein PCR-Test darf dabei nicht länger als 48 Stunden zurück liegen, Antigentests oder Schultestungen dürfen nicht älter 24 Stunden sein.

Unabhängig von der nun veröffentlichten Allgemeinverfügung gelten ab Freitag auch strengere Regeln in bestimmten Bereichen, die in der Corona-Verordnung des Landes festgelegt sind. So gilt 3G auch für köpernahe Dienstleistungen, sofern keine ausreichende Gesichtsmaske getragen werden kann – darüber hinaus gilt 3G auch bei Orchesterproben mit Blasinstrumenten, Chorproben, in Discos und Tanzclubs, in Bordellen, Swingerclubs und bei dem Besuch von Pflegeeinrichtungen.

Erfurt befindet sich seit einiger Zeit in der Corona-Warnstufe eins, zuletzt sind die Infektionszahlen in der Landeshauptstadt deutlich gestiegen (Inzidenz am Donnerstag: 123,5).

Donnerstag, 14. Oktober

9.55 Uhr: Thüringen weiter bundesweit höchste Inzidenz

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist weiter gestiegen. Das RKI meldete am Donnerstag 109,7 Neuinfektionen innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohner (Mittwoch: 103,7). Damit weist der Freistaat weiterhin die bundesweit höchste Inzidenz auf – deuschlandweit lag diese am Donnerstag bei 67.

In Thüringen gab es innerhalb eines Tages 537 Neuinfektionen und einen Todesfall.

Regional gibt es große Unterschiede. Die landesweit höchste Inzidenz unter den Landkreisen und kreisfreien Städten weist nach wie vor der Kyffhäuserkreis (209,5) aus. Am niedrigsten ist der Wert im Kreis Nordhausen (26,7).

Mittwoch, 13. Oktober

17.21 Uhr: Studierende können zweimal wöchentlich einen kostenlosen Schnelltest machen

Studierende in Thüringen sollen künftig zweimal die Woche einen kostenlosen Corona-Schnelltest machen können. Die Universitäten müssten die Tests aus den Zuweisungen des Landes bezahlen und auch Testangebote vor Ort organisieren, teilte das Wissenschaftsministerium am Mittwoch in Erfurt mit.

Das ergebe sich aus der Corona-Arbeitsschutzverordnung des Bundes in Verbindung mit den Vorschriften der gesetzlichen Unfallversicherungen. Staatliche Arbeitsschutzvorschriften seien auch auf Unfallversicherte anzuwenden, wie etwa Studierende, hieß es. Bislang hatte diese Pflicht zum Vorhalten von Tests nur für Uni-Beschäftigte gegolten.

Schon heute stellen etliche Hochschulen ihren Studierenden Möglichkeiten für Schnelltests zur Verfügung. Die Testkits müssen allerdings teils selbst gekauft werden. An der Universität Erfurt kostete das bislang einen Euro.

Die Universität Jena hatte bislang noch mit einem kleinen Testzentrum geplant, an dem etwa Tests für Studierende durchgeführt werden sollten, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Ein flächendeckendes Testzentrum war bislang nicht vorgesehen, erklärte eine Sprecherin.

6.11 Uhr: Diskussionen um mögliche 2G-Pflicht

Trotz steigender Corona-Inzidenzen haben sich mehrere Landtagsfraktionen zunächst gegen eine verpflichtende 2G-Regelung in bestimmten Bereichen ausgesprochen. „Jemand, der getestet ist, ist ja zunächst mal keine Gefahr für seine Umwelt“, sagte die SPD-Gesundheitspolitikerin Cornelia Klisch der Deutschen Presse-Agentur. 2G könne den Impfdruck erhöhen, sie sei aber dafür, zunächst noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

Der CDU-Abgeordnete Thadäus König sprach sich für eine Erweiterung des 2G-Modells auf Gaststätten und Hotels aus - als Möglichkeit, aber nicht als Pflicht. „Wir sollten vielmehr an der Impfkampagne arbeiten, dass sich viel mehr Menschen impfen lassen.“ Er rechne damit, dass sich ohnehin viele Veranstalter für das 2G-Modell entscheiden werden, weil die erforderlichen Tests 3G-Plus zu teuer und aufwendig seien.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hatte vergangene Woche eine 2G-Pflicht unter bestimmten Voraussetzungen nicht gänzlich ausgeschlossen - als eine Art Ultima Ratio (letztes Mittel), um Schließungen zu verhindern. „Es kann aber schon sein, dass bei hohen Infektionszahlen man noch höhere Einschränkungen vornehmen muss, das kann dann unter Umständen auch ein 2G-Modell sein“, sagte Werner. Sie ergänzte: „Streng vorgeschrieben für alle Bereiche, das wäre dann der Fall, wenn wir sehen, dass die Pandemie so stark das Gesundheitssystem belastet, dass eben keine andere Maßnahme an der Stelle mehr ausreichend wäre.“

Die Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Landesregierung, Petra Dickmann, bekräftigte Werners Position und argumentierte zudem, dass mit 2G ein starker Impfanreiz gesetzt werden könne. „Es ist natürlich sinnvoll, die Impfquote zu steigern, mit allen Möglichkeiten - auch niedrigschwelligen Angeboten - und dann auch bestimmte soziale Bereiche tatsächlich nur für Geimpfte zugänglich zu machen“, sagte Dickmann. Der Weg aus der Pandemie führe nur über Impfungen.

Dienstag, 12. Oktober

08.45 Uhr: Inzidenz in Thüringen steigt kontinuierlich an

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Thüringen nähert sich der 100er Marke an. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Dienstagmorgen 97,1 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche, am Tag zuvor waren es noch 96,1 (Sieben-Tage-Inzidenz). Damit bleibt der Freistaat nach Bremen weiterhin das Bundesland mit der höchsten Corona-Inzidenz. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz betrug am Dienstag 65,8.

Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter im Freistaat 252 Neuinfektionen sowie vier Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Regional gibt es große Unterschiede.

Die thüringenweit höchste Inzidenz unter den Landkreisen und kreisfreien Städten wies der Kyffhäuserkreis (187,7) aus. Am niedrigsten war der Wert unverändert im Kreis Sonneberg (26,3).

Montag, 11. Oktober

20.20 Uhr: Hohe Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen

Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren sind derzeit in Thüringen am stärksten von Corona-Neuinfektionen betroffen. Das geht aus einer Übersicht des Thüringer Gesundheitsministeriums vom Montag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach lag die Sieben-Tage-Inzidenz in dieser Altersgruppe bei 290,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche. Zum Vergleich: über alle Altersgruppen hinweg lag die Inzidenz am Montag bei 96,1. Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es derzeit noch keinen zugelassenen Corona-Impfstoff.

Auch in der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen ist die Inzidenz höher als im Gesamtdurchschnitt. Sie lag am Montag bei 126,8. Am geringsten war die Inzidenz mit 36,1 bei den 60- bis 79-Jährigen.

11.57 Uhr: Inzidenzen sinken leicht im Freistaat

In Thüringen bleibt die Corona-Inzidenz trotz eines leichten Rückgangs weiter hoch. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Montagmorgen 96,1 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche (Sieben-Tage-Inzidenz). Am Sonntag lag der Wert noch bei 97,4. Damit bleibt der Freistaat nach Bremen weiterhin das Bundesland mit der höchsten Corona-Inzidenz. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz betrug am Montag 66,5.

Von Sonntag auf Montag meldeten die Gesundheitsämter in Thüringen 46 Neuinfektionen. Regional gibt es große Unterschiede. Die thüringenweit höchste Inzidenz unter den Landkreisen und kreisfreien Städten wies der Kyffhäuserkreis (180,9) aus. Am niedrigsten war der Wert im Kreis Sonneberg (26,3).

09.59 Uhr: Impfstellen haben sich laut Hausärzteverband überholt

Der Thüringer Hausärzteverband hält den Weiterbetrieb der meisten Corona-Impfstellen für nicht mehr erforderlich. „Die Impfstellen haben sich eigentlich überholt“, sagte Verbandschef Ulf Zitterbart der Deutschen Presse-Agentur. „Die Corona-Impfungen gehören jetzt in die Regelversorgung, also in die Arztpraxen, da sind sie gut untergebracht.“

Immerhin seien die meisten Menschen, die die Impfung unbedingt gewollt hätten, inzwischen damit versorgt. Weiter bestehen bleiben könnten die zentralen Anlaufstellen aber da, wo noch mehr als 100 Menschen pro Tag gespritzt würden. „Da wäre das sinnvoll.“

Während andere Bundesländer ihre großen Impfzentren Ende September geschlossen haben, sind die seit Jahresbeginn landesweit eröffneten 29 regionalen Impfstellen in Thüringen vorerst weiter in Betrieb. Nur die Impfstellen in Eisenberg (Saale-Holzland-Kreis) und Blankenhain (Weimarer Land) sollen wegen zu geringer Auslastung Ende Oktober den Betrieb einstellen. Von den zusätzlich eingerichteten vier größeren Zentren sind drei schon geschlossen - das letzte folgt laut Gesundheitsministerium ebenfalls Ende Oktober.

Nach einer Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung hatten die Impfstellen am 10. Mai die meiste Arbeit. Rund 10.700 Spritzen sind bislang Tagesrekord in Thüringen. Damals wurde überwiegend nur mit Terminvereinbarung geimpft. Zu Samstagsimpfungen ohne Termin kamen etwa im September immerhin jeweils bis zu knapp 4000 Menschen. Am 6. Oktober, einem Werktag, schwankte die Zahl der für diesen Tag vereinbarten Impftermine laut KV zwischen 10 (Schmalkalden) und 152 (Gera).

Das Gesundheitsministerium hat den Weiterbetrieb der meisten Einrichtungen bis zum Jahresende unter anderem mit den Auffrischungsimpfungen begründet. Es nennt als Argument auch die mögliche Zulassung eines Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahre, wobei unklar sei, wie sich in diesem Fall die Nachfrage entwickle. Es hält flächendeckende Schließungen von Impfstellen auch grundsätzlich für ein falsches Signal.

Die Impfstellen in Thüringen haben Krankenversicherungen und Steuerzahler laut Ministerium bis Juli fast 42 Millionen Euro gekostet. Davon entfallen knapp 31 Millionen Euro auf Personalkosten - zum Beispiel Ärztehonorare, die Bezahlung von Sicherheitsdiensten und 11 Millionen Euro für Sachkosten, etwa Raummieten.

Sonntag, 10. Oktober

9.53 Uhr: Stimmt die Impfquote in Thüringen?

Trotz Zweifel des Robert Koch-Instituts (RKI) an den niedrigen Impfquoten in Deutschland hält Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) die Zahlen für den Freistaat für realistisch. „Ich glaube, für Thüringen ist das kein so großes Problem, weil wir ganz viel über die Impfzentren, die Arztpraxen und die mobilen Teams geimpft haben - und diese Daten sind alle beim RKI angekommen“, sagte Werner der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor hatte das Robert Koch-Institut bekannt gegeben, dass in Deutschland möglicherweise mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft sind als in den veröffentlichten Zahlen ausgewiesen.

Werner sagte, es habe eine Zeit gegeben, in der bestimmte Daten möglicherweise nicht vollständig an das RKI gegeben worden sind. „Das war insbesondere in der Zeit, als die Betriebsarztimpfungen begonnen haben“, sagte Werner. In Thüringen wurde jedoch nur sehr wenig über Betriebsärzte geimpft, daher gehe sie davon aus, dass die Auswirkungen der Ungenauigkeiten im Freistaat eher gering sind.

Samstag, 9. Oktober

10.23 Uhr: Thüringen mit zweithöchster Corona-Inzidenz bundesweit

Thüringen weist unter den Bundesländern die zweithöchste Corona-Inzidenz auf. Das Robert Koch-Institut gibt den Sieben-Tage-Wert bei Neuinfektionen je 100.000 Einwohner mit 91,9 an. Nur Bremen war mit einer Inzidenz von 103,1 noch stärker betroffen.

Thüringen hatte bereits in den vergangenen Tagen zu den drei Bundesländern mit der höchsten Inzidenz gehört und verdrängte am Samstag das angrenzende Bayern (89,9) auf Platz 3. Bundesweit wurde die Inzidenz mit 64,4 angegeben.

In den vergangenen sieben Tagen gab es in Thüringen laut RKI 1948 Neuinfektionen, von Freitag zum Samstag meldeten die Gesundheitsämter mehr als 300 neue Fälle. Da auch auf den Intensivstationen der Krankenhäuser wieder zunehmend Covid-19-Patienten behandelt werden, gelten nahezu thüringenweit die Corona-Warnstufen 1 oder 2 nach dem Frühwarnsystem.

Das bedeutet, dass die Kommunen nach den geltenden Corona-Regeln gegensteuern müssen, vor allem mit einer verschärften Testpflicht für die meisten Ungeimpften. Das gilt etwa beim Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen, zu Fitnessstudios oder Sporthallen. In Jena wurde eine solche 3G-Regelung (3G: Geimpfte, Genesen, Getestete) am Freitag erlassen, sie gilt vorerst bis Ende des Monats. In Gera soll sie am Montag in Kraft treten.

Freitag, 8. Oktober

13.31 Uhr: Intensivmediziner: Neue Corona-Welle könnte die letzte große sein

Der Jenaer Intensivmediziner Michael Bauer sieht angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen eine sich aufbauende neue Corona-Welle. „Sie nimmt gerade Fahrt auf“, sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Das könnte voraussichtlich die letzte große Welle sein, die über uns rollt – aber es wird noch einmal unnötige Todesfälle geben.“

Auf den Intensivstationen lägen zunehmend jüngere Menschen, die schwer an Covid-19 erkrankt seien. „Wir haben 29- und 32-Jährige auf der Station.“ Am Klinikum Jena etwa seien alle schwer Erkrankten nicht gegen Covid-19 geimpft. „Der Unterschied zu Geimpften ist eklatant.“

Für die Intensivstationen drohe eine weitere Pandemiewelle zu einer noch größeren Herausforderung als die vorherigen zu werden – vor allem weil wegen der extremen Belastung viele Pflegekräfte die Stationen verlassen hätten. „Das ist für uns ein ganz heißes Thema, wie wir nochmals Pflegekräfte gewinnen – sonst wird es auch eng bei anderen Diagnosen.“

Bauer mahnte, bei der Belegung von Intensivbetten mit Corona-Patienten nicht nur auf die Zahlen zu schauen. „In diesen Betten wird auch gestorben.“ Dagegen helfe nur, möglichst viele Menschen gegen Covid-19 zu impfen.

10.44 Uhr: In Thüringen ist die Corona-Inzidenz weiter gestiegen

Am Freitag lag die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bei 89,0, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Am Donnerstag hatte der Wert bei 82,7 gelegen. Es kamen binnen 24 Stunden 433 neue Infektionen und drei weitere Todesfälle hinzu. Bundesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 63,8. Damit lag der Freistaat weiter deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Thüringen weist der Unstrut-Hainich-Kreis mit 152,4 aus, gefolgt von den Landkreisen Greiz (138,6) und Eichsfeld (131,7). Landesweit die niedrigste Inzidenz hatte am Freitag der Landkreis Sonnenberg mit 19,3.

Seit Beginn der Pandemie im März 2020 haben sich im Freistaat nachweislich 137.634 Menschen mit dem Coronavirus infiziert; 4426 starben an oder mit einer Covid-19-Erkrankung.

08.18 Uhr: Ende der kostenlosen Schnelltests im Freistaat

In Thüringen bietet nach Angaben der Landesapothekerkammer nur noch eine Minderheit der Apotheken Corona-Schnelltests (Antigentests). Aktuell sind es 38, wie die Kammer auf Anfrage mitteilte. Nach Einführung der bislang kostenlosen „Bürgertests“ waren es 70 der mehr als 500 Apotheken im Freistaat. Am Montag (11. Oktober) tritt die neue Bundes-Testverordnung in Kraft.

Von da an müssen die meisten Menschen den Schnelltest aus eigener Tasche bezahlen. Ausnahmen gelten bis zum Jahresende unter anderem für Menschen unter 18 und Schwangere. Was heißt das für Thüringen?

  • Testzentren: In zahlreichen Kommunen sind in den vergangenen Monaten öffentliche Testzentren eingerichtet worden. Nach den Impffortschritten wurden diese Angebote teilweise schon zurückgefahren. Jetzt stellt etwa auch die Stadtverwaltung Wurzbach im Saale-Orla-Kreis ihr Testangebot ein, wie das Landratsamt mitteilte. Die Stadt Suhl will ihr Testzentrum hingegen unter den veränderten Bedingungen vorerst weiter betreiben.
  • Kosten: Ein Schnelltest kostet nach Angaben von Thomas Olejnik, stellvertretender Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes, im Schnitt zwischen 15 und 20 Euro. Der Preis könne allerdings von Apotheke zu Apotheke variieren.
  • Schnelltests und 3G: Bei der 3G-Regelung, mit der etwa Betreiber von Kinos, Clubs oder Theatern den Zugang auf Geimpfte, Genesene und Getestete beschränken können, nützen Schnelltests nichts. Nach der aktuellen Thüringer Corona-Verordnung ist hier ein als zuverlässiger geltender PCR-Test oder ein diesem vergleichbarer Test nötig. Das ist deutlich teurer. „Wenn es bei der aktuellen Regelung bleibt, wird der Schnelltest an Bedeutung verlieren“, prognostiziert Apotheker Olejnik.
  • Alternativen zu kostenpflichtigen Tests: Die Covid-19-Impfung, zu der Ärzte und mehrere Gesundheitspolitiker dringend raten, ist kostenlos.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) pocht dabei auf Freiwilligkeit. Die Menschen könnten sich entscheiden zwischen Impfen oder Testen.

„Wer sich nicht impfen lassen möchte, kann dies frei entscheiden, muss dann aber eben auf andere Weise zum Schutz der Gemeinschaft beitragen“, sagte Werner.

Donnerstag, 7. Oktober

18.13 Uhr: Erfurt verzichtet auf weiterreichende Maßnahmen

Auch Erfurt befindet sich seit heute in der Corona-Warnstufe 1. Verantwortlich dafür sind die Sieben-Tage-Inzidenz von 67,9 sowie der thüringenweite Belastungswert für die Auslastung der Intensivbetten von 4,4 Prozent. Letzterer liegt den dritten Tag in Folge über der kritischen Schwelle von drei Prozent.

Laut Thüringer Verordnung muss die Stadtverwaltung nun weiterführende Maßnahmen zum Infektionsschutz treffen. Bei diesen sollen aber auch das Ausmaß des allgemeinen Infektionsgeschehens sowie örtliche Besonderheiten der Infektionslage berücksichtigt werden.

Nach reiflichen Abwägungen hat sich das Erfurter Gesundheitsamt dazu entschlossen, keine neue Allgemeinverfügung mit weiteren Schutzmaßnahmen zu erlassen. So wird es in der Landeshauptstadt vorerst keine erweiterte Testpflicht geben, auch muss in geschlossenen Räumen noch nicht die 3G-Regel angewendet werden. Lediglich in den Bereichen Schule und Kita werden entsprechend der Allgemeinverfügung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport neue Maßnahmen in Kraft treten. Schüler erhalten nun beispielsweise zweimal pro Woche ein Testangebot durch die Schulleitung.

Erst wenn das Infektionsgeschehen dynamischer werden sollte, wird die Stadt weiterreichende Maßnahmen erlassen. Diesen Entschluss hat Oberbürgermeister Andreas Bausewein dem Thüringer Gesundheitsministerium und dem Landesverwaltungsamt in Weimar in einem Schreiben mitgeteilt.

Als Begründung führte Bausewein unter anderem an, dass Erfurt seit neun Tagen eine rückläufige Inzidenz verzeichnet. Gestern waren es 34 Neuinfektionen. Diese betreffen hauptsächlich Kinder und Jugendliche und nicht die Risikogruppen für schwere Verläufe.

Außerdem bezeichnet das Erfurter Helios-Klinikum als Maximalversorger und Level-1-Klinik seine Auslastung durch Covid-Erkrankte als „stabil und unkritisch“. Die Auslastung der Kinderintensivbetten sei durch andere Erkrankungsbilder verursacht. Die Erfurter Hospitalisierungsinzidenz liegt stabil unter dem Grenzwert von 4,0. Darüber hinaus verzeichnet Erfurt eine aktuelle Quote von 68,7 Prozent vollständig Geimpfter und liegt damit über dem landesweiten Durchschnitt.

14.16 Uhr: Im Freistaat gelten flächendeckend Warnstufen

In Thüringen gelten nach einem deutlichen Anstieg der Neuinfektionen nahezu flächendeckend Warnstufen nach dem Corona-Frühwarnsystem. Mit Ausnahme der Landkreise Sonneberg und Weimarer Land stand die Warnampel am Donnerstag in den meisten Landkreisen und kreisfreien Städten auf Gelb für die erste Stufe, wie das Gesundheitsministerium in Erfurt mitteilte.

Die Kreise Schmalkalden-Meiningen und Saalfeld-Rudolstadt haben inzwischen die zweite Warnstufe erreicht. Landesweit stieg der Inzidenzwert, also die Zahl neuer Ansteckungen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, am Donnerstag auf 82,7. Das ist laut Robert Koch-Institut der dritthöchste Wert unter den Bundesländern nach Bremen (108,8) und Bayern (87,9).

Die landesweit höchste Inzidenz wies am Donnerstag der Unstrut-Hainich-Kreis mit 145,5 auf, gefolgt vom Kreis Greiz (138,6). Neben der zunehmenden Zahl der Neuinfektionen spielt zunehmend auch die Situation auf den Intensivstationen eine Rolle: Der Anteil von Covid-19-Patienten an den betreibbaren Intensivbetten lag am Donnerstag mit 4,4 Prozent über dem Schwellenwert von 3 Prozent.

Nach den Thüringer Corona-Regeln müssen die Kommunen bei Erreichen der ersten Warnstufe gegensteuern - im Kern mit verschärften Testpflichten für Ungeimpfte. Der Saale-Orla-Kreis etwa hat dies bereits angekündigt. Dort gilt für Nichtgeimpfte vom kommenden Montag an eine Testpflicht etwa bei öffentlichen Veranstaltungen, für Schwimm- und Freizeitbäder, Saunen, Fitnessstudios und Sporthallen. Das Landratsamt wies am Donnerstag darauf hin, dass dies auch für den Freizeitsport und organisierten Sportbetrieb innerhalb geschlossener Räume gilt. Davon ausgenommen seien Kinder, die noch keine Schule besuchen sowie Schulkinder, die am Testsystem der Schulen teilnehmen.

Mittwoch, 6. Oktober

14.51 Uhr: Ärzte erhalten Drohbriefe von Corona-Gegnern

Mehrere Ärzte in Thüringen, die gegen Covid-19 impfen, haben Drohbriefe erhalten. Die Briefe einer Person aus dem Lager der Impfgegner seien seit Freitag bei Medizinern eingegangen, sagte Jörg Mertz, Leiter des Pandemiestabs der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Auch der KV-Vorstand habe einen solchen Brief erhalten. Die Briefe seien von einer „gewissen Radikalität, die wir so nicht kennen“, sagte Mertz.

Die Person sei bekannt, da sie ihren Namen und ihre Adresse in den Briefen hinterlassen habe. Die KV will rechtliche Schritte gegen sie einleiten.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Cornelia Klisch, selbst Ärztin, äußerte sich bestürzt. „Die Drohbriefe zeigen auf eine schockierende Weise die Verrohung radikaler Impfgegner“, erklärte Klisch.

Laut Mertz sind vor allem Ärzte aus Nordthüringen betroffen, dort seien die Briefe auch abgeschickt worden. Derzeit meldeten sich noch immer betroffene Ärzte bei der KV und auch bei der Landesärztekammer. Diese hatte sich in der vergangenen Woche in einer Resolution gegen eine zunehmende verbale und auch physische Gewalt gegen Ärzte in der Corona-Pandemie gewandt. Anfang September war in Thüringen ein Impfteam in Gera von einem Mann angegriffen worden, er verletzte zwei medizinische Fachangestellte.

6.16 Uhr: Lehrer dürfen Impfstatus weiter für sich behalten

Nachdem der Bund grünes Licht für die Abfrage des Impfstatus unter anderem an Schulen und Kitas gegeben hat, will das Thüringer Bildungsministerium vorerst keinen Gebrauch davon machen. „Wir gehen nach den Erfahrungen des Frühjahrs, als Pädagoginnen und Pädagogen frühzeitig Impfangebote erhielten und diese auch stark nachgefragt hatten, wie auch aufgrund punktueller Rückmeldungen aus den Schulen und Schulämtern von einer hohen Impfquote unter Schulpersonal aus“, sagte ein Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Der Freistaat sei Dienstherr von Lehrern, Horterziehern und sonderpädagogischen Fachkräften an staatlichen Schulen. „Für diese Personengruppe hat bisher keine zentrale Abfrage des Impfstatus stattgefunden.“

Bereits Mitte September war eine Neuregelung des Bundes in Kraft getreten, die in bestimmten Bereichen eine Impfstatus-Abfrage bei Beschäftigten erlaubt - unter anderem in Schulen und Kindergärten.

(dpa/red)