Polizei Thüringen teilt Facebook-Post und erntet heftige Kritik – jetzt beziehen die Beamten Stellung! „Sind selbst Opfer geworden..."

Ein Nachbarschaftsstreit in Ebeleben in Thüringen ist derart eskaliert, dass sogar das SEK anrücken musste.
Ein Nachbarschaftsstreit in Ebeleben in Thüringen ist derart eskaliert, dass sogar das SEK anrücken musste.
Foto: Silvio Dietzel

Ebeleben. Dieser Fall aus Ebeleben in Thüringen hat für Aufsehen gesorgt!

Ein 61-jähriger Mann hatte am Dienstag betrunken mit einer Waffe auf seinem Balkon herum hantiert und mehrere Passanten bedroht. Darunter auch ein elfjähriges Mädchen. Die Polizei Thüringen rückte aus und orderte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) an.

Thüringen: Polizei reagiert auf Kritik bei Facebook

Einen Tag danach berichteten die Beamten von dem Vorfall auf ihrer Facebook-Seite. Inklusive eines Symbolfotos mit der Aufschrift „Alkoholisierter Waffennarr". Doch das ging mächtig nach hinten los. Die Beamten ernteten Kritik – zu der sie sich nun in einem neuen Beitrag äußern.

Den Online-Diskussionen war der Vorfall in Ebeleben vorausgegangen. Das bedrohte elfjährige Mädchen erzählte einem 19-jährigen Bekannten danach von dem Vorfall.

+++ Hund: Frau aus Weimar sieht Hunde-Welpen – was sie dann macht, ist nicht zu fassen +++

Ebeleben: 61-Jähriger bedroht Passanten vom Balkon aus mit Waffe

Der wiederum machte sich auf den Weg zu dem Mann mit der Waffe. Auch er wurde bedroht und verständigte daraufhin die Polizei. Die wiederum rückte aus und forderte Unterstützung vom SEK an – „Da wir nicht ausschließen konnten, dass es sich um eine scharfe Waffe handelte", macht die Polizei deutlich.

Doch noch bevor das SEK am Einsatzort eintraf, konnten die Beamten den 61-Jährigen beim Verlassen seiner Wohnung festnehmen. Der Mann habe sich noch am selben Abend in die Psychiatrie einweisen lassen. In der Wohnung fanden die Beamten nach eigenen Angaben eine Softairwaffe und mehrere Schreckschusswaffen.

---------------------------------

Mehr Themen aus Thüringen

---------------------------------

Facebook-Beitrag der Polizei sorgt für Kritik

Bei Facebook berichtete die Polizei Thüringen von eben jenem Vorfall – und erntete zum Teil heftige Kritik wegen des Wortes „Waffennarr".

Ein Auszug aus den Kommentaren:

  • „'Waffennarr' Wegen einer Softair und Schreckschuß Dingern? Ihren Hang zur Dramatik stellen Sie häufiger zur Schau. Auch diesmal wurde für Effekthascherei mal wieder eine Mücke zum Elefanten gemacht."
  • „'Waffennarr'? Vollidiot trifft es eher. Er bringt die ganzen Legalwaffenbesitzer in Verruf."
  • „Also von der Polizei Thüringen hätte ich ein gewisses Maß an Solidarität bei der Wortwahl erwartet"
  • „Und weil er ein paar freie Waffen hat, ist der Mann ein "Waffennarr"? Der Mann ist ziemlich dumm, soviel ist klar. Aber das Wort "Waffennarr" ist einfach nur übel negativ. Es gibt viele Leute, die haben Waffen, auch scharfe, bis zum Abwinken. Weil sie's können und dürfen. Das sollte nicht negativ bewertet werden."

+++Thüringen: Drama in der Werkshalle! Mann fährt rückwärts mit Gabelstapler – und erfasst Kollegen +++

Polizei meldet sich zu Wort: „War grenzwertig"

Die Polizei Thüringen wollte diese Kommentare nicht unbeantwortet stehenlassen und schickte am Donnerstag einen weiteren Beitrag hinterher. Darin betonen die Beamten, dass sie stets versuchen, mit ihren Texten und Bildern dem Medium Facebook gerecht zu werden. Und da würden sie eben eine andere Sprache wählen als in sachlichen Polizeimeldungen.

Allerdings rudern die Beamten bei der Bezeichnung „Waffennarr" zurück. Die Polizei hätte den Text noch einmal besprochen und sei zu dem Entschluss gekommen, dass die Kritik zum Teil gerechtfertigt sei.

„In der Neubewertung und Reflexion unseres Textes und auch durch euer Feedback sind wir zu der Einschätzung gekommen, dass die Bezeichnung 'Waffennarr' grenzwertig war und wir selbst Opfer einer selektiven Ursachenzuschreibung geworden sind."

+++ Thüringen: Große Sorge um jungen Mann – Manuel könnte sich in hilfloser Lage befinden +++

Und für ihre Ehrlichkeit und Reflexion ernten die Beamten am Ende viel Lob. „Einsicht und Selbstreflexion sind in dieser Zeit leider keine Selbstverständlichkeit. Danke, dass ihr euch so sachlich der Kritik annehmt", schreibt beispielsweise ein Nutzer bei Facebook. (abr)