Erfurt: Ex-Mann soll zweifache Mutter überfahren haben – Zeuge schildert schreckliche Szenen

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Ex-Frau überfahren zu haben. Nun steht er in Erfurt vor Gericht. (Symbolbild)
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Ex-Frau überfahren zu haben. Nun steht er in Erfurt vor Gericht. (Symbolbild)
Foto: imago images / imagebroker

Erfurt/Arnstadt. Aus Hass und Rache hat ein Mann nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nach der Trennung seine Ehefrau ermordet.

Der 49-Jährige soll heimtückisch und aus niederen Motiven gehandelt haben, so der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung am Donnerstag am Landgericht Erfurt.

Prozess am Landgericht Erfurt: Ex-Mann soll zweifache Mutter aus Rache getötet haben

Konkret wird dem Deutschen vorgeworfen, im Juli vergangenen Jahres seine Ehefrau gezielt mit seinem Geländewagen angefahren zu haben, als die 40-Jährige mit dem Fahrrad in Arnstadt unterwegs gewesen war. Die Frau sei mehrere Meter weit durch die Luft geschleudert worden und auf dem Boden aufgeprallt.

Dabei habe sie so schwere Verletzungen erlitten, dass sie noch am gleichen Tag im Krankenhaus starb (mehr zu der Tat liest du hier).

Angeklagter soll mit bis zu 80 Sachen auf Ex-Frau zugefahren sein

Der Angeklagte soll dabei mit einer Geschwindigkeit zwischen 70 und 80 Kilometer pro Stunde auf die Frau zugefahren sein. Erlaubt gewesen war dort aber nur eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde, so der Staatsanwalt.

Die Anklage lautet auf Mord in Tateinheit mit gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

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Mehr zum Fall:

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Staatsanwaltschaft vermutet abscheuliches Motiv

Als Beweggrund für die Tat verwies der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung auf die Trennung der Eheleute etwa zwei Jahre zuvor. Der 49-Jährige habe sich auch dafür rächen wollen, dass die beiden gemeinsamen Kinder bei der Frau und ihrem neuem Partner lebten und die Kinder den Mann als Stiefvater anerkannten.

Zudem soll auch Streit um Geld aus dem Verkauf des gemeinsamen Hauses eine Rolle gespielt haben.

Der Angeklagte schwieg zum Prozessauftakt. Im Gegensatz zu der Mutter des Opfers. Sie sagte vor Gericht aus und offenbarte, wie sich die Beziehung zwischen dem ehemaligen Paar immer weiter verschlechtert hätte. Ihre Tochter habe lange kaum über ihre Ehe gesprochen. Es sei aber klar gewesen, dass etwas nicht stimme.

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Mutter enthüllt erschreckende Details

Erst später habe ihre Tochter unter anderem erzählt, dass der nun Angeklagte gedroht habe, ihr und der Familie etwas anzutun. Auch deshalb sei sie wohl immer wieder zu dem Mann zurückgekehrt, sagte die Zeugin. „Meine Tochter hat sich erst getrennt, als er ihr das Messer an den Hals gehalten hat.“ Erst nach dieser Episode im Dezember 2017 habe sich ihre Tochter endgültig von dem Mann lösen wollen und später dann auch die Scheidung eingereicht.

Erst als die Mutter der Ehefrau schluchzend davon berichtete, wie sie von dem Vorfall und dem Tod der Tochter erfuhr, wischte sich auch der Angeklagte dezent Tränen aus dem Gesicht. „Meine Tochter hatte eine fürchterliche Angst gehabt vor dem Mann. Sie hat immer gesagt, es würde etwas passieren und dass sie es nicht überlebt.“

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Angeklagter zeigt keine Reaktionen auf Tatort-Fotos

Dagegen lösten Aufnahmen vom Tatort, die eine Sachbearbeiterin des Landeskriminalamts präsentierte, bei dem Angeklagten keine erkennbaren Reaktionen aus. Die Bilder zeigten Fahrzeugteile, darunter ein Nummernschild, Fahrradteile und persönliche Gegenstände der Frau, die über viele Meter entlang des Tatorts verstreut lagen. Auch das stark verbeulte und beschädigte Rad der Frau war zu sehen.

Zeuge: „Ich konnte mir keinen Reim darauf machen“

Ein Zeuge, erklärte, dass er überrascht von dem Geländewagen gewesen sei, der plötzlich in einer 30er-Zone beschleunigt habe. Der Wagen sei dann auf die rechte Seite auf eine Person mit Fahrrad zugezogen, die sich weiter hinten am rechten Straßenrand befand. Er habe ein Aufprallgeräusch gehört und dann gesehen, wie die Person hochgeschleudert wurde. Dann sei der Wagen, ohne langsamer zu werden, davongerast. Der Zeuge gab an, dass die Person leblos auf dem Boden lag. Er habe Anwohner alarmiert, die wiederum via Telefon Hilfe verständigt hätten. „Das war völlig unwirklich, dass sowas passiert“, erinnerte sich der Zeuge. „Wie konnte das passieren, sieht der nicht, dass da vorne jemand ist? Ich konnte mir darauf keinen Reim machen.“

Ein weiterer Zeuge gab an, dass er einen Knall gehört und ein schwarzes Auto schnell vorbeifahren gesehen habe. Dann habe er auch die Frau auf dem Boden liegen sehen. (dpa/mb)