Erfurt: Bekanntester Bewohner der Krämerbrücke verlässt die Stadt – Anwohner traurig: „Armutszeugnis für die Stadt“

In Erfurt kehrt der bekannteste Krämerbrücken-Bewohner der Stadt den Rücken.
In Erfurt kehrt der bekannteste Krämerbrücken-Bewohner der Stadt den Rücken.
Foto: IMAGO / Westend61; Privat (Montage: Thüringen24)

Erfurt. Er ist der wohl bekannteste Bewohner der Krämerbrücke in Erfurt.

Jahrelang hielt Franz II. die Menschen über seine Erlebnisse in der Innenstadt auf dem Laufenden. Nun packt er seine Kartons zusammen und verlässt Erfurt. Das stimmt viele tieftraurig.

„Der Brückenkater wird ein Inselkater“, sagt Besitzerin Franziska Bracharz dem MDR. Jahrelang führte die Frau durch die Stadt und brachte Kindern die Geschichte von Erfurt näher. Sie arbeitete als Kinderstadtführerin, Geschichts- und Kulturvermittlerin. Nun will sie mit ihren beiden Katzen in den Norden ziehen.

Erfurt: Umzug wegen Corona

Nach Hiddensee genauer gesagt. Somit sagt auch Krämerbrückenkater Franz II. Erfurt lebewohl. In einem Online-Blog schrieb Bracharz aus der Sicht ihres Katers. Der wurde in Erfurt so immer bekannter.

„Ich bin richtig euphorisiert. Und das, obwohl so viel hier in Erfurt bleibt: Familie, Freunde, Möbel“, sagt die 40-Jährige. Schon öfter zog es sie zum Meer. Den Auslöser für den Umzug sei aber eine Ausschreibung eines Insel-Restaurants gewesen. Eine Küchenhilfe wurde gesucht.

„Ich habe alles aufgelistet, was ich in der Küche nicht kann. Und das ist eine ganze Menge. Aber eine Kloßteig-Pizza bekomme ich gut hin.“ Die Frau aus Erfurt bekam die Stelle.

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Das ist Erfurt:

  • ist die Hauptstadt des Bundesland Thüringen
  • hatte im Dezember 2019 knapp 214.000 Einwohner
  • gilt als eines der drei Oberzentren des Bundeslandes
  • seit 2006 ist Andreas Bausewein (SPD) Oberbürgermeister von Erfurt

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Weiterer Grund für den Umzug von Erfurt nach Hiddensee: Corona. Denn durch den Lockdown wurde ihr das genommen, was sie seit 15 Jahren immer gerne machte: Die Kinder durch die Gassen führen.

Erfurt: Brachharz ist verärgert

Nicht selten hat sie sich darüber geärgert, dass die kulturelle Bildung und die Museumspädagogik in Erfurt nur Nebenrollen spielten. „Ich habe viel ausgehalten, weil ich die Kinder hatte. Aber wenn nun sogar Schulausflüge und Wandertage vor der eigenen Haustür nicht möglich sind, ist es das Ende meiner Arbeit“, sagte Bracharz gegenüber dem MDR.

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Dass Brachharz mit den Katzen Franz II und Shanti geht, stimmt viele Facebook-Nutzer tieftraurig und wütend auf die Stadt Erfurt.

Hier einige Kommentare:

  • „So schade! Das ihr die Stadt Erfurt keine Perspektiven mehr geben konnte, ist ein Armutszeugnis für die Stadt. Nach und nach bricht für unsere Kinder in Erfurt alles schöne Weg. Auch dank Corona.“
  • „Sehr schade für Erfurt und besonders für die Kinder. Für uns natürlich auch, aber wir werden euch Dreien weiter folgen und sehen wie es euch in Hiddensee geht!“
  • „Oh nein, wie schade. Du warst für die Stadt so wichtig. Sie können sich ihre Stadtführungen ohne ‚Franzi‘ sonst wohin stecken.“
  • „Es ist beschämend, das Erfurt nicht alles getan hat, um so eine engagierte und wundervolle Person hier zu halten. Manchmal sieht man den Wert eben erst, wenn man es verloren hat.“
  • „Ich wünsche Franzi, Franz und Shanti von Herzen alles Gute im neuen Leben. Wir werden auch dem Inselkater-Blog folgen. Ob Schafe zählen oder Gemüse schnippeln: Franzi wird ihren Weg gehen.“
  • „Erfurt wird das noch bereuen. Sie hätten Dich unterstützen sollen. Ich wünsche dir und deiner Familie sowie den Katzen, die ich auch so liebe, alles Gute.“

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2015 zog Franziska Bracharz mit Franz II auf die Krämerbrücke. Sie kann sich auch vorstellen, auf Hiddensee Touren mit Kindern zu veranstalten. „Es ist für mich ein großes Abenteuer, jetzt einen anderen Ort kennenzulernen. Und wer weiß, vielleicht werde ich Erfurt in der Ferne wieder neu zu lieben lernen“, sagt sie dem MDR. (ldi)