Wieso herrenlose Koffer in Thüringen für Angst sorgen – eine Chronologie

Herrenlose Gepäckstücke sorgen immer wieder für Großeinsätze der Polizei. (Archivfoto)
Herrenlose Gepäckstücke sorgen immer wieder für Großeinsätze der Polizei. (Archivfoto)
Foto: dpa

Ein Koffer steht einsam am Bahnhof, vom Besitzer weit und breit keine Spur. Jemand legt ein Paket auf offener Straße ab und verschwindet dann einfach. Zwei Männer stopfen eine Tüte in einen Papierkorb und rennen dann weg. Solche Szenarien lassen immer öfter die Alarmglocken der Thüringer schrillen.

In den vergangenen Wochen und Monaten lösten gleich mehrere Fälle Großeinsätze der Polizei aus, zuletzt zweimal in Jena und noch einmal am Mittwoch in Altenburg. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Die Gepäckstücke sind ungefährlich. Doch warum kommt es trotzdem immer wieder dazu?

„Die Leute sind mehr dafür sensibilisiert als noch vor ein paar Jahren“, sagt dazu Antje Weißmann, Sprecherin der Polizei in Jena. „Herrenlose Gegenstände sind in diesen Tagen, wie wir sie haben, ein subjektives Gefahrenpotenzial.“ In Zeiten von Terroranschlägen und -verdächtigen ist die Sorge der Bevölkerung vor möglichen Attentaten höher, sie greifen schneller zum Hörer und wählen den Notruf. Aber auch die Sicherheitsbehörden wollen kein Risiko eingehen.

„Früher hat man den Koffer einfach aufgemacht“

Dass gleich die Polizei im Großaufgebot samt Sprengstoffexperten anrückt, ist also eher ein Phänomen der jüngeren Zeit. „Früher“, sagt Weißmann, „hat man den Koffer einfach aufgemacht und reingeschaut, was drin ist.“ Dann sei das Gepäckstück gegebenenfalls ins Fundbüro gebracht worden.

Konkrete Fallzahlen zu herrenlosen Gepäckstücken werden nicht erhoben. „Wenn nichts Gefährliches drin ist, wird das als Fundsache eingestuft“, erklärt die Polizeisprecherin. Eine Übersicht, wie oft die Beamten wegen solcher Angelegenheiten ausrücken und eine Evakuierung in die Wege leiten müssen, gibt es demnach nicht.

Bildergalerie: Verdächtiges Paket in Jena

Entsprechend selten wird öffentlich, wem das Gepäckstück gehörte beziehungsweise warum es einfach so herumstand. Während nach der Räumung des Bahnhofs in Altenburg am Mittwoch der Besitzer schnell alles selbst auflösen konnte, bleiben andere Fälle ungelöst. Etwa der von Anfang August in Jena: Damals war ein Mann dabei beobachtet worden, wie er ein Paket am Holzmarkt ablegte. Die Polizei suchte den Verdächtigen, konnte ihn aber nicht finden. Mittlerweile, so heißt es aus der Behörde, ist die Akte geschlossen.

Von Sexspielzeug bis Heuballen – Aufregung um herrenlose Gegenstände in Thüringen

  • Am 26. Juli kam es ganz kurios: Ein herrenloser Heuballen führte zur Sperrung der Gleise in Erfurt, ein Sprengstoffsuchhund musste schnüffeln.
Am 27. Juli führt ein Missverständnis zu einem Großeinsatz der Polizei in Erfurt: Zwei Männer stopfen eine Tüte mit Sexspielzeug in den Müll und laufen weg. Eine Frau wählt daraufhin den Notruf.
  • Am 2. August öffnet ein Spezialroboter ein verdächtiges Paket am Holzmarkt in Jena und findet: einen Plastikbecher. Zuvor war ein großer Bereich der Innenstadt abgesperrt und der Straßenbahnverkehr eingestellt worden.
  • Am 9. und 10. Oktober sorgen kurz hintereinander Gepäckstücke in Jena für Aufregung. Am Busbahnhof stehen sieben Koffer herum, einen Tag später wird ein ICE gestoppt und der Saalbahnhof geräumt.
  • Am 12. Oktober sperrt die Polizei den Bahnhof in Altenburg. Hier meldet sich der Besitzer des Koffers noch während des Einsatzes. Er hatte sein Gepäck einfach vergessen.
  • Wenig später, am 19. Oktober, wunderte sich ein Reisender über die Absperrung am Busbahnhof in Nordhausen. Als er sich bei den Polizisten nach der Ursache erkundigte, stellte sich heraus, dass sein Gepäck für die Aufregung verantwortlich war.