Björn Höcke vor Gericht: Jena-Gemeinde klagt! Steckt er hinter dem mysteriösen Landolf Ladig?

Björn Höcke, Sprecher der AfD in Thüringen, muss in Erfurt vor Gericht. Eine Gemeinde in Jena hatte gegen eine seiner Aussagen geklagt.
Björn Höcke, Sprecher der AfD in Thüringen, muss in Erfurt vor Gericht. Eine Gemeinde in Jena hatte gegen eine seiner Aussagen geklagt.
Foto: IMAGO / Revierfoto

Wer steckt hinter dem Pseudonym „Landolf Ladig“? Abschließend geklärt ist diese Frage bis heute nicht. Klar ist jedoch: Unter diesem Namen wurden in den Jahren 2011 und 2012 mehrere Texte in einer NPD-Zeitschrift veröffentlicht. Ab 2015 erhärtete sich der Verdacht, dass AfD-Thüringen-Chef Björn Höcke Autor der Texte sein könnte.

Björn Höcke stritt seine Autorenschaft bislang ab, sagte im „MDR“-Sommerinterview 2019, Landolf Ladig stamme aus der Jungen Gemeinde Jena. Die will seine Aussage nicht unwidersprochen stehen lassen – und hat gegen den Rechtsextremisten geklagt. Am Mittwoch steht Höcke nun in Erfurt vor Gericht, wie der „MDR“ berichtet.

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Seit 2015 wird Björn Höcke immer wieder mit den verfassungsfeindlichen und menschenverachtenden Schriften des Pseudonyms „Landolf Ladig“ in Verbindung gebracht, die in NPD-Zeitschriften veröffentlicht wurden. Im August 2019 bestritt Björn Höcke gegenüber dem „MDR“ jedoch, Autor der Texte zu sein. Er gab an, Ladigs Geburtsort sei in der Jungen Gemeinde Stadtmitte Jena.

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Das ist Björn Höcke:

  • geboren am 1. April 1972 in Lünen
  • einer von zwei Sprechern der AfD Thüringen
  • Begründer der rechtsextremen AfD-Strömung Der Flügel
  • wird seit Anfang 2002 vom Verfassungsschutz überwacht

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Die Gemeinde selbst wehrt sich deutlich gegen die Behauptung des Rechtsextremisten. Im Oktober 2019 reichte sie eine Unterlassungsklage ein, nachdem zuvor mittels Spendenaufrufes die Prozesskosten finanziert worden waren.

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„Schon viel zu lange kommen Höcke und die AfD damit durch, in hoher Frequenz Falschbehauptungen zu streuen, deren jeweilige Überprüfung für die meisten Leute gar nicht zu leisten ist. Und gerade wegen der Brisanz der Texte, um die es geht, haben wir für uns beschlossen, diese absurde Falschbehauptung nicht einfach so stehen zu lassen“, so Anne Neumann von der Jungen Gemeinde gegenüber dem „MDR“.

Björn Höcke und „Landolf Ladig“

Den Stein ins Rollen gebracht hatte 2015 der Soziologe Andreas Kemper. Er hatte die Sprache von Höckes Reden und den Werken von Landolf Ladig analysiert und frappierende Ähnlichkeiten festgestellt. Bestimmte Ausdrücke und Wortschöpfungen, die nur Höcke in seinen Reden verwendete, traten auch in den Texten von Ladig auf. Zudem gab es eine überraschend genaue Beschreibung von Höckes Wohnhaus in Bornhagen.

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Die AfD forderte von Höcke zunächst, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, dass er nicht hinter dem Pseudonym stecke. Der AfDler weigerte sich, stritt seine Autorenschaft der Texte jedoch ab. Das tut Höcke bis heute.

Später versuchte die Partei, den Rechtsaußen-Politiker komplett rauszuwerfen. Die AfD befand sich zu diesem Zeitpunkt am Scheideweg: Würde sie weiter nach rechts abdriften, oder könnten sich die bürgerlich-konservativen Kräfte durchsetzen? Vom Bürgerlichen ist inzwischen nicht mehr geblieben als die Fassade.

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Der Verfassungsschutz urteilte 2019 in einem Bericht, eine Identität zwischen Ladig und Höcke sei „nicht nur wahrscheinlich, sondern angesichts der plausibilisierten Faktendichte nahezu mit Gewissheit anzunehmen“.

Auch deswegen wird der Fall vor dem Gericht in Erfurt mit Spannung erwartet: Wird es neue Hinweise auf die Verstrickung zwischen Björn Höcke und Landolf Ladig geben?

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, war Höcke zum Auftakt des Prozesses am Mittwochmorgen nicht selbst erschienen. Eine Sprecherin der AfD-Thüringen Fraktion wollte sich auf Anfrage der Agentur nicht zu der Verhandlung äußern. Erst wenn es eine Entscheidung des Gerichts gebe, wolle man über ein Statement beraten. Das könnte sich allerdings noch ein wenig ziehen. Demnach wird erst am 25. Juni mit einer Entscheidung gerechnet. (dav)