Thüringen: Trotz Lockdown – Friseur hat die ganze Zeit gearbeitet: „Ich habe megaviele Termine gemacht“

Seit dem 16. Dezember sind Friseure in Thüringen und ganz Deutschland geschlossen. (Symbolbild)
Seit dem 16. Dezember sind Friseure in Thüringen und ganz Deutschland geschlossen. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Cavan Images

Der Ruf der Friseure in Thüringen und ganz Deutschland war sehr laut, sodass die Politik einlenkte. Ab dem 1. März dürfen Friseure wieder öffnen. Nach zweieinhalb Monaten darf wieder geschnitten und gefärbt werden. Ein Mann aus Thüringen hielt der Lockdown dennoch nicht von seiner Arbeit ab. Er machte einfach weiter – illegal.

Wo genau sein Salon in Thüringen ist und wie er heißt, das wird nicht verraten. Mit dem MDR Thüringen sprach der Friseur über seine Arbeit im „Untergrund“. In seinem Salon arbeiten vier Friseure. Die sind in Kurzarbeit, doch der Inhaber schnitt weiter.

Thüringen: Friseur ist sehr vorsichtig

Sein Telefon stehe seit dem zweiten Lockdown nicht still. Viele fragten ihn, ob er zum Kaffee vorbeikommen wolle und gleich seine Schere mitbringen könne. „Ich habe megaviele Termine gemacht. Doch Anfragen von Leuten, die ich nicht kenne, habe ich abgelehnt. Ich wusste ja nie: Ist das ein Test? Will dich jemand verpfeifen?“, sagt er.

Die Haare schneide er bei den Menschen zu Hause. Sie sollen sich selbst die Haare waschen, damit es schneller geht. So könne er mehrere Termine in der Gegend wahrnehmen.

Im ersten Lockdown habe es Corona-Hilfen gegeben, jetzt aber fehle das Geld. Gespart habe er, jedoch für einen zweiten Salon. An das Geld will der Mann aus Thüringen aber nicht gehen. Während die Mitarbeiter Kurzarbeitergeld bekommen, gehen die Friseur-Chefs bisher leer aus.

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Das ist das Coronavirus:

  • ist SARS-CoV-2 (Abkürzung für englisch: severe acute respiratory syndrome coronavirus 2)
  • gehört zur Familie der Coronaviren, eine Infektion kann neue Atemwegserkrankung Covid-19 verursachen
  • erstmals 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan entdeckt
  • wurde von der WHO am 30. Januar 2020 als „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ und am 11. März 2020 als Pandemie eingestuft
  • Infektion erfolgt in der Regel über Tröpfcheninfektion und Aerosole

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Das kritisiert auch Sybille Hain, Landesinnungsmeisterin für Friseure und Kosmetiker in Thüringen und Sachsen-Anhalt: „Das ist gar nichts. Die Ausgaben laufen weiter. Mit dem Schließen der Salons wurden Friseure in die Schwarzarbeit getrieben. Mit Stand Mitte Februar 2021 sage ich: Die ein oder andere Friseurin wird es wohl müssen. Es gibt Fälle, da haben Friseure ihr Auto verkauft. Nicht jeder sagt offen, ich kann mir keine Lebensmittel mehr leisten. Aber das gibt es.“

Thüringen: Verstöße werden nicht kontrolliert

Ebenfalls kritisch findet sie die Tatsache, dass die „sicheren Salons“ mit Hygiene-Konzept geschlossen wurden und nun im privaten Bereich gearbeitet wird. Denn dort können Ordnungsämter nicht kontrollieren.

„Selbst wenn es Hinweise gab, dass permanent Kunden kommen – es wird und wurde nicht verfolgt. Da sage ich: Was nützen Gesetze und Vorschriften, wenn sie nicht kontrolliert werden? Mir ist in Thüringen kein Fall bekannt, in dem es Strafen gegeben hat.“

Der Friseur aus Thüringen ist froh, wenn er in zwei Wochen wieder öffnen darf. „Gefühlt 100 Anrufe“ seien bei ihm am Montagmorgen schon eingegangen. „Bei Extensions muss man alle vier bis sechs Monate zum Friseur. Wenn das jetzt genau im Lockdown ist, können im schlimmsten Fall die Haare abbrechen. So Jemanden kann man doch nicht hängen lassen, dass er dann einen Schaden hat! Und auch die Omis sehen unmöglich aus“, sagt er.

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Thüringen: „Die weinen, wenn sie mich jetzt auf der Straße sehen“

Auch an Silke Winter, Obermeisterin der Friseurinnung Eisenach, wenden sich viele verzweifelte Kunden: „Ich habe viele Kunden, die laufen mit einem Ansatz rum. Die weinen, wenn sie mich jetzt auf der Straße sehen. Die können die Haare teilweise nicht selbst waschen und frisieren. Aber die kommen auch zum Reden.“

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Aber auf für die Öffnung am 1. März sieht die Frau aus Thüringen schwarz. Denn pro Kunde und pro Friseur brauche sie zehn Quadratmeter Platz, laut Vorschrift. Das geben viele Salons in Thüringen aber gar nicht her.

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„Um einen einzigen Kunden zu bedienen, braucht man also 20 Quadratmeter Platz. Und das, obwohl beide dicht beieinanderstehen. Für die Salons heißt das unter Umständen: Es können nicht alle Friseure voll arbeiten, es gibt weiter Kurzarbeit und das trotz ausgeklügeltem Hygiene- und Bestellsystem“, sagt sie gegenüber dem MDR Thüringen. (ldi)